Serie vor dem Start der 3. Liga Hansa Rostock: Trotz Umbruch auf dem Sprung nach oben?

Von André Gericke

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Rostock. Umbruch statt punktueller Verstärkung: Beim FC Hansa Rostock kam einiges anders als gedacht. Trainer Pavel Dotchev soll an der Ostsee ein Team formen, das in der kommenden Saison in der Spitzengruppe mitmischen kann. In einer Serie stellen wir die Klubs vor, die am 27. Juli in die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga starten.

Geschichte & Tradition: Der Vorgängerverein Empor Lauter (Sachsen) wurde zur Saison 1954/55 von der Führung der ehemaligen DDR nach Rostock zum SC Empor umgesiedelt. Am 28. Dezember 1965 löste sich die Fußball-Abteilung heraus und gründete den FC Hansa. Als „ewiger Zweiter“ und später als „Fahrstuhlmannschaft“ verschrien, gewannen die Rostocker nach der politischen Wende 1990/91 die letzte Meisterschaft des Nordostdeutschen Fußballverbandes und den Pokal, qualifizierten sich so für die Bundesliga. Insgesamt blickt Hansa auf zwölf Saisons in der Bundesliga zurück, davon zehn in Folge von 1995/96 bis 2004/05.

Stadion & Stimmung: Das Ostseestadion wurde 1954 eröffnet und von Februar 2000 bis August 2001 komplett umgebaut. 29000 Zuschauer finden Platz, zu den Spielen des FC Hansa kommen im Schnitt 12000 Fans. Die charakteristischen vier Flutlichtmasten haben noch bis 2025 die Tüv-Plakette, müssen dann aber für mehrere Millionen Euro modernisiert werden. Kurios: Die Auswärtsfans und die Rostocker Ultras befinden sich auf derselben Tribüne – der „Süd“, was mitunter großes Konfliktpotenzial beinhaltet.

Trainer & Team: Seit vergangener Saison ist Trainer Pavel Dotchev im Amt. Der Mann, der mit Paderborn und Aue den Zweitliga-Aufstieg schaffte. Er führte die Rostocker in der vergangenen Saison auf Platz sechs und damit zur besten Platzierung seit 2011, als der Club als Zweiter für ein Jahr in die 2. Bundesliga zurückkehrte. Co-Trainer ist der ehemalige Bundesliga-Verteidiger und gebürtige Rostocker Uwe Ehlers. Björn Bornholdt ist für die Athletik verantwortlich. Stand-by-Profi Dirk Orlishausen (kam vom Karlsruher SC) betreut die Torleute.

Führung & Management: Zahlreiche Wechsel auf der Führungsebene prägten den Verein, seit zwei Jahren ist Robert Marien Vorstandsvorsitzender. Er hat sich vom Marketing-Mitarbeiter nach ganz oben gearbeitet. Mit Markus Thiele (kam Ende 2017 vom VfR Aalen) wirkt seit 2010 der achte sportliche Leiter bei Hansa. Für die Finanzen im dreiköpfigen Vorstand ist seit 2015 Christian Hüneburg zuständig.

Finanzen & Etatplan: Der Einstieg des Finanz- und Immobilienexperten Rolf Elgeti als Investor, der 45 Prozent an der 2016 ausgegliederten Hansa-Profi-Abteilung hält, rettete den Verein vor der Insolvenz. Auch vor dieser Saison gewährte Elgeti Hansa zwei Kredite im Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro, um eine Lücke im Lizenzierungsverfahren des DFB zu schließen. Das Geld, das der Verein wahrscheinlich nicht benötigen wird, soll für die Erhöhung des Eigenkapitals von einer Million auf 2,5 Millionen Euro (in der 2. Bundesliga notwendig) genutzt werden. Der Spieleretat beträgt 4,7 Millionen Euro und wurde in den vergangenen vier Jahren um 1,5 Millionen Euro erhöht. Auf rund 16,8 Millionen Euro beläuft sich der Schuldenstand. Für die Saison 2018/19 soll der Gesamtkonzern (eingetragener Verein, Ostseestadion GmbH und Profiabteilung), dessen Etat rund 14,5 Millionen Euro beträgt, die schwarze Null schreiben.

Kommen & Gehen: Eigentlich sollte die Mannschaft nur punktuell verstärkt werden, aber es gab vor dieser Saison den nächsten großen Umbruch. 14 Spieler, darunter Stammtorwart Janis Blaswich, Publikumsliebling Marcel Ziemer und Soufian Benyamina (bester Saison-Torschütze) verließen den Club. Dem stehen bislang zwölf Neuzugänge gegenüber, sieben davon 24 Jahre und jünger. Die Top-Verpflichtung ist Cebio Soukou, der seine Torgefährlichkeit in der Vorbereitung bereits andeutete.

Stars & Talente: Die Innenverteidigung um Oliver Hüsing (aktuell verletzt) und Julian Riedel gehört zu den besten der Liga. Auch die Neuzugänge Soukou (Aue) und Marco Königs (Würzburg) sollen die junge Truppe führen. Eigengewächs Lukas Scherff muss seine starke Vorsaison bestätigen.

Auf & Ab: Nach zwölf Jahren Erstklassigkeit stürzte Hansa 2010/11 erstmals in die Drittklassigkeit ab. Es folgte zwar ein direkter Wiederaufstieg. Die 2. Bundesliga wurde jedoch nicht gehalten. Auch aufgrund finanzieller Probleme kämpfte der Verein um das wirtschaftliche sportliche Überleben in der 3. Liga. Aktuell geht der FC Hansa in sein siebtes Drittliga-Jahr nacheinander.

Chancen & Pläne: „Gemeinsam nach oben“ – so lautet das Motto des Vereins, das er auch sehr offensiv und nachhaltig bei jeder sich bietenden Möglichkeit kundtut. Mittelfristig zählt nur der Sprung in die 2. Bundesliga, um die Schulden abzubauen. Für diese Saison peilt der Verein 72 Zähler an – in sechs der vergangenen zehn Spielzeiten hätte das zum direkten Aufstieg gereicht.

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Der Autor berichtet seit 2006 für die „Norddeutschen Neuesten Nachrichten“ über Hansa Rostock.

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