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Als ein „Schimmel“ Schalke stoppte

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Karikatur statt Foto: So illustrierte das Fachmagazin „Kicker“ seinen Bericht aus Osnabrück. Quelle: Muras-Factory/Bearbeitung: MichelKarikatur statt Foto: So illustrierte das Fachmagazin „Kicker“ seinen Bericht aus Osnabrück. Quelle: Muras-Factory/Bearbeitung: Michel

Das Duell am Mittwoch nächster Woche ist das vierte Pokalspiel zwischen dem VfL Osnabrück und Schalke 04. Bis jetzt ist die Bilanz positiv für Lila-Weiß, schon zwei Mal scheiterten die Königsblauen in diesem Wettbewerb an der Bremer Brücke – der erste Triumph des VfL war eine Sensation, über die ganz Deutschland sprach.

Der 19. November 1939 war der große Tag eines Fußballjungen aus dem Arbeiter-Stadtteil Schinkel. Friedel hieß der gerade 20-Jährige Mann mit Vornamen, doch schon in der Kindheit hatte er wegen seines hellblonden Haarschopfes den Spitznamen „Schimmel“ bekommen. Aufgewachsen in der Oststraße, wurde „Schimmel“ Meyer zu einem der besten Fußballer der Stadt; er begann als Linksaußen und spielte später Mittelläufer.

An diesem tristen, verregneten Herbstnachmittag stellte er die Schalker Nationalspieler um Fritz Szepan, Fritz Kuzorra, Hans Klodt und „Ötti“ Tibulski in den Schatten. Zweimal ging der Favorit in Führung, zweimal glich der VfL aus; erst durch „Addi“ Vetter, dann durch den sächsischen Gastspieler Herbert Weigel. Zwei Minuten nach dem 2:2 jagte der überragende „Schimmel“ Meyer den Ball aus 20 Metern in den Winkel und brachte 13000 Zuschauer zur Raserei.

Es war ein in mehrfacher Hinsicht besonderer Tag der VfL-Geschichte: Die Zweitrunden-Partie im Tschammer-Pokal – der DFB-Wettbewerb war nach dem eitlen Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten benannt worden – war das erste große Spiel an der Bremer Brücke. Die Platzanlage, die der SC Rapid geschaffen hatte und 1939 in die Wiedervereinigung mit dem VfL einbrachte, hatte einen herrlichen Rasen und Stehränge für 13000 Zuschauer.

Und an diesem 19. November 1939 bezwang der VfL zum zweiten Mal innerhalb von neun Monaten einen Deutschen Meister: Am 26. Februar 1939 hatten die Osnabrücker – da noch auf dem lehmigen Platz in der Gartlage – den Titelträger Hannover 96 mit 3:0 geschlagen, nun waren die Schalker fällig, die in nahezu identischer Besetzung wenige Monate zuvor durch ein 9:0 gegen Admira Wien zum vierten Mal Deutscher Meister geworden waren. „Die Tatsache dieses Doppelerfolges verdient festgehalten zu werden, und sie unterstreicht erneut den Durchbruch Osnabrücks zur Fußball-Großmacht“, schrieb der „Kicker“ im Vorspann seines Berichts.

Schließlich markierte der 19. November 1939 den Anfang vom Ende der großen „Gartlager Elf“, die sich unter der Führung von Trainer Walter Hollstein zu einem nationalen Spitzenteam entwickelt hatte. Mit dem deutschen Überfall auf Polen hatte zweieinhalb Monate zuvor der 2. Weltkrieg begonnen. An der Front endeten für viele VfLer die Träume von weiteren Fußball-Erfolgen.

„Schimmel“ Meyer gehörte zu den Glücklichen, die den Krieg unversehrt überstanden. Seine besten Fußballerjahre hatte der Mann, der angeblich bereits im Notizbuch von Reichstrainer Sepp Herberger stand, im Krieg verloren. Bis 1950 spielte er für den VfL, dann folgte er seiner Frau nach Braunschweig, später seinem Kumpel „Schangel“ Flotho nach Horst Emscher. Viele Jahre war er als Jugend- und Amateurtrainer tätig, doch schon lange vor seinem Tod am 25. Dezember 2001 schloss „Schimmel“, der Arbeiterjunge aus dem Schinkel, mit dem Fußball ab. Sogar seine Erinnerungsstücke und Vereinsnadeln verschenkte er.


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