Serie vor dem Start der 3. Liga SV Meppen: Euphorie im Emsland – aber Ziel bleibt Klassenerhalt

Von Uli Mentrup


Meppen. Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: der SV Meppen.

Geschichte & Tradition: Die Zweitliga-Jahre von 1987 bis 1998 sind Höhepunkt der Vereinsgeschichte. Der krasse Außenseiter hat sich gegen vermeintliche Fußballgrößen tapfer geschlagen, klopfte 1995 sogar ans Tor zur Bundesliga. Doch nach dem Abstieg wirkten die Erinnerungen lange eher lähmend.

Stadion & Stimmung: Die Mannschaft hat die Stimmung auf den Rängen nach der Meisterschaft in der Regionalliga und im ersten Drittliga-Jahr angeheizt. Der SVM war bester Aufsteiger mit 58 Punkten! Die Hänsch-Arena ist dank der Unterstützung der Stadt Meppen und des Landkreises Emsland für gut vier Millionen Euro saniert worden. Deutlich sichtbar wird das an der begradigten Nordkurve, auf der auch die Gästefans untergebracht sind, und am neuen Rasen. Der VIP-Bereich bietet mehr Platz.

Trainer & Team: Christian Neidhart ist schon seit 2013 im Amt, Co-Trainer Mario Neumann seit 2015. Beide verfügen über Verträge bis 2021. Das unterstreicht ihre Position. Neidhart hat den Aufschwung eingeleitet, verfügt über viele gute Kontakte zu Spielern, Beratern und Trainern und hat bei den Verpflichtungen ein glückliches Händchen bewiesen. Seit März ist er Fußballlehrer. Physiotherapeut Daniel Vehring ist auch für die Bereiche Kondition und Athletik zuständig. Torwarttrainer Richard Moes arbeitet auch beim niederländischen Erstligaaufsteiger FC Emmen.

Führung & Management: Vorstandssprecher Andreas Kremer ist schon zehn Jahre im Amt. Der aus Meppen stammende und in Osnabrück lebende Unternehmer steht dafür, dass der Verein weiter schuldenfrei bleibt. Finanzvorstand Stefan Gette sorgt dafür, dass diese Maxime, der alles andere untergeordnet ist, umgesetzt wird. Sportvorstand Heiner Beckmann, ein ehemaliger SVM-Fußballer, ist in der Region gut verdrahtet.

Finanzen & Etatplan: Mit einem unerwartet hohen Etat von 4,3 Millionen Euro (Gesamtverein) sind die Emsländer ins erste Drittliga-Jahr gegangen. Jetzt beläuft er sich auf 5,2 Millionen Euro. Eine ordentliche Steigerung. Wie viel Geld davon für die Drittliga-Mannschaft ausgegeben wird, behält der Verein für sich. Es dürfte sich um rund zwei Millionen Euro handeln. Meppen kalkuliert mit 6500 Zuschauern (einschließlich Sponsorenkontingent, VIP- und Dauerkarten). In der vergangenen Saison waren es 5949 – tatsächlich kamen 6889 Besucher pro Heimspiel. Zusätzliche Einnahmen sollen mit einer LED-Werbebande generiert werden.

Kommen & Gehen: Der Weggang von Torjäger Benjamin Girth (19 Treffer) zum Zweitligisten Holstein Kiel schmerzt. Da die „sportliche Lebensversicherung“ noch einen Vertrag bis 2019 hatte, ist der SVM wenigstens entschädigt worden. Über die Höhe wurde Stillschweigen vereinbart. Fünf weitere Akteure haben den Verein verlassen. Der Ex-Lotter Max Wegner und der Ex-Braunschweiger Deniz Undav sollen die Girth-Lücke schließen. Mit Mirco Born (ausgeliehen aus Sandhausen) ist der ehemalige Flügelflitzer zurückgekehrt. Nach einem Kreuzbandriss vor einem Jahr soll er in seiner Heimat wieder zu Bestform auflaufen. Der in der Defensive vielseitige Marco Komenda (Mönchengladbach II) und Hassan Amin (Mannheim) machen einen guten Eindruck. Die Trumpfkarte: Die Emsländer verfügen über eine eingespielte Mannschaft.

Stars & Talente: Stars gibt es nicht. Führungsspieler ist der aus dem emsländischen Andervenne stammende Thilo Leugers. Abwehrrecke Marcel Gebers, ein Meister des Zweikampfs, fällt vorerst aus. Als Lenker, Vorbereiter und Torschütze empfahl sich Ende der vergangenen Serie der Ex-Lotter Luka Tankulic. Der vom JLZ Emsland gekommene Jannik Hoormann zeigt in der Vorbereitung viel Übersicht, braucht aber noch Zeit.

Auf & Ab: Mit dem Abstieg in die fünftklassige Oberliga Niedersachsen West 2008 hatte der Verein 21 Jahre nach dem Zweitligaaufstieg den Tiefpunkt erreicht. Seither geht es in kleinen Schritten bergauf. Dass Meppen als bester Aufsteiger sogar vor Osnabrück, Münster und Lotte platziert war, haben die Fans mit Genugtuung zur Kenntnis genommen. Aber sie wissen auch, dass sich daraus nichts ableiten lässt. Das Saisonziel kann auch im zweiten Drittliga-Jahr nur Klassenerhalt heißen.

Chancen & Pläne: Der Verein will sich in der 3. Liga etablieren. Die Strukturen müssen verbessert werden, das Umfeld mitwachsen. Dabei sind viele Ideen gefordert. Denn finanziell wird der SV Meppen immer zu den Kleinen der Liga gehören. Dieser Nachteil muss jede Saison ausgeglichen werden.

Der Autor berichtet seit 30 Jahren im Emslandsport über den SV Meppen.

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