Sehnsucht nach der 2. Bundesliga Attraktiv und Wirtschaftsfalle zugleich: Die 3. Fußball-Liga

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Die Freude auf rassige Derbys bleibt – wie hier beim Gastspiel des VfL Osnabrück 2017 in Meppen. Foto: dpa/JaspersenDie Freude auf rassige Derbys bleibt – wie hier beim Gastspiel des VfL Osnabrück 2017 in Meppen. Foto: dpa/Jaspersen

Osnabrück. Die attraktivste 3. Liga aller Zeiten: Seit zehn Jahren gibt es in Deutschland eine landesweite dritte Spielklasse im Profifußball. Das sportliche Niveau und die Zuschauerzahlen stimmen – aber es ist viel schwieriger, wirtschaftlich über die Runden zu kommen, als in der Bundesliga und in der 2. Bundesliga.

Vor 20 Jahren tummelten sich in der dritthöchsten Klasse Feierabendkicker und Halbprofis. Es gab keine TV-Gelder und keine Lizenzprüfung. 71 Vereine trugen das Etikett drittklassig, verteilt auf vier regionale Staffeln. Hier spielten Traditionsclubs mit großen Stadien gegen Nobodys, die auf einem Dorfplatz zu Hause waren.

Bis 2008 dauerte der Prozess der Gesundschrumpfung und Professionalisierung, seitdem gibt es die 3. Liga als landesweite Spielklasse mit 20 Vereinen. Sie steht – anders als die Bundesliga und die 2. Bundesliga, die von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) organisiert wird – unter der Regie des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Sportlich hat sich die 3. Liga prächtig entwickelt. Das Rennen um die beiden direkten Aufstiegsplätze und den Relegationsrang drei ist meistens ebenso spannend wie der Kampf um den Klassenerhalt. Alle Vereine arbeiten unter Vollprofibedingungen. TV-Bilder werden geschätzt: In der ARD-Sportschau am Samstag, in den Regionalsendern mit 86 Live-Übertragungen und beim neuen TV-Partner Telekom, der alle Spiele live zeigt.

Kluft nach oben immer größer

Doch wirtschaftlich bleibt es eng. In der abgelaufenen Saison meldeten der Chemnitzer FC und Rot-Weiß Erfurt Insolvenz an; in zehn Spielzeiten mussten schon neun Vereine aus wirtschaftlichen Gründen aufgeben. Im Schnitt meldet jeder Club pro Saison ein Minus von einer Million Euro.

Die Gesamtetats liegen zwischen fünf und 15 Millionen Euro (Schnitt acht Millionen); die relevante Größe sind die Ausgaben für die Personalkosten der Profimannschaft. Die bewegen sich zwischen zwei und sechs Millionen Euro; das durchschnittliche Jahresgehalt eines Drittligaprofis dürfte bei 100000 Euro liegen. Der Großteil der Einnahmen kommt aus Ticketing (30 Prozent) und Sponsoring (40 Prozent). Für sich allein betrachtet, hat sich die wirtschaftliche Ausstattung verbessert. In der neuen Saison fließen knapp 1,2 Millionen Euro aus der DFB-Zentralvermarktung (TV-Gelder, Liga- und Ballsponsor) an jeden Club. Und es ist mit einem Zuschauerrekord zu rechnen: Die Aufsteiger München 1860, KFC Uerdingen und Energie Cottbus und die Absteiger Eintracht Braunschweig und 1. FC Kaiserslautern haben viele Fans.

Doch trotz eigenen Wachstums wird die Kluft zur 2. Bundesliga immer größer. Denn anders als die 3. Liga ist das Unterhaus der Bundesliga am Geldfluss der milliardenschweren TV-Verträge beteiligt. Zwischen 22 Millionen Euro und sieben Millionen Euro kassieren die 18 Zweitligisten allein an TV-Geldern. Zum Vergleich: In der 3. Liga bekommt jeder Club 950000 Euro.

