Nach seinem Frust-Video VfL-Innenverteidiger Schiller: Die Prügel muss ich einstecken

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„Nicht reden, sondern Taten folgen lassen“ will nun Felix Schiller (rechts). Foto: imago/osnapix„Nicht reden, sondern Taten folgen lassen“ will nun Felix Schiller (rechts). Foto: imago/osnapix

Osnabrück. Das Frust-Video des alkoholisierten VfL-Innenverteidigers Felix Schiller, das seit Montag im Internet kursiert, bringt dem Fußball-Drittligisten VfL Osnabrück derzeit ungewollte Schlagzeilen ein. In diesem Interview spricht der 28-Jährige über seinen Fehltritt, für den er die volle Verantwortung übernimmt.

Herr Schiller, wie fühlen Sie sich?

Das, was in den letzten 48 Stunden über mich hereingebrochen ist, möchte ich nicht noch einmal erleben.

Sie hätten es verhindern können.

Ich weiß. Ich selber habe diesen Bockmist gebaut – und muss deswegen auch selbst dafür geradestehen. Die Prügel muss ich auch einstecken.

Wie hat das Video den Weg in die Öffentlichkeit gefunden?

Ich habe es an drei sogenannte Kumpels geschickt. Davon hat es einer weitergegeben – und so hat es sich verbreitet.

Das ist Ihnen wann bewusst geworden?

Am Montag. Ich habe dann sofort unseren Sportdirektor informiert – und mit dem Schlimmsten gerechnet. (Weiterlesen: Das schreibt die deutsche Presse über VfL-Spieler Felix Schiller)

Nämlich?

Mit einer harten Strafe und sämtlichen Reaktionen. Das, was ich da verzapft habe, ist keine Bagatelle. Ein Riesending, das dem Verein, der Stadt und der Mannschaft schadet. Damit gefährde ich den Erfolg der gesamten Truppe.

Haben Ihre Eltern auch schon das Video gesehen?

Ja sicher. (Weiterlesen: Schillers Video: Gefahr für das zarte Pflänzchen VfL)

Und?

Sie können mir glauben, dass ich nicht nur von meinen Eltern und meiner Schwester die passenden Worte zu hören bekommen habe.

Wie haben Ihre Mannschaftskollegen reagiert?

Die Jungs, die Führungsspieler, waren natürlich enttäuscht – und haben klare Worte gefunden: „Felix, was bist du für ein Idiot? Wir brauchen dich hier sportlich, und jetzt gefährdest du alles.“ Sie haben recht.

Noch mal zur Reaktion des Vereins. Es gab eine Geldstrafe, Abmahnung und die Abberufung aus dem Mannschaftsrat.

Ich habe dem Sportdirektor sofort gesagt, dass ich diese Strafe akzeptiere.

Sie haben am Dienstag erklärt, dass das Video aus der Emotion heraus entstanden ist. Können Sie das näher erklären?

Vorweg: Das, was ich jetzt sage, soll keine Entschuldigung für mein Verhalten sein. Es ist ein Erklärungsversuch. Gerade in den letzten Jahren war ich oft vom Verletzungspech gebeutelt. Ich wollte unbedingt den Saisonauftakt nicht verpassen. Und eineinhalb Wochen vor dem ersten Spiel habe ich wieder mit Leistenbeschwerden zu kämpfen. Eine Riesenenttäuschung für mich. Das hat mich total runtergezogen. Da bin ich Mitte der vergangenen Woche losgezogen – und der Abend nahm seinen bekannten Lauf. (Weiterlesen: VfL Osnabrück: Geldstrafe für Felix Schiller nach Video)

Aber immerhin saßen Sie ja am Samstag noch auf der Bank. Diese Möglichkeit hatten Sie drei Tage vorher nicht mehr in Erwägung gezogen? Theoretisch hätten Sie ja doch in der Startelf stehen können, wenn sich Ihre Innenverteidiger-Kollegen noch im Training verletzt hätten.

Ich weiß, ich habe völlig unüberlegt gehandelt. Dafür habe ich mich auch bei der Truppe entschuldigt.

Was tun Sie, damit sich solch ein „emotionaler Ausnahmezustand“ nicht wiederholt?

An diesem Schuss vor den Bug in den vergangenen 48 Stunden habe ich jetzt noch zu knabbern. Das darf und wird nicht noch einmal passieren.

Der Mitteldeutsche Rundfunk schreibt von „Schillers Schrei nach Liebe“. Konkret, dass Sie immer noch Ihrem alten Verein Magdeburg nachtrauern.

Das ist doch Quatsch. Ich war sechs Jahre in Magdeburg. Da ist es klar, dass da etwas wächst. Dass dort Freundschaften und Verbindungen entstehen. Jetzt bin ich beim VfL und identifiziere mich voll und ganz mit meinem neuen Verein. Aber natürlich muss das auch noch weiter wachsen. Ich kann Ihnen versichern: Ich fühle mich hier vom ersten Tag an wohl und habe mich hier schon sehr gut integriert. Ich habe eine wunderschöne Wohnung, und wir unternehmen viel im Mannschaftskreis. Es ist nicht so, dass ich hier alleine in einer neuen Stadt bin und nicht weiß, was ich machen soll. Dieser eine Abend war ein absoluter Fehltritt.

Ihre ganz jungen Fans werden verstört sein, wenn Sie das Video sehen.

Das ist mir einfach unangenehm. Ich weiß, dass gerade viele Zehn- bis 15-Jährige meinen Weg verfolgen. Wenn die so ein Video sehen, dann kann ich mich nur bei den Jungs, Mädels und vor allem bei den Eltern entschuldigen. Meiner Vorbildfunktion bin ich an dieser Stelle nicht gerecht geworden. Ich habe Verständnis dafür, dass manche diese Entschuldigung vielleicht noch nicht annehmen. Jetzt muss ich auf dem Platz zeigen, dass ich dem VfL weiterhelfen kann. Nicht reden, sondern Taten folgen lassen. Ich bin in der Bringschuld.


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