Serie vor dem Start der 3. Liga Sonnenhof Großaspach mit erneutem Umbruch im Kader

Von Steffen Grün


Großaspach Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: die SG Sonnenhof Großaspach.

Geschichte & Tradition: Den Verein in der heutigen Form gibt es seit 24 Jahren. 1994 fusionierten die 1920 gegründete Spvg. Großaspach und der 1982 entstandene FC Sonnenhof Kleinaspach, dessen Basis die Stammtischtruppe ab 1976 des Hotels Sonnenhof war. Nach Feierabend kickte Juniorchef Uli Ferber, der später Berater von Stars wie Mario Gomez, Joshua Kimmich, Bernd Leno und Alexander Hleb wurde und Schlagerstar Andrea Berg heiratete, mit Angestellten. Erst 1987 meldete sich der Klub für den Spielbetrieb an, schon 1994 war die Landesliga erreicht. Dort stockte der rasante Aufstieg, nahm acht Jahre später nach dem Sprung in die Verbandsliga aber wieder Fahrt auf. Ab 2005 ging es um Oberliga-Punkte, 2009 gab es unter Trainer Thomas Letsch das Double aus Regionalliga-Aufstieg und WFV-Pokalsieg. 2014 gelang mit Coach Rüdiger Rehm in der Relegation gegen die U23 des VfL Wolfsburg der Aufstieg in die 3. Liga.

Stadion & Stimmung: Die 2011 eröffnete Mechatronik-Arena ist ein Schmuckkästchen, fasst 10000 Fans und liegt idyllisch am Waldrand. Zufahrt und Parkplatzsuche gestalten sich bei hohen Zuschauerzahlen schwierig, doch die gibt es vor allem bei Schlager-Events wie Andrea Bergs Heimspiel und Tests gegen Bundesligisten. Bei Drittligaspielen ist der Zuspruch ausbaufähig, gegen die Traditionsklubs drohen gefühlte Auswärtsspiele.

Trainer & Team: Sascha Hildmann hat die erste Saison hinter sich und knüpfte mit seiner Elf in der Rückrunde nicht an die starke Hinserie an. Kredit kostete ihn zudem das blamable Aus im Landespokal gegen einen Sechstligisten. Insgesamt war es aber eine respektable Runde, der 46-Jährige wird Schlüsse ziehen. Zu Routiniers und Gesichtern des Vereins wie Kai Gehring, Julian Leist oder Timo Röttger gesellen sich viele junge Spieler und Zugänge, die den nächsten Schritt in ihrer Karriere machen wollen.

Führung & Management: Aus dem fünfköpfigen Präsidium wurde im April ein Vorstand mit sieben Personen, die alle erst zwischen Anfang 30 und Mitte 40 sind. Sprecher ist mit Andreas Benignus der Sohn des bisherigen, gut zehn Jahre amtierenden Präsidenten. Um den Sport kümmert sich vor allem Joannis Koukoutrigas, dem es mit recht bescheidenen Mitteln stets gelingt, abwandernde Leistungsträger zu ersetzen und eine schlagkräftige Truppe zu basteln.

Finanzen & und Etatplan: Anders als viele Konkurrenten schreibt die SG in der Regel keine roten Zahlen, sondern will mit den vorhandenen Mitteln auskommen. Mit einem Gesamtetat von rund 3,2 Millionen Euro, von denen knapp 2 Millionen Euro aufs Profiteam entfallen, bewegt sich der Verein weiterhin im unteren Liga-Drittel.

Kommen & Gehen: Es gab wieder einen Umbruch, was auch daran liegt, dass sich die SG als Weiterbildungsverein sieht und Spielern, die in höhere Ligen oder zu finanzkräftigeren Rivalen wechseln wollen, meist keine Steine in den Weg legt. Dieses Mal gingen zwölf Mann, darunter Kapitän Daniel Hägele (Würzburg), Joseph-Claude Gyau (Duisburg), Sebastian Schiek (Fortuna Köln), Saliou Sané (Karlsruhe), Pascal Sohm (Halle) und Özgür Özdemir (Kaiserslautern). Zehn Neue kamen, die meiste Erfahrung bringen Rückkehrer Nicolas Jüllich (FC Vaduz, 127 Drittligaspiele), Dan-Patrick Poggenberg (MSV Duisburg, 16 Zweit- und 39 Drittligaspiele) und Stephané Mvibudulu (Wehen Wiesbaden, 9 Zweit- und 37 Drittligaspiele) mit. Die restlichen Zugänge fallen in die Kategorie jung und entwicklungsfähig – wie Joel Gerezgiher, der immerhin drei Bundesliga-Kurzeinsätze für Eintracht Frankfurt aufweist.

Stars & Talente: Stars wie Kevin Großkreutz in Uerdingen oder mit vielen Erst- und Zweitligaspielen auf dem Buckel gibt es nicht, der bekannteste Name ist Torwarttrainer und Stand-by-Profi David Yelldell (früher Leverkusen). Stürmer Timo Röttger sammelte in Paderborn, bei Dynamo Dresden, RB Leipzig und Viktoria Köln viel Erfahrung und zählt mit Julian Leist und Kai Gehring zu den Leitwölfen. Zu den vielen Talenten zählt Makana Baku, der Bruder des Mainzer Shootingstars Ridle Baku.

Auf & Ab: Für die SG ging es bislang stetig bergauf, einen Abstieg gab es noch nicht. Von der ersten Drittliga-Saison 2014/2015 abgesehen, als der Klassenerhalt mit einer starken Rückrunde gesichert wurde, war Großaspach stets in der Hinserie stärker und schwächelte im zweiten Saisonabschnitt.

Chancen & Pläne: Es geht wieder darum, sich von Anfang an von den Abstiegsplätzen fernzuhalten und nie zittern zu müssen. Im Idealfall reicht es für einen einstelligen Tabellenplatz, alles andere wäre eine Überraschung. Höhere Ziele würden einen höheren Etat erfordern, was aber nicht bedeutet, dass sich der Verein im Fall der Fälle gegen einen weiteren Aufstieg wehren würde.

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Der Autor berichtet seit 18 Jahren für die Backnanger Kreiszeitung über die SG Sonnenhof Großaspach.