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Entscheidung fällt bis Mitte März Der VfL kämpft um den VIP-Tower


hp Osnabrück. Bis Mitte März entscheidet sich, ob der VfL Osnabrück die Pläne zum Bau des VIP-Towers schon bis zur neuen Saison realisiert oder das Projekt verschoben werden muss. Die Gremien des Vereins bekannten sich auf einer groß angelegten Pressekonferenz einmütig zu dem Tower und warben in einer Informationsoffensive um Verständnis und Unterstützung.

„Wir wollen uns kein Denkmal setzen, aber es soll architektonisch gewissen Ansprüchen genügen“, sagte Architekt Wilfried Ohnesorge, ehe er Deatils seiner Planung erläuterte. Nach seiner Darstellung sei ein Duplikat des „Affenfelsens“ (der Stehplatzbereich zwischen Nord- und Osttribüne) nicht umsetzbar gewesen: „Wir hätten nur bis zur Höhe der Anzeigetafel bauen dürfen, das wären nur fünf, sechs Reihen geworden.“ Der elipsenförmige Aufbau des Towers, der auf einer Säule steht, habe nach langen Verhandlungen die Zustimmung der betroffenen Nachbarn bekommen, „weil er nur elf Meter in die Tiefe geht.“

„Wir sind unser Stadion durchgegangen und haben überlegt, wo wir Logen bauen können“, sagte Dieter Prütz, der als Geschäftsführer der Lila-Weiß-Marketing GmbH der Vater des Projekts ist, „Süd und auch Westtribüne sind nicht ohne Weiteres höherzuziehen, bei der Ostkurve ist das eher möglich, aber das soll und muss die Heimat der Fans bleiben. Wenn wir dort ausbauen, dann natürlich mit Stehplätzen, weil dort die größte Nachfrage besteht.“

Am Ende sei der Bau eines speziellen Gebäudes alternativlos gewesen, wenn es darum gehe, möglichst schnell eine weitere sichere Einnahmequelle zu erschließen. „Wir müssen bereits Sponsoren absagen, weil der VIP-Bereich der Südtribüne aus allen Nähten platzt“, sagte Prütz, „die Logen, die Business-Seats, die Firmenboxen – alles vermarktet. Wir haben insgesamt 481 VIP-Plätze, und alle sind verkauft. Ich glaube nicht, dass es einen anderen Zweitligisten gibt, der das von sich behaupten kann.“

Club-Präsident Dirk Rasch, der sich gern als Fußball-Romantiker bezeichnet, versuchte, ideologische Gräben zu überbrücken. „Wer will, dass sich der VfL Osnabrück in der 2. Bundesliga etabliert, der muss akzeptieren, dass wir uns den Spielregeln des kommerziellen Fußballs nicht entziehen können.“ Der VfL bleibe ein bodenständiger Verein, „und in unseren Logen gibt es Mettbrötchen und Pils statt Champagner und Austern.“ Rasch warnte davor, unterschiedliche Zuschauergruppen gegeneinander auszuspielen: „Unser Verein und unser Stadion bringen die Menschen zusammen, nicht auseinander. Und auch auf den teuren Plätzen sitzen Leute mit genauso viel Herzblut wie es die Fans in der Ostkurve mitbringen.“

Am vergangenen Donnerstag hatten sich Präsidumsmitglieder und die Projekt-Verantwortlichen mit Vertreten verschiedener Fangruppe getroffen. „Es war ein gutes Gespräch, in dem manches erklärt worden ist“, sagte Florian Flatau, der 2. Vorsitzende des Fanclub-Verbandes und stellvertretende Fan-Beauftragte, „die Fans sind sowieso nicht mehrheitlich gegen Logen, denn wir wissen, dass das heutzutage dazu gehört. Wirtschaftlich ist das ein Knaller. Aber es gibt Kritik an der zögerlichen Informationspolitik des Vereins und am Design des Turmes.“

