Serie vor dem Start der 3. Liga Carl Zeiss Jena: Bewährungsprobe im schweren zweiten Jahr

Von Michael Ulbrich



Jena. Am 27. Juli 2018 startet die Saison 2018/19 der 3. Fußball-Liga. In einer Serie stellen wir die Konkurrenten des VfL Osnabrück und der Sportfreunde Lotte vor. Heute: der FC Carl Zeiss Jena.

Geschichte & Tradition: Jena ist die ewige Nummer eins der DDR-Oberliga. Der Club aus Thüringen feierte drei Meistertitel, vier Pokalsiege – und mischte auch auf europäischem Parkett munter mit. Die älteren Zeiss-Fans wissen, wie man Ajax Amsterdam, den AS Rom oder Benfica Lissabon schlägt, die jüngeren, wie man sich in Großaspach und Lotte müht. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte ist der Einzug ins Europacupfinale 1981. Mit der inzwischen gesamtdeutschen Trainerlegende Hans Meyer verlor man 1:2 gegen Dinamo Tiflis. Die größte Furore machte man 2008/09, als man den amtierenden Pokalsieger Nürnberg und den Meister Stuttgart aus dem DFB-Pokal warf. Endstation für den am 13. Mai 1903 gegründeten Klub war das Halbfinale bei Borussia Dortmund.

Stadion & Stimmung: Das Ernst-Abbe-Sportfeld fasst gerade noch 10000 Zuschauer, ist mehr als baufällig. Seit mehr als einer Dekade diskutiert die lokale Politik über einen Neubau. Jetzt soll es 2019 losgehen. Unter den Bedingungen leidet auch die Stimmung auf den Rängen.

Trainer & Team: Mark Zimmermann ist ein Jenaer Urgestein, kam als Jugendlicher nach Jena und ist nun seit zwei Jahren im Amt. Mit ihm wird endlich wieder auf den eigenen Nachwuchs gesetzt. Spieler wie Max Wolfram oder auch der zur U23 des SV Werder Bremen abgewanderte Florian Dietz profitierten von seinem Vertrauen.

Führung & Management: Das Präsidium selbst hat mit dem Tagesgeschäft nur wenig zu tun. Das liegt in den Händen des Geschäftsführers der Spielbetriebs-GmbH Chris Förster. Der war davor Finanzvorstand des Halbleiter-Unternehmens Xfab. Das gehört zum Imperium von Roland Duchâtelet, dem Minderheitsgesellschafter in Jena.

Finanzen & Etatplan: Wie die meisten Drittligisten ist auch der FC Carl Zeiss chronisch klamm. Minderheitsgesellschafter Duchâtelet investiert keinen Cent, sichert aber mit Krediten die Liquidität. Ziel sei es, mittelfristig eine schwarze Null zu schreiben, erklärte Förster. Mit fünf Millionen Euro im Jahr plant die GmbH für alle Ausgaben; bei der Absicherung helfen soll ein neuer Trikotsponsor, der eine Viertelmillion mitbringt. Einzig gefunden ist er noch nicht. Aktuell hat man fast 2100 Dauerkarten verkauft, plant mit 5800 Besuchern im Schnitt. Das würde beim Erreichen des Zieles freilich helfen.

Kommen & Gehen: Die Liste der Abgänge ist noch deutlich länger als die der neuen Namen. Mit Timmy Thiele (für 375000 Euro zum 1. FC Kaiserslautern) verloren die Thüringer ihren wohl gefährlichsten Spieler. Doch auch Dietz, der sich Bremen II anschloss, hinterlässt eine Lücke im Angriff. Als „verhalten optimistisch“ apostrophiert Förster die aktuellen Hoffnungen auf einen Verbleib des aus Augsburg ausgeliehenen Julian Günther-Schmidt. Mit Felix Brügmann (Angriff/Berliner AK) und Michael Schüler (Verteidigung/Koblenz) kamen bisher nur regionalligaerfahrene Akteure. Völlig unbekannt ist das Leistungsvermögen von Fabien Tchenkoua, der vom französischen Zweitligaabsteiger Bourg-en-Bresse Péronnas nach Jena wechselte. Zuvor spielte er beim früheren Duchâtelet-Klub Sint Truiden.

Stars & Talente: An Talenten mangelt es in Jena nicht. Das Nachwuchsleistungszentrum, aus dem Spieler wie Nils Petersen, Tobias Werner, Bernd Schneider oder Robert Enke hervorgingen, ist auch weiterhin ein guter Lieferant. Mit Valentin Reitstetter und James Kevin Nahr gibt es auch in diesem Sommer zwei Akteure, die aufrücken. Als Führungskräfte gelten natürlich der Jenenser und Kapitän René Eckardt, der seit seinem siebenten Lebensjahr für den Klub spielt, und Kevin Pannewitz. Der einstige Wolfsburger und Rostocker Bundesligaspieler hatte sich von 130 Kilo wieder zum Kampfgewicht gearbeitet und soll nun die Fäden im Mittelfeld ziehen.

Auf & Ab: Seit der Wende war Jena acht Jahre lang zweitklassig, zwischen 2012 und 2017 nur viertklassig. Nach fünf bitteren Jahren in der Regionalliga hat der „gefallene Engel“ nun vor, in der 3. Liga Fuß zu fassen. Das gelang im Premierenjahr recht eindrucksvoll.

Chancen & Pläne: Das zweite Jahr nach dem Aufstieg wird für die Thüringer zur Bewährungsprobe. Denn nun steigen vier Teams ab, zudem kommen äußerst finanzkräftige Traditionsklubs von unten und oben dazu. Der FCC will sein Heil in der Außenseiterrolle suchen. Man wolle sich verbessern, mindestens um einen Platz – so das offizielle Ziel. Und irgendwann soll es zurück in die Zweite Liga gehen. Vor der Zukunftsmusik kommen aber die leisen Töne vom Klassenerhalt in Liga drei.


Autor Michael Ulbrich schreibt seit 16 Jahren für die Thüringische Landeszeitung.

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