Gut, wer einen Mäzen hat

Dass vor allem den Vereinen, die eine Zweitliga-Vergangenheit haben und deshalb mit hohen Erwartungen von Fans wie Sponsoren leben müssen, die 2. Bundesliga als Sehnsuchtsziel erscheint, liegt auf der Hand. Deshalb gehen viele Clubs hohe Risiken ein, um die 3. Liga so schnell wie möglich nach oben zu verlassen. Denn ohne die Bereitschaft zum Risiko kann man sich den Weg in die 2. Bundesliga nicht ebnen. Es sei denn, man verfügt über einen Mäzen oder einen Investor, der über die normalen Einnahmen hinaus Mittel bereitstellt.

In München kündigte der jordanische Eigner Ismaik an, dem Aufsteiger mehr als zwei Millionen Euro zusätzlich zu geben. Hinter dem Comeback des KFC Uerdingen steht ein Investor, der sich ebenfalls nicht lange in der 3. Liga aufhalten will.

Dass unter diesen Vorzeichen die Vereine der Region Osnabrück/Emsland auf wirtschaftliche Vernunft setzen, ist nachvollziehbar. Der VfL Osnabrück und der SV Meppen haben ihre Erfahrungen mit dem Gang ins Risiko gemacht, die Sportfreunde Lotte wissen ohnehin, dass ihre Möglichkeiten in der 3. Liga begrenzt sind.


Der Traditionsverein: VfL Osnabrück

Vorbei die Zeiten, als der VfL Osnabrück dank der Zuwendungen von Präsident Hartwig Piepenbrock ein Abonnement in der 2. Bundesliga hatte. Seit dem Abstieg 1993 und dem Ausstieg des Mäzens und Sponsors 1996 lebt der Verein von der Hand in den Mund. Die wirtschaftliche Lage ist stets angespannt, aber die langfristigen Verbindlichkeiten in Höhe von etwa zehn Millionen Euro sind seit dem Schuldenschnitt von 2016 auf Eis gelegt. In der Saison 2016/17 betrug das Minus 1,5 Millionen Euro. Für die abgelaufene Spielzeit erwartet Geschäftsführer Jürgen Wehlend ein ausgeglichenes Ergebnis. Der Verein verkündete einen Sparkurs. Man kalkuliert mit einem Zuschauerschnitt von 8500 und will knapp drei Millionen Euro für den Profikader ausgeben bei einem Etat von acht Millionen Euro, in dem das Nachwuchsleistungszentrum mit etwa 400000 Euro zu Buche schlägt. Etwa vier Millionen Euro Einnahmen erwartet der VfL aus dem Sponsoring. Seit dem 1. Juli wirbt der Wettanbieter sunmaker für 400000 Euro pro Saison auf der Trikotbrust.

Der Emporkömmling: Sportfreunde Lotte

In den Vorjahren haben die Sportfreunde Lotte die Lizenz erhalten, ohne wie zahlreiche Ligakonkurrenten eine Liquiditätsreserve beim DFB hinterlegen zu müssen. Die Etatzahlen sind im Ligavergleich niedrig: Man plant mit einem Etat von 2,7 Millionen Euro, von denen 2,1 Millionen Euro für das Profiteam zur Verfügung stehen. 300000 Euro sollen in den Jugendbereich fließen. Die Sportfreunde haben für den Lizenzerhalt Marketingeinnahmen von 1,6 Millionen Euro nachgewiesen, der geplante Zuschauerschnitt liegt bei 2700. „Es wird ein Kraftakt, sportlich mitzuhalten“, sagt der sportliche Leiter Manfred Wilke, der starke Mann im Club. Der Verein ist stolz, trotz der nötigen und vom DFB geforderten Investitionen in die Infrastruktur schuldenfrei zu sein. Eine große Hilfe waren die 2,5 Millionen DFB-Pokal-Einnahmen (vor Steuern) 2016/2017, als Lotte im Viertelfinale an Dortmund gescheitert war. Hauptsponsor ist die Frimo Group, ein Hersteller von Werkzeugen und Fertigungsanlagen aus Lotte, dessen Engagement sich auf 300000 Euro belaufen dürfte.

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