Serie vor dem Start der 3. Liga Preußen Münster: Trübe Gegenwart, ungewisse Zukunft

Von Thomas Rellmann


Münster Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: Preußen Münster.

Geschichte & Tradition: Der SCP spielt schon seit 2011 in der 3. Liga. Die Fans träumen natürlich vom Aufstieg, der war aber nur einmal in sieben Spielzeiten zum Greifen nah (2013). Als Bundesliga-Gründungsmitglied und deutscher Vizemeister von 1951 trieft der Club vor Tradition. Die Gegenwart ist eher trüb, die Zukunft steht aus verschiedenen Gründen in den Sternen.

Stadion & Stimmung: Mit aller Macht drängen die Bosse (vor allem Aufsichtsratsmitglied Walther Seinsch) auf ein neues Stadion. Die Stadt Münster verweigerte jede Unterstützung, nun ist der Favorit ein Areal in Senden-Bösensell an der A43. Ob eine Einigung erzielt wird, ist fraglich. Die aktuelle Spielstätte an der Hammer Straße verfällt seit Jahren, sie ist fast ein Unikat in der Liga in ihrer Weitläufigkeit. Zeitgemäß geht anders. Ein jüngst verabschiedeter Bebauungsplan löst kein Problem, weil offenbleibt, wer die Sanierungen bezahlen soll. Zu allem Überfluss litt in der Rückrunde auch die Atmosphäre massiv, weil die aktive Fanszene nach dem Ausgliederungsbeschluss im Januar den Support einstellte. Aktuell sind erst 1300 Dauerkarten verkauft, kurz nach Saisonbeginn waren es 2017 etwa 3000. Kalkuliert wird mit 7000 Besuchern im Schnitt, zuletzt kamen 6654 Zuschauer pro Spiel.

Trainer & Team: Marco Antwerpen hat nach 34 Punkten in 19 Partien der zweiten Halbserie zu Recht das volle Vertrauen. Er steht für taktische Flexibilität, möchte sein Spielsystem noch variabler machen. „Die Liga ist ja stärker geworden“, sagt er. Sein Assistent Kurtulus Öztürk spielt eine wichtige Rolle, auch für die Spieler. Dass sich das Duo gut in der Regionalliga auskennt und mit Kieran Schulze-Marmeling erstmals ein hauptamtlicher Scout eingestellt wurde, macht sich bei der Auswahl der Neuen bemerkbar.

Führung & Management: Mit der Gründung einer Kapitalgesellschaft haben sich die Strukturen verschoben. Malte Metzelder (Sport) hat mit Club-Urgestein Bernhard Niewöhner (Kaufmännisches) einen zweiten Geschäftsführer an die Seite gestellt bekommen. Präsident Christoph Strässer und Aufsichtsratschef Frank Westermann kämpfen vor allem für den Stadion-Traum. Seinsch agiert weit im Hintergrund.

Finanzen & Etatplan: Transparenz wird aktuell nicht großgeschrieben. Der erste Investor für die GmbH & Co. KGaA blieb entgegen allen Versprechen anonym. Der Etat ist ebenfalls noch nicht öffentlich, dürfte aber klar unter dem Volumen der Vorsaison (sieben Millionen Euro) liegen. Die Verbindlichkeiten, die durch die Ausgliederung erheblich reduziert wurden, werden erst im Dezember beziffert. Große Sprünge sind weiter utopisch. Zumal noch immer – und obwohl der Tag X seit eineinhalb Jahren bekannt war – ein Haupt- und Trikotsponsor fehlt. Die Zeit drängt, Verluste sind bereits verbucht.

Kommen & Gehen: Der Weggang von Torjäger und Kapitän Adriano Grimaldi (1860 München) schmerzt richtig, auch Michele Rizzi (Wolfsburg U23) war oft wichtig. Die Zugänge haben allesamt Potenzial und sind formbar. Von Stürmer Rufat Dadashov, Linksverteidiger Niklas Heidemann, Offensiv-Allrounder Philipp Müller, Keeper Oliver Schnitzler, Mittelfeld-Stratege Kevin Pires-Rodrigues, Abwehrkante Dominik Lanius oder Ex-Herthaner Ugur Tezel ist einiges zu erwarten.

Stars & Talente: Führungsaufgaben kommen dem neuen Kapitän Simon Scherder (25) und seinem Vertreter Ole Kittner (30) zu. Sie bilden mit Lion Schweers (22), der auf der Liste einiger Zweitligisten stand, die bewährte Dreierkette. Martin Kobylanski ist über seine Standards ein Schlüsselspieler, vor der Abwehr ist Sandrino Braun der Fixpunkt.

Auf & Ab: Fast jedes der sieben Drittliga-Jahre war geprägt von einer guten und einer schwachen Halbserie. Diesen Kreis gilt es zu durchbrechen, auch um einen Zuschauerrückgang am Saisonende wie in den vergangenen beiden Spielzeiten zu verhindern.

Chancen & Pläne: Die Preußen drohen im finanzkräftigeren Liga-Umfeld unterzugehen, doch Trainer und Team wollen sich auf das Wesentliche konzentrieren. „Wir können schon ein Stück weit Euphorie schaffen, das ist auch unsere Aufgabe“, so Antwerpen. Ein konkretes Ziel nennt er nicht. Zuzutrauen ist dem SCP aber schon ein Platz im sicheren Mittelfeld.

Teil 1 der Serie: Bewährungsprobe im schweren zweiten Jahr für Carl Zeiss Jena >>>

Teil 2 der Serie: Für Fortuna Köln geht es erst mal nur um den Klassenerhalt >>>

Teil 3 der Serie: Eintracht Braunschweig hat trotz des bitteren späten Abstiegs eine solide Basis >>>

Teil 4 der Serie: Ziele des Karlsruher SC bleiben trotz Einsparungen hoch >>>

Teil 5 der Serie: Allein der Klassenerhalt genügt dem VfR Aalen nicht mehr >>>

Teil 6 der Serie: 1860 Münchens Sehnsucht nach einer Saison mit weniger Herzkasper-Risiko >>>

Teil 7 der Serie: Wehen Wiesbaden hat alles, was ein Aufsteiger braucht >>>

Teil 8 der Serie: Sonnenhof Großaspach mit erneutem Umbruch im Kader

Teil 9 der Serie: VfL-Legende Enochs weckt Vorfreude in Zwickau

Teil 10 der Serie: Aufsteiger Energie Cottbus will an seinen Aufgaben wachsen

Teil 11 der Serie: Hallescher FC mit neuem Trainer, aber ohne Kampfansagen

Teil 12 der Serie: Frontzeck soll den 1. FC Kaiserslautern aus dem Tief führen

Teil 13 der Serie: Hansa Rostock trotz Umbruch auf dem Sprung nach oben?

Teil 14 der Serie: SV Meppen – Euphorie im Emsland, aber Ziel bleibt Klassenerhalt

Teil 15 der Serie: „Jung und hungrig“ gilt auch bei den Würzburger Kickers


Der Autor berichtet seit 2008 über Preußen (seit 2015 für die „Westfälischen Nachrichten“).

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN