Serie vor dem Start der 3. Liga Frontzeck soll den 1. FC Kaiserslautern aus dem Tief führen

Von Horst Konzok


Kaiserslautern. Der 1. FC Kaiserslautern ist an seinem Tiefpunkt angekommen und spielt in der kommenden Saison erstmals drittklassig. Auch dank Hoffnungsträger Michael Frontzeck peilen die „Roten Teufel“ einen Schnitt von 20000 Zuschauern und den sportlichen Aufschwung an. In einer Serie stellen wir die Klubs vor, die am 27. Juli in die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga starten.

Geschichte & Tradition: Die Walter-Elf mit den fünf Weltmeistern von 1954 (Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel, Werner Liebrich und Werner Kohlmeyer) machte den 1. FC Kaiserslautern weltbekannt. Das Gründungsmitglied der Fußball-Bundesliga stieg 1996 erstmals ab und wurde 1998 sensationell als Aufsteiger deutscher Meister. Die folgende sportliche Talfahrt war die Folge von Missmanagement und Größenwahn mit dem Ausbau des Fritz-Walter-Stadions zur WM-Arena. Der Verein hatte sich mit dem Projekt und teuren Stars wie Youri Djorkaeff, Ciriaco Sforza und Mario Basler verhoben, die Pleite wurde nur durch den Verkauf des überdimensionierten Stadions abgewendet. Die Stadionmiete – bis zu 4,5 Millionen Euro plus Unterhalt – war nach dem Abstieg in die 2. Bundesliga 2006 und nach zwei Jahren Erstklassigkeit 2012 kaum zu stemmen. Vor jedem Saisonstart mussten neun Millionen Euro für das Stadion zurückgestellt werden. Geld, das beim Kader fehlte. Tafelsilber (Willi Orban und Marius Müller nach Leipzig, Simon Zoller und Dominique Heintz nach Köln, Jean Zimmer nach Düsseldorf) wurde verkauft, um wirtschaftlich zu überleben.

Stadion & Stimmung: Der Bundesliga-Abstieg 2012 brachte den 2008 noch als Retter gefeierten Vereinschef Stefan Kuntz in die Kritik. 2013 scheiterte der FCK in der Relegation, 2014 und 2015 mit einer hoch talentierten Mannschaft knapp. Die Stimmung kippte. Der Sturz von Aufsichtsratschef Dieter Rombach Ende 2015 und die Demission von Kuntz Anfang 2016 hatten fatale Auswirkungen. Der neue Aufsichtsratschef Nikolai Riesenkampff und Kuntz-Nachfolger Thomas Gries versprachen die Bundesliga und stellten die Weichen für eine rasende Talfahrt. Die desaströse Hinrunde 2017/18 war nicht mehr wettzumachen. Der FCK wurde Siebter der Rückrundentabelle und stieg ab. Die Mannschaft, die sich nach dem Abstieg auflöste, zeigte aber Charakter und schaffte am Ende den Stimmungsumschwung. Zum ersten Training der neuen Saison kamen 1500 Zuschauer, knapp 11000 Dauerkarten wurden bislang verkauft.

Trainer & Team: 15 Spiele lang war Michael Frontzeck Cheftrainer. Hätten nur diese Spiele gezählt, wäre Lautern Vierter geworden. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Das Team mit den Co-Trainern Alexander Bugera, seit 2007 im Verein, Martin Raschik, Fitnesscoach Bastian Becker und Gerry Ehrmann, seit 1984 im Verein, als Torwart Kult, als Torwarttrainer legendär, bleibt zusammen.

Führung & Management: Mit dem Wechsel an der Spitze des neuen Aufsichtsrates im Dezember 2017 begann die Gesundkur: Patrick Banf folgte auf Riesenkampff. Vorstandschef Gries musste gehen, Finanzvorstand Michael Klatt wurde zum Vereinschef befördert, am 1. Februar kam Martin Bader als Sportvorstand. Er tut dem Verein gut, holte Frontzeck als Nachfolger des erkrankten Trainers Jeff Strasser und plante die 3. Liga. Der neue Kader stand schon vier Wochen vor dem Start gegen 1860 München.

Finanzen & Etatplan: Der bisherige Lizenzspieler-Etat wurde halbiert, beträgt noch fünf Millionen Euro. Ein Zuschauerschnitt von 20000 wird angepeilt. Die geplante Ausgliederung der Profis ist abgesegnet. Noch fehlt ein neuer Haupt- und Trikotsponsor.

Kommen & Gehen: Nach dem Abstieg konnten faktisch alle Spieler ablösefrei gehen. Vom Vorjahreskader blieben nur Ersatztorwart Jan-Ole Sievers, der lange verletzte Mads Albaek, der junge Gino Fechner und Lukas Spalvis, der für vier Jahre unterschrieb. 15 externe Neuzugänge wurden verpflichtet. Aus der 2. Bundesliga kamen Florian Dick und Christoph Hemlein (Arminia Bielefeld) sowie Kevin Kraus (1. FC Heidenheim). Der Ex-Bremer Janek Sternberg kehrte von Ferencváros Budapest nach Deutschland zurück.

Stars & Talente: Bei den Neuen achtete Sportvorstand Bader vor allem darauf, gestandene Drittliga-Spieler zu engagieren. Routiniers wie die aus Jena geholten Timmy Thiele und Jan Löhmannsröben sollen mit Albaek und Spalvis sowie „Heimkehrer“ Dick das Gerüst des neuen FCK bilden.

Auf & Ab: 20 Jahre nachdem der FCK als Bundesliga-Aufsteiger sensationell deutscher Meister wurde, ist er am Tiefpunkt seiner Geschichte: erstmals drittklassig.

Chancen & Pläne: Aus wirtschaftlichen Gründen muss der FCK hoch. Das wollen alle. Trainer und Sportchef aber raten zu Demut. Sie wollen Erlebnisfußball bieten, die Fans begeistern. Lautern soll wieder Läutern werden.

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Der Autor berichtet seit vielen Jahren für die „Rheinpfalz“ über den FCK.

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