Serie vor dem Start der 3. Liga „Jung und hungrig“ gilt auch bei den Würzburger Kickers

Von Frank Kranewitter


Würzburg Einige Besserverdiener mussten gehen, andere erfahrene Spieler wechselten in die 2. Bundesliga: Fußball-Drittligist Würzburger Kickers und Trainer Michael Schiele setzen stattdessen auf „junge, hungrige Spieler“. In einer Serie stellen wir die Klubs vor, die am 27. Juli in die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga starten.

Geschichte & Tradition: Über 100 Jahre waren die 1907 gegründeten Würzburger Kickers im nordbayerischen Raum eine lokale Größe. Nur ein Jahr dauerte 1977/78 das Gastspiel in der 2. Bundesliga Süd, als im Herbst seiner Karriere Lothar Emmerich seine Schuhe für die „Rothosen“ schnürte. Vor vier Jahren kam unter Trainer Bernd Hollerbach der Aufbruch in den Profifußball. Seither geht es am „Dalle“ wie die Traditions-Spielstätte am Dallenberg im Volksmund genannt wird, munter auf und nieder. Erst der Durchmarsch aus der Regionalliga in die 2. Bundesliga, dann der Absturz mit einer sieglosen Zweitliga-Rückrunde und dem zwischenzeitlichen Abrutschen auf den letzten Rang in der 3. Liga. Aber der Club hat sich wieder aufgerafft und beendete die letzte Saison auf Platz fünf.

Stadion & Stimmung: Das 1967 erbaute, längst aus der Zeit gefallene Stadion, das offiziell den Namen „Flyeralarm-Arena“ trägt, bleibt ein Streitobjekt. Anwohner klagen wegen Lärmbelästigung. Bei den Kickers hofft man nun, dass die Klage vor dem Verwaltungsgericht München abgeschmettert wird. Dann könnte sich mancher auch für einen weiteren Ausbau am alten Standort erwärmen. Die Stadt Würzburg untersucht indes bereits Standorte für einen möglichen Neubau. Den müsste aber der Verein bezahlen. Wie, das ist noch ein großes Rätsel.

Trainer & Team: Michael Schiele genießt bei Fans und Verantwortlichen ein riesiges Vertrauen. Schließlich wurde der 40-Jährige im vergangenen Herbst in einer schwierigen Situation vom Assistenten zum Cheftrainer befördert. Schiele, der schon unter Stefan Ruthenbeck und Ralf Hasenhüttl als Co-Trainer arbeitete, hat die sportlichen Geschicke fest im Griff, entscheidet auch bei Transfers zusammen mit Vereinsboss Daniel Sauer in letzter Instanz. Als Torwarttrainer ist seit vergangener Saison Robert Wulnikowski tätig, der zuvor noch mit 40 Jahren in der 2. Bundesliga im Kasten stand.

Führung & Management: Daniel Sauer, einst Bundesliga-Handballer, wurde zum Januar 2016 als Vorstandsvorsitzender der Profifußball-AG verpflichtet. Danach übernahm er immer mehr Ämter. Er ist mittlerweile nicht nur Sportdirektor, sondern auch Präsident des Stammvereins. Thorsten Fischer, Geldgeber, Investor und Antreiber des Profiprojekts tritt nur sehr selten öffentlich in Erscheinung. Interviewanfragen bleiben regelmäßig unbeantwortet.

Finanzen & Etatplan: Das Thema Finanzen läuft bei den Würzburgern schon immer unter dem Titel strengste Geheimhaltung. Rund vier Millionen Euro dürfte der Etat betragen. Dass der Verein speziell beim Spieleretat spart, ist ein offenes Geheimnis. Gleich mehrere Besserverdiener wie zum Beispiel Ersatztorhüter Wolfgang Hesl verließen den Kader. Die Neuen sind gewiss in einer anderen Gehaltskategorie angesiedelt. Auch der Verkauf von Mittelfeldmann Jannis Nikolaou nach Dresden spülte Geld in die Kasse. Seit vergangenem Dezember gehören 49 Prozent der Profifußball-AG der zu Fischers Online-Druckerei gehörenden „Flyeralarm Future Labs GmbH“. Von Finanzspritzen vor dieser Saison ist aber nichts überliefert. Das Geld aus dem Verkauf der Anteile wurde in notwendige Modernisierungsmaßnahmen am Stadion investiert. 3000 Dauerkarten wurden für die kommende Saison verkauft. Die Liga wird durch das sicherlich ausverkaufte 1860-Gastspiel für die Würzburger deutlich attraktiver.

Kommen & Gehen: Mit Emanuel Taffertshofer, Felix Müller (beide SV Sandhausen), Jannis Nikolaou (Dynamo Dresden) und Ex-Kapitän Sebastian Neumann (MSV Duisburg) wechselte ein Spielerquartett in die 2. Bundesliga. Ob die Kickers diesen Qualitätsverlust ausgleichen können, wird die spannende Frage in dieser Spielzeit werden. Es kamen „junge, hungrige Spieler“ (Trainer Schiele). Und mit Daniel Hägele, zuletzt Kapitän in Großaspach, ein Akteur, der sogleich in eine Führungsrolle schlüpfen sollte. Doch der 29-Jährige fehlte verletzt fast während der gesamten Vorbereitung und hat bislang kein einziges Testspiel für seinen neuen Klub absolviert. Eine schwierige Situation. Ein Angreifer soll noch kommen. Dafür ist laut Trainer Schiele auch noch Geld in der Kasse.

Stars & Talente: Mit Patrick Göbel, Maximilian Ahlschwede und Sebastian Schuppan haben drei Spieler mehr als 100 Drittliga-Spiele absolviert. Orhan Ademi spielte für Braunschweig auch schon in der Bundesliga. Ein Kandidat für eine Überraschung ist Enes Küc (22). Der Mittelfeldspieler, der vom Regionalligisten Berliner AK kam, hat sich während der Vorbereitung aber das Syndesmoseband gerissen.

Auf & Ab: Erst stürzten die Kickers in der vergangenen Saison ans Tabellenende, dann gab es sieben Siege am Stück. Die Aufstiegshoffnungen erfüllten sich dann aber nicht mehr. Doch von den letzten 14 Spielen der Vorsaison verloren die Unterfranken nur eins. Zu Hause sind die Kickers seit Oktober 2017 ungeschlagen.

Chancen & Pläne: „Wir setzen uns Etappenziele“, sagt Trainer Michael Schiele und will sich nicht auf einen Tabellenplatz festlegen lassen. Der Club will verstärkt auf den Nachwuchs setzen und hat deshalb mit dem ehemaligen Nürnberger Rainer Zietsch den Entdecker einiger Bundesliga-Spieler (zum Beispiel Plattenhardt, Teuchert, Stark) für das Nachwuchsleistungszentrum verpflichtet.


Der Autor berichtet seit rund 17 Jahren für die „Main-Post“ über die Kickers.

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