Serie vor dem Start der 3. Liga Hallescher FC: Mit neuem Trainer, aber ohne Kampfansagen

Von Fabian Wölfling

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Halle. Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: der Hallesche FC.

Geschichte & Tradition: Historisch reichen die Wurzeln des Halleschen FC in die Nachkriegszeit zurück, offiziell gegründet wurde der Verein aber erst 1966 als Hallescher FC Chemie. In der DDR-Oberliga zählte die Mannschaft meist zur Mittelklasse, schaffte aber auch zweimal die Qualifikation für den UEFA-Pokal (1971, 1991). Nach der Wende spielte der HFC kurz in der 2. Bundesliga, dann ging es nach einer Insolvenz bis in die Verbandsliga bergab – und erst Mitte 2000 wieder bergauf. Seit 2012 spielen die Hallenser nun durchgehend in der 3. Liga.

Stadion & Stimmung: Der 2011 eröffnete Erdgas Sportpark fasst 15057 Zuschauer. Ausverkauft war das Stadion in der vergangenen Saison nie. Das sportlich selten überzeugende Auftreten lockte im Schnitt nur 6108 Fans zu den Heimspielen – Tiefstwert in der Drittliga-Geschichte.

Trainer & Team: Rico Schmitt konnte mit Platz 13 und dem Viertelfinal-Aus im Landespokal gegen den 1. FC Magdeburg die Erwartungen nicht erfüllen. Der Trainer musste deshalb nach zwei Jahren gehen. Sein Nachfolger kommt vom Liga-Konkurrenten FSV Zwickau: Torsten Ziegner trainiert den Halleschen FC in dieser Saison. Vom Regionalligisten VfB Auerbach holte er Michael Hiemisch als Assistent nach Halle. Die Torhüter trainiert Marian Unger, der unter Ziegner Schlussmann in Zwickau war.

Führung & Management: Nachdem im Frühjahr 1,4 Millionen Euro Schulden drückten und zwischenzeitlich die Insolvenz drohte, votierte der Verwaltungsrat des HFC für gravierende Veränderungen auf der Führungsebene. Mit Jürgen Fox, Lucas Flöther und Jens Rauschenbach kamen drei Wirtschaftsexperten neu in das Präsidium, Manager Ralph Kühne und Vizepräsident Jörg Sitte gaben dagegen ihre Ämter auf. Mit Ralf Heskamp, ehemaliger Scout des FC Bayern und Geschäftsführer beim VfL Osnabrück, ist seit Frühjahr auch ein neuer Sportdirektor im Amt. Er stellte gemeinsam mit Trainer Ziegner den neuen Kader zusammen.

Finanzen & Etatplan: Nach der Fast-Insolvenz muss der HFC sparen. Deshalb plant der Verein mit einem Gesamtetat von sechs Millionen Euro. 800000 Euro weniger als in der Vorsaison. Teure Spielerverträge wurden deshalb nicht verlängert. Trotzdem muss die neue, billigere Mannschaft begeistern. Nur so kann der anvisierte Zuschauerschnitt von 6800 geschafft werden.

Kommen & Gehen: 14 Zugänge, 17 Abgänge: So sieht ein Umbruch aus. Mit Klaus Gjasula, Royal-Dominique Fennell oder Fabian Baumgärtel haben viele Führungsspieler den Verein verlassen. Die Zugänge kommen hauptsächlich aus unteren Ligen oder waren bei ihren vorherigen Vereinen Ersatzspieler. Ausnahmen: Pascal Sohm (Großaspach) und Moritz Heyer (Lotte) sowie Jan Washausen, Bentley Baxter Bahn (beide Zwickau) und Sebastian Mai (Münster). Die drei Letztgenannten arbeiteten schon mit Ziegner in Zwickau zusammen.

Stars & Talente: Wirkliche Stars gibt es nicht. Allerdings sollen Mathias Fetsch im Angriff, der neue Kapitän Washausen im Mittelfeld und Mai in der Abwehr vorangehen. Viel Potenzial bringt Björn Jopek mit, der schon mit 18 Jahren für Union Berlin in der 2. Bundesliga spielte. Flügelspieler Braydon Manu erlangte zudem durch einige spektakuläre Auftritte und erfrischend spontane Interviews in der vergangenen Saison Bekanntheit.

Auf & Ab: 10., 9., 10., 13., 13., 13. – rein nach den Platzierungen am Saisonende der 3. Liga herrscht beim Halleschen FC solide Langeweile. Allerdings spielte die Mannschaft unter Schmitt in der Hinrunde der Saison 2016/2017 auch mal um den Aufstieg (Platz vier zur Winterpause). In der Rückrunde geriet die Mannschaft dann aber fast noch in Abstiegsnöte. Auch in der vergangenen Saison stand der HFC mehrfach nur knapp über dem Strich, rettete sich dann aber doch relativ souverän. 18 Punkte betrug der Vorsprung auf die Abstiegsränge.

Chancen & Pläne: Wurde in der vergangenen Saison von Präsident Michael Schädlich noch Platz sechs als Saisonziel ausgegeben, hält sich der Hallesche FC in der neuen Spielzeit mit derartigen Kampfansagen zurück. Die neu formierte Mannschaft müsse sich erst finden, heißt es stets. Intern dürfte angesichts der Stärke der Liga und nun vier Absteigern der Klassenerhalt das Ziel sein.

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Der Autor berichtet seit drei Jahren für die „Mitteldeutsche Zeitung“ über den Halleschen FC.

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