2:1 kein Grund zur Zufriedenheit VfL-Trainer Thioune: Viel Luft in allen Bereichen

Von Johannes Kapitza und Stefan Alberti

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Glücksmoment an der Bremer Brücke: Manuel Farrona Pulido (Mitte) wird nach dem 2:1 von seinen Mitspielern Ulrich Taffertshofer, Bashkim Renneke, Maurice Trapp, Etienne Amenyido, Anas Ouahim und Marc Heider (von links) gefeiert. Foto: Uwe GerkenGlücksmoment an der Bremer Brücke: Manuel Farrona Pulido (Mitte) wird nach dem 2:1 von seinen Mitspielern Ulrich Taffertshofer, Bashkim Renneke, Maurice Trapp, Etienne Amenyido, Anas Ouahim und Marc Heider (von links) gefeiert. Foto: Uwe Gerken

jka/al Osnabrück. Es gibt noch einiges zu tun, aber drei Punkte sind erst einmal sicher: Nach 92 Minuten und 46 Sekunden schoss der eingewechselte Manuel Farrona Pulido den VfL Osnabrück in der 3. Fußball-Liga zum 2:1-Auftaktsieg gegen die Würzburger Kickers. „Es ist noch viel Luft in allen Bereichen“, mahnte Trainer Daniel Thioune.

Seit dem 24. Februar (2:1 gegen Großaspach) hatten die VfL-Fans sechs Pflichtspiele lang auf einen Heimsieg warten müssen. So erlebte die Bremer Brücke am Samstagnachmittag statt eines Hitzegewitters einen Jubelsturm in Lila-Weiß. Die Laune von Trainer Daniel Thioune war danach allerdings nur heiter bis wolkig. Der Sieg sei „vielleicht nicht ganz unverdient“ gewesen, weil seine Mannschaft viel investiert habe, meinte Thioune. Der 44-Jährige räumte aber auch ein: „Aus meiner Sicht sind wir der glückliche Sieger.“

Thioune: Viele Chancen zugelassen

Glücklich sah Thioune bei seiner Analyse nicht aus. Sein Blick war ernst. Das in der Vorbereitung viel gelobte Spiel gegen den Ball hatte ihm gegen Würzburg gar nicht gefallen. „Ich dachte, wir wären schon weiter“, sagte Thioune: „Wir sind nicht damit einverstanden, dass wir so viel vom Gegner zugelassen haben.“

Nachlesen: Der Spielbericht zum 2:1 gegen die Würzburger Kickers

Würzburg zeigt Schwachstellen auf

VfL-Torwart Nils Körber musste mit einem Fußreflex gegen Sebastian Schuppan klären (31.). Im Eins-gegen-eins-Duell parierte der 21-Jährige gegen Orhan Ademi (76.). Beim wuchtigen 15-Meter-Kopfball von Dennis Mast half die Latte (79.). Die Abstimmung bei der Abwehrarbeit ist noch verbesserungsbedürftig. Das wurde auch beim Gegentor deutlich. Nach einer Ecke klärte der VfL nicht konsequent, im Rückraum hatte Dave Gnaase keinen Bewacher und schlenzte den Ball rechts oben ins Eck – Körber war machtlos (34.). Der VfL hatte bis dahin gefällig gespielt, aber Würzburg zeigte mit Großchancen rücksichtslos die Schwachstellen auf.

VfL überzeugt durch seinen Kampfgeist

Die Lila-Weißen überzeugten vor allem durch ihren Kampfgeist. Ulrich Taffertshofer nahm als Abräumer vor der Viererkette die Zweikämpfe an. David Blacha und Anas Ouahim wurden als Ballverteiler gesucht. Ouahim sorgte als – manchmal zu eigensinniger – Dribbler für Gefahr. Bashkim Renneke und Marc Heider beackerten die Flügel, aber in letzter Konsequenz fehlten im Strafraum die Durchschlagskraft und ein Abnehmer für die Hereingaben – eine schmerzliche Erinnerung an die vergangene Saison. „Wir waren spielbestimmend, ohne zwingend zu sein“, sagte Thioune nach der eingehenden Analyse am Sonntag.

Nachlesen: Die Stimmen zum Würzburg-Spiel

Thioune: Das Matchglück erarbeitet

Anders als in der abgelaufenen Spielzeit ließen sich die Osnabrücker dieses Mal nicht von einem Rückstand aus der Bahn werfen und steckten nicht auf. „Dann erarbeitet man sich Matchglück“, sagte Thioune. Beim Ausgleich griff Würzburgs Torwart Patrick Drewes an einer Flanke von Alexander Dercho vorbei. Renneke köpfte am zweiten Pfosten ein (65.). Der VfL überstand Würzburgs folgende Drangphase dank Körber und etwas Fortune – und ging zum Schluss noch mal ins Risiko.

Farrona Pulido: Nach zwei Fehlern alles richtig gemacht

Der Siegtreffer war ein Finish, das zur Bremer Brücke passte. Zwei grobe Stockfehler hatte sich Farrona Pulido nach seiner Einwechslung geleistet, aber in der Nachspielzeit machte er alles richtig: Einen von Tim Danneberg verlängerten Einwurf nahm er mit rechts an, drehte sich und zog mit links ab. Sein verdeckter Schuss traf rechts unten ins Tor (90.+3). „Wir sind vom Publikum bis in die 90. Minute getragen worden“, wusste Thioune, bei wem er sich auch für den gelungenen Saisonstart zu bedanken hatte.

Nachlesen: Das Würzburg-Spiel im Liveticker

„Wir müssen uns nicht für den Sieg entschuldigen“

Wenn auch etwas Glück mit im Spiel war, „müssen wir uns nicht für den Sieg entschuldigen“, befand Thioune, „wir haben viel dafür gearbeitet.“ Es war ein wichtiger Sieg. Einer, der Rückenwind geben kann, aber auch einer, der den Blick auf die Realität nicht verstellte: „Es ist noch viel Luft in allen Bereichen“, betonte der Trainer. Zum Abheben besteht kein Grund, und die Saison ist noch lang. „Zufriedenheit ist das Letzte, was wir in 38 Spielen walten lassen dürfen“, mahnte Thioune. Für eitel Sonnenschein ist es beim VfL nach dem Auftaktsieg noch viel zu früh.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN