Serie vor dem Start der 3. Liga Spvg. Unterhaching. Über allem steht die wirtschaftliche Konsolidierung

Von Andreas Werner


Unterhaching Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: die Spielvereinigung Unterhaching.

Geschichte & Tradition: Die Spielvereinigung, gegründet 1925, erlebte ihre erfolgreichste Zeit von 1999 bis 2001 in der Bundesliga. Danach folgten Jahre zwischen der Regionalliga und der 3. Liga. Aktuell schickt sich der Club an, sich in Letzterer zu etablieren. Die Stabilisierung ist auf den Präsidenten Manfred Schwabl zurückzuführen, der mit einem Jugendkonzept den finanziellen Engpässen gegensteuert. Insgesamt fristet die Spvg. im Münchner Vorort ein hartes Dasein im Schatten des FC Bayern und des TSV 1860.

Stadion & Stimmung: Das Stadion am Sportpark fasst offiziell 15053 Zuschauer. Die Gegentribüne ist aber schon seit Jahren aus baulichen Mängeln gesperrt. Die Spvg. wäre bereit, die Mängel zu beseitigen, wenn die Gemeinde, der das Stadion gehört, mitspielt. Für die 2. Bundesliga wäre der Sportpark aktuell nicht zulässig. Da der Zuschauerzuspruch gering ist, fällt die Sperrung nicht so ins Gewicht. Der Zuschauerschnitt lag 2017/18 bei 2929, kalkuliert wird mit 2500.

Trainer & Team: Claus Schromm spielte früher beim FC Deisenhofen und dem BSC Sendling in der Nachbarschaft. 2012 übernahm er als Trainer beim damaligen Drittligisten Unterhaching. Neben ihm fungierte der heutige Augsburger Coach Manuel Baum als Teamchef. Im Januar 2014 wurde Schromm nach einer Umstrukturierung Sportdirektor. Als sich der Club im März 2015 von Christian Ziege trennte, bekam Schromm erneut den Trainerposten. Da er schon auf sämtlichen Führungsebenen tätig war, weiß er die Möglichkeiten des Clubs realistisch einzuschätzen.

Führung & Management: Alle Fäden laufen bei Schwabl zusammen. Der ehemalige Bundesligaprofi (FC Bayern, 1860, 1. FC Nürnberg) stieg 2010 als Nachwuchskoordinator ein, wurde 2011 sportlicher Leiter und beerbte 2012 Engelbert Kupka, der zuvor 39 Jahre den Club geleitet hatte. Für den 52-Jährigen ist das Konzept mit Talenten aus der Region alternativlos, in Schromm und seinem Präsidium hat er die Mitstreiter, die den Weg mitgehen.

Finanzen & Etatplan: Mit einem Gesamtetat von 2,1 Millionen Euro ist Unterhaching das Schlusslicht der 3. Liga. Nach langer Suche wurde in „frostkrone“ ein Geldgeber gefunden, der sich dem Konzept verschrieben hat. Der Verkauf des 16-jährigen Top-Talents Karim Adeyemi in diesem Sommer an Red Bull Salzburg brachte rund drei Millionen Euro ein, die weiterhalfen.

Kommen & Gehen: Im Aufstiegsjahr erfüllten Schwabl und Schromm das Versprechen, dem Regionalliga-Kader eine Chance zu geben. Trotz des neunten Platzes kam es nun zu Trennungen: 13 Spieler gingen. Ulrich Taffertshofer entschied sich für den VfL Osnabrück, was mehr schmerzt als der Verlust der bisherigen Nummer eins Korbinian Müller. Ansonsten zählten nur Thomas Steinherr (Homburg) und Maximilian Nicu (Karriereende) zum Stamm. In Dominik Widemann, Lucas Hufnagel und dem Präsidentensohn Markus Schwabl holten die Hachinger drei verlorene Söhne zurück, die zwischenzeitlich höherklassig Erfahrungen gesammelt haben. Marc Endres ist ein weiterer gestandener Drittliga-Profi. Ansonsten erhalten wieder einige eigene Talente eine Chance, wobei vor allem der 18-jährige Torwart Nico Mantl einen Blick wert ist.

Stars & Talente: Die Rückkehr in die 3. Liga ist zu großen Teilen Sascha Bigalke, Stephan Hain und Dominik Stahl zuzurechnen. Alle drei Kicker spielten schon in der Bundesliga und 2. Bundesliga. Sie bilden mit Kapitän Josef Welzmüller das Gerüst. Große Erwartungen werden auch in die Rückkehrer Widemann, Hufnagel und Schwabl gesetzt. Zudem hat sich der 20-jährige Orestis Kiomourtzoglou im Mittelfeld gut entwickelt. Gleiches gilt für Abwehrmann Christoph Greger.

Auf & Ab: Nach Jahren des Pendelns zwischen den unteren Ligen zeigt die Kurve der Spvg. nun schon seit Längerem nach oben. Gleichzeitig bleibt es angesichts der angespannten Finanzsituation ein gewagtes Unterfangen. Über allem steht die wirtschaftliche Konsolidierung.

Chancen & Pläne: In zwei bis fünf Jahren will die Spvg. in der 2. Bundesliga sein. Die erste Saison nach dem Aufstieg lief reibungslos, doch wegen der beschränkten finanziellen Möglichkeiten sind kleine Schritte angebracht. Fallen Schlüsselspieler aus, kommt es darauf an, ob auf die Talente schon Verlass ist. Ziel ist ein gesicherter Mittelfeldplatz, „aber wenn man diese starke 3. Liga anschaut, sind wir gut beraten, darauf zu schauen, dass wir nicht unten reinrutschen“, sagt Schwabl.

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Der Autor berichtet seit 1997 für den „Münchner Merkur“ über die Spvg. Unterhaching.

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