Auf die Geschmacksdebatte ließ sich die VfL-Führung nicht ein. „Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Ich finde, dass jenseits der Details ein solches Gebäude zu unserem Verein und vor allem zu unserem Patchwork-Stadion passt“, sagte Präsident Rasch. Der Sprecher des Wirtschaftsrates, Hans-Jürgen Fip, erklärte: „Viele moderne Stadien entsprechen einem Einheitsbild. Dieser Turm gibt dem Stadion und damit ganz Osnabrück eine besondere Note. Das ist ein Eye-Catcher, eine ganz individuelle Lösung, die für positives Aufsehen sorgen wird.“

Vornehmlich hat sich das von Fip vertretene Gremium mit der wirtschaftlichen Seite des 1,8-Millionen-Euro-Projektes beschäftigt. „Klar ist, dass es in den ersten fünf Jahren keinen zusätzlichen Deckungsbeitrag für den Etat des Vereins gibt, das wird erst danach der Fall sein. Bis dahin darf es durch den Tower keine Belastungen geben für den Verein, darauf muss und wird der Wirtschaftsrat achten. Wenn es gelingt, die Finanzierung durch die Vermarktung abzusichern, begrüßen wir diese Maßnahme, denn es stärkt die Position des Vereins im Sponsoring durch die mittelständische Wirtschaft.“

Fip betonte zudem, dass es für die Zustimmung des Wirtschaftsrates von entscheidender Bedeutung gewesen sei, dass mit dem Bau des Towers Baumaßnahmen in der Ostkurve unmittelbar verknüpft seien; dort sollen die Toiletten erneuert und ein großer Fan-Treff mit Gastronomie errichtet werden. „Das ist das richtige Signal an die Fans: Ihr seid und bleibt unsere treuen Verbündeten, wir brauchen euch und vergessen euch nicht“, sagte Fip.

Wie viele der 12 Logen mit je 12 Plätzen Logen bereits fest vermietet sind, wollte Dieter Prütz gestern nicht verraten; es gebe mündliche Zusagen und viele aussichtsreiche Gespräche. Bei dem einzigen Kunden, den Prütz gestern öffentlich nannte, handelt es sich um das Medienhaus Neue OZ, dessen Marketingabteilung Anfang dieser Woche zugesagt habe. Seine Hoffnung sei groß, so Prütz, dass es trotz des Zeitdrucks gelinge, zehn Logen für vier Jahre zum ligaunabhängigen Preis von 45000 Euro pro Saison zu vermieten. Wenn die Lila-Weiß-Marketing GmbH dieses Ziel bis Mitte März erreicht, sollen die Bauarbeiten im April beginnen; das Angebot eines dem VfL nahe stehenden Generalunternehmers liege bereits vor, die Baugenehmigungen seien erteilt. Trotz des Zeitdrucks könnte der Tower dann rechtzeitig zum frühen Saisonstart Mitte Juli eröffnet werden. Wenn die Basis für die schnelle Umsetzung nicht rechtzeitig gelegt werden kann, würde der Verein das Projekt verschieben, wahrscheinlich um ein Jahr.

Prütz warb vehement für das Projekt und um die Glaubwürdigkeit der VfL-Führung: „Wir haben gegen manchen Widerstand die Nordtribüne realisiert. Wir haben 2005 die ersten Logen gebaut, als das noch kaum jemand für nötig hielt. Ohne diese Maßnahmen, das behaupte ich, wäre sogar unserer Existenz in der 3. Liga die wirtschaftliche Grundlage entzogen. Ich hoffe, dass die Fans uns glauben, wenn wir sagen, dass wir keinen Bonzen-Turm bauen, sondern einen Treffpunkt für fußballbegeisterte Menschen, die nur ein bisschen mehr Geld haben als andere. Und ich wünsche mir, dass auch Sponsoren, die zuletzt ein bisschen gezweifelt haben, sich auf das Projekt einlassen. Eins kann ich versprechen: Von da oben ein Spiel zu sehen – das wird richtig geil. Wenn ich Geld hätte und keine Höhenangst, würde ich mir eine mieten…“


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