Serie vor dem Start der 3. Liga Aufsteiger Energie Cottbus will an seinen Aufgaben wachsen

Von Frank Noack

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Cottbus Mit dem sportlichen Erfolg ist die Euphorie zurückgekehrt ins Stadion der Freundschaft: Mit großem Rückenwind und vornehmlich seinem angestammten Personal will Aufsteiger Energie Cottbus die 3. Fußball-Liga bewältigen. In einer Serie stellen wir die Klubs vor, die am 27. Juli in die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga starten.

Geschichte & Tradition: Die Wurzeln von Energie Cottbus liegen im 40 Kilometer entfernten Senftenberg. Denn nach der Saison 1962/63 wurde die aus der DDR-Oberliga abgestiegene Mannschaft des SC Aktivist Brieske/Senftenberg auf Geheiß der politischen Führung nach Cottbus delegiert. Die Fußballer aus Senftenberg mussten sich zunächst dem SC Cottbus anschließen. 1966 wurde dann Energie Cottbus gegründet.

Stadion & Stimmung: Das 20500 Besucher fassende Stadion der Freundschaft war seit dem Abstieg aus der Bundesliga nur noch selten komplett gefüllt. Um Kosten zu sparen, blieb in der Regionalliga die Gegentribüne geschlossen. Mit dem sportlichen Erfolg in der zurückliegenden Saison kam jedoch auch die Euphorie zurück in die Lausitz. Das Aufstiegs-Rückspiel gegen Weiche Flensburg war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Vor allem die Fans auf der Nordwand sorgen für viel Stimmung. Der Zuschauerschnitt lag in der Aufstiegssaison bei 5262 Besuchern. Für 2018/19 kalkuliert der Verein mit 7500 Zuschauern pro Heimspiel. Bislang wurden rund 2500 Dauerkarten im Vorverkauf abgesetzt.

Trainer & Team: Der ehemalige Osnabrücker Claus-Dieter Wollitz sitzt zum zweiten Mal auf der Cottbuser Trainerbank. Genau wie in seiner ersten Amtszeit von 2009 bis 2011 hat er auch diesmal ein neues, junges Team mit Perspektive geformt. Aus der Abstiegs-Mannschaft blieben im Juli 2016 nur noch die im eigenen Nachwuchsleistungszentrum ausgebildeten Youngster übrig. Dazu holte Wollitz mit Kapitän Marc Stein und Tim Kruse lediglich zwei Routiniers. Die anderen Spieler kamen aus der Regionalliga sowie aus der Oberliga und wuchsen zu einem gut harmonierenden Team zusammen.

Führung & Management: In sportlicher Hinsicht hat Trainer Wollitz das alleinige Sagen. Der Posten des Sportdirektors wurde aus Kostengründen nicht besetzt. Ruhepol des Vereins ist Präsident Michael Wahlich, der nach dem Abstieg 2016 die Verantwortung übernahm und mit seiner bodenständigen Art auch die Fans wieder zurückgewann.

Finanzen & Etatplan: Im Februar 2017 schrammte Energie knapp an der Insolvenz vorbei. Die Etatlücke von etwa 500000 Euro konnte geschlossen werden, weil ein anonym gebliebener Unterstützer Genussscheine in dieser Höhe zeichnete. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte der Verein gut eine Million Gewinn und konnte seine langfristigen Schulden auf etwa fünf Millionen Euro reduzieren. Für die kommende Saison liegt der Etat der Lizenzspielerabteilung bei etwa 3,5 Millionen Euro, für den Gesamtverein bei rund sieben Millionen Euro.

Kommen & Gehen: Elf Aufsteiger müsst ihr sein – da ist das Motto bei der Personalplanung. Denn Wollitz setzt auch in der 3. Liga auf jene Spieler, die in den vergangenen beiden Jahren in der Regionalliga gespielt haben. Mit Mittelfeldspieler Daniel Stanese vom VfR Aalen und Abdulkadir Beyazit (SV Babelsberg) gibt es bislang nur zwei Neuzugänge. Energie geht also einen anderen Weg als die beiden Mitaufsteiger 1860 München und KFC Uerdingen, die dank Investoren-Unterstützung massiv aufrüsten.

Stars & Talente: Prunkstück des Teams ist die Offensive. Die Mittelfeldreihe mit Maximilian Zimmer, Kevin Weidlich, Marcelo Freitas und Fabio Viteritti war in der Regionalliga nicht zu stoppen. In der Sturmspitze glänzte der schnelle Streli Mamba mit 19 Treffern. Ob der Torjäger bleibt, ist allerdings offen. Eine Entscheidung wird vermutlich erst im August fallen. Unter anderem hat Zweitligaaufsteiger SC Paderborn sein Interesse bekundet.

Auf & Ab: 1997 gelang Energie der Sprung auf die große Fußball-Bühne. Cottbus stieß als Drittligist sensationell ins DFB-Pokalfinale vor und schaffte unter Trainerlegende Eduard Geyer außerdem den Aufstieg in die 2. Liga. Von 2000 bis 2003 und 2006 bis 2009 spielte der FCE sogar in der Bundesliga. Nach dem Aufschwung folgte der Absturz, der neun Jahre lang nicht zu stoppen war. 2016 fand sich Energie in der Regionalliga wieder, nun gelang der Aufstieg in die 3. Liga.

Chancen & Pläne: Das Ziel des Aufsteigers heißt Klassenerhalt. Allerdings ist die 3. Liga für die meisten Spieler Neuland. „Wir sind absolut überzeugt, dass sich die Jungs in der 3. Liga entwickeln. Wir haben als Mannschaft die Qualität, um den Klassenerhalt zu schaffen“, erklärt Wollitz. Viel wird davon abhängen, wie schnell sich das Team an die höheren Anforderungen in der 3. Liga gewöhnen kann.

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Der Autor berichtet seit 20 Jahren für die „Lausitzer Rundschau“ über Energie Cottbus.

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