Serie vor dem Start der 3. Liga Eintracht Braunschweig: Trotz des bitteren späten Abstiegs eine solide Basis

Von Thomas Fröhlich



Braunschweig Am 27. Juli startet die Saison 2018/19 in der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: Eintracht Braunschweig.

Geschichte & Tradition: Der größte Erfolg des Bundesliga-Gründungsmitglieds ist der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1967. Trainer Helmut Johannsen gewann mit einer Mannschaft der nahezu Unbekannten völlig überraschend den Titel. Bis 1985 gehörte der Klub – mit Ausnahme der Spielzeiten 1973/74 und 80/81 – der Bundesliga an. Es folgten wechselvolle Jahre zwischen Regionalliga und 2. Bundesliga. Mit dem Aufstieg in die Bundesliga 2014 setzte Trainer Torsten Lieberknecht mit seinem Team ein Glanzlicht in der Klubgeschichte, musste aber nach einem Jahr zurück in Liga zwei, in der sich Eintracht zu etablieren schien. In der Saison 2016/17 scheiterte Braunschweig als Zweitliga-Dritter in der Relegation zu Bundesliga am VfL Wolfsburg. Der Abstieg in Liga drei in der darauffolgenden Spielzeit kam umso überraschender und völlig unerwartet.

Stadion & Stimmung: Das Eintracht-Stadion – der Name wird von Sponsoren ohne deren Nennung getragen – fasst nach dem in einer Bürgerbefragung beschlossenen Umbau (2011 bis 2013) 23325 Zuschauer. Die Fans halten dem Traditionsverein die Treue. Im Schnitt 20000 Besucher sorgten in der vergangenen Saison trotz des Abstiegs für tolle Heimspielatmosphäre. Aktuell sind 12000 Dauerkarten verkauft.

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Trainer & Team: Henrik Pedersen hat Torsten Lieberknecht, der zehn Jahre die Geschicke der Braunschweiger von der Regionalliga bis zur Bundesliga prägte, abgelöst. Er bringt ein komplett neues Assistenten-Team mit. Für den Dänen, zuvor Assistenzcoach bei Union Berlin, ist es die erste Cheftrainerstelle in Deutschland.

Führung & Management: Nach zehn Jahren sehr erfolgreicher Arbeit bekam die Klubführung durch den nie erwarteten Abstieg in die 3. Liga erste Kratzer. Eintracht-Präsident und Aufsichtsratschef Sebastian Ebel und seinem Team wurde von vielen Fans Zögerlichkeit in der Causa Lieberknecht vorgeworfen. Sportlich hat seit 2008 Marc Arnold das Sagen. Soeren Oliver Voigt, seit 2001 in leitender Funktion im Verein tätig und seit 2008 Geschäftsführer der Eintracht Braunschweig GmbH & Co. KGaA, ist verantwortlich für die Finanzen.

Finanzen & Etatplan: Dem Abstieg folgte auch finanziell eine Zäsur. Vor allem weil sich die TV- und Vermarktungseinnahmen um rund 20 Millionen Euro verringern dürften. Nachdem im Vorjahr rund 40 Millionen Umsatz erwirtschaftet worden waren, plant Eintracht in der 3. Liga mit einem Etat von rund 14 Millionen Euro. Da die Mehrzahl der Sponsoren dem Klub verbunden bleibt und zudem Transfererlöse in Millionenhöhe erwartet werden, geht Eintracht mit solider Basis in die Saison.

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Kommen & Gehen: Im Team hat ein kompletter Umbruch stattgefunden. 17 Profis verließen den Klub, weitere (Abdullahi, Nyman, Valsvik) könnten bei entsprechenden Transferzahlungen folgen. Mehr als ein Dutzend neue Profis kamen hinzu, weitere sollen folgen. Mit Torwart Engelhardt, den Abwehrspielern Becker, Tingager und Kijewski sowie den Offensivkräften Bulut, und Hofmann stehen nur sechs Spieler aus dem Vorjahr fest im neuformierten Kader.

Stars & Talente: Mit Reichel, Boland, Kumbela, Hochscheidt und Fejzic verließen Spieler mit Kultstatus den Klub nach vielen Jahren. Der ehemalige Berliner Fürstner, der Ex-Bielefelder Burmeister und die Dänen Thorsen und Amundsen sollen das Gerüst bilden im neuen Team. Ansonsten holten Arnold und Pedersen vor allem junge, talentierte Profis wie die Otto-Zwillinge Yari und Nick aus Wolfsburg oder Adetula und Abifade aus dem eigenen Nachwuchs.

Auf & Ab: Dem Überraschungsaufstieg 2014 in die Bundesliga nach zuvor zwei Jahren in Liga zwei folgten drei ordentliche Spielzeiten in der 2. Bundesliga, bevor der Absturz in die 3. Liga den Verein am letzten Spieltag der Saison unvorbereitet traf.

Chancen & Pläne: Das Ziel ist klar: Um den Aufstieg mitspielen, heißt es. Die finanziellen Voraussetzungen sind vorhanden, die Fans stehen zum Verein. Braunschweig muss zurück in die 2. Bundesliga, wenn auch nicht zwingend nach dieser Saison.

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Autor Thomas Fröhlich berichtet seit 1996 für die Braunschweiger Zeitung über die Eintracht.

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