Nach der torlosen Generalprobe Kein perfekter VfL-Nachmittag: Offene Torwartfrage, laue Offensive

Von Stefan Alberti

Lichtblick: Bashkim Renneke (Mitte). Foto: KemmeLichtblick: Bashkim Renneke (Mitte). Foto: Kemme 

Osnabrück. „Es ist noch Luft nach oben.“ Der Satz des Tages nach der torlosen Generalprobe des VfL Osnabrück am Samstag gegen den belgischen Zweitligisten Union Royale Saint-Gilloise. Die Bestandsaufnahme nach dem nicht perfekten Nachmittag.

Wer wird die neue Nummer eins im Tor? Nils Körber oder Philipp Kühn? Wenige Tage vor dem ersten Spiel in der 3. Fußball-Liga gegen die Würzburger Kickers (Samstag, 28. Juli, 14 Uhr) will sich Cheftrainer Daniel Thioune bei der Antwort auf diese Frage noch nicht festlegen: „Wir haben zwei Torhüter auf Augenhöhe.“ Bis zum Würzburg-Spiel stünden noch einige Trainingseinheiten auf dem Programm, „und dann vertraue ich voll und ganz den Einschätzungen unseres Torwarttrainers Rolf Meyer“.

Gegen die Belgier sollte eigentlich Körber durchspielen. Der 21-Jährige zog sich in der ersten Halbzeit allerdings eine Hüftprellung zu und wurde vorsorglich ausgewechselt. Bis dahin spielte er tadellos – bis auf einen Patzer bei der Ballannahme. Nach der Pause trat Kühn fehlerfrei auf.

Der Blick auf die Abwehr: Sozusagen der Lichtblick der Generalprobe. Gegen die robust auftretenden Gäste ließ die variabel auftretende Viererkette mit Bashkim Renneke, Adam Sušac, Maurice Trapp und Konstantin Engel kaum etwas anbrennen. In der zweiten Halbzeit zeigte auch Alexander Dercho seine Stabilisator-Qualitäten. Pluspunkte und mehrfachen Szenenapplaus sammelte Renneke, der immer wieder den Weg nach vorne und den Abschluss suchte.

Wenn jetzt auch noch Innenverteidiger Felix Schiller (Adduktorenbeschwerden) wieder ins Team zurückkehrt, hat Thioune eine weitere taktische Alternative für die Defensive. Der 28-jährige Ex-Magdeburger konnte in der vergangenen Woche nicht am Mannschaftstraining teilnehmen, steigt am Dienstag möglicherweise aber wieder ein.

Der Blick aufs Zentrum: „Arbeitspferd“ Ulrich Taffertshofer dürfte für die Startelf gesetzt sein. Der 26-jährige Neuling ackerte vorne wie hinten – und war immer als Feuerwehrmann zur Stelle, wenn es mal bei seinen Nebenleuten hakte. Den eingangs erwähnten Satz mit der Luft nach oben dürften sich Manuel Farrona Pulido, David Blacha und Tim Danneberg (neuer Vize-Kapitän) ins Stammbuch schreiben. Dass Anas Ouahim in die Startelf strebt, stellte er nach seiner Einwechslung zur zweiten Halbzeit unter Beweis. Der Neuzugang aus Köln trat leichtfüßig und dribbelstark auf – und belebte das Spiel nach vorne.

Der Blick auf die Offensive: „Da müssen wir in der Trainingswoche noch nachsteuern“, meinte Thioune. Um bei der Luft zu bleiben: Die Offensive gegen Saint-Gilloise war eher ein Lüftchen. Der frisch ernannte Kapitän Marc Heider und sein Kollege Marcos Álvarez mühten sich nach Kräften – und erarbeiteten sich auch eine Handvoll Torchancen. In vielen Phasen fehlten jedoch das „Futter“ und die Ideen aus dem Mittelfeld, womit wir wieder bei der Luft nach oben von Farrona Pulido, Blacha und Co. sind.

Dass Neuzugang Luca Pfeiffer derzeit noch keine ernsthafte Alternative für den Angriff ist, zeigte sich bei seinem Kurzeinsatz in der zweiten Halbzeit. Der 21-Jährige braucht nach seinem überstandenen Kreuzbandriss noch Zeit, um sein Potenzial wieder zu heben.

Der Blick aufs sonstige Personal: Nach den Verletzungen von Sebastian Klaas, Simon Haubrock und Furkan Zorba kann man nicht unbedingt davon sprechen, dass Thioune aus dem Vollen schöpfen darf. „Nicht nur deswegen, sondern auch vor dem Hintergrund einer langen Saison würde ich mir schon noch für jeden Mannschaftsteil einen weiteren Spieler wünschen, wenn es wirtschaftlich denn möglich ist“, meinte der Coach. Also: Abwarten. Bekanntlich geht es ja gerade vor dem Ablauf der ersten Transferperiode Ende August personell ziemlich turbulent zu.


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