Unmut über Zuschüsse für die 2. Bundesliga Das Echo aus der 3. Liga: Eine brutale Wettbewerbsverzerrung

Von Harald Pistorius und Uli Mentrup, 06.06.2018, 20:13 Uhr
Untröstlich: Der 1. FC Kaiserslautern nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga. Trainer Michael Frontzeck tröstet Sebastian Andersson. Foto: imago/Sven Simon

Osnabrück. Die beiden Absteiger aus der 2. Bundesliga,. Eintracht Braunschweig und der 1. FC Kaiserslautern, bekommen jeweils einen Zuschuss von knapp 1,1 Millionen Euro. Viele Drittligisten empfinden das als Wettbewerbsverzerrung.

Das Echo aus der 3. Liga ist eindeutig: Die meisten dazu befragten Vereine äußerten sich kritisch und ablehnend über die Unterstützung der beiden Absteiger aus der 2. Bundesliga. „Für die Klubs, die seit Jahren in der 3. Liga spielen, ist das ein brutaler Wettbewerbsnachteil“, sagt Jürgen Wehlend, der Geschäftsführer des VfL Osnabrück.

Weiterlesen: Darum kassiert jeder Absteiger 1,1 Millionen Euro

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Der 1. FC Kaiserslautern und Eintracht Braunschweig erhalten von den 18 Vereinen der 2. Bundesliga jeweils 600000 Euro. Mit dieser Solidarisierungsaktion soll die wirtschaftliche Wucht des Absturzes abgemildert werden. Es handelt sich um eine einmalige Aktion.

Plädoyer für eine unterschätzte Liga

Schon seit Jahren zahlt die DFL jedem Absteiger aus der 2. Bundesliga ein Überbrückungsgeld von 500000 Euro. Die Summe muss zweckgebunden für den Erhalt des Nachwuchsleistungszentrums verwendet werden. Damit haben Braunschweig und Kaiserslautern in ihren Etats einen externen Zufluss von 1,1 Millionen Euro.

Die 3. Liga bekommt ein Montagspiel

„Sehr kritisch“ sieht das Geschäftsführer Michael Schwetje von Fortuna Köln. „Dieser Rettungsfallschirm ist eine zusätzliche Wettbewerbsverzerrung. Das macht es noch mal schwieriger für einen Nicht-Absteiger, aus der 3. Liga herauszukommen“, sagte Schwetje dem Fachmagazin „Kicker“ (Donnerstagausgabe) und weist auf eine Gefahr hin: „Das führt dazu, dass immer mehr ein closed Shop entsteht, eine geschlossene Gesellschaft.“

Weiterlesen: „Die 3. Liga gehört unter das Dach der DFL Der Osnabrücker Wehlend spricht von einer „ungerechtfertigten Wettbewerbsverzerrung: „Wenn ein Absteiger nun 1,1 Millionen Euro Zuschüsse bekommt, entspricht das in etwa dem strukturellen Defizit, das ein durchschnittlicher Drittligist Jahr für Jahr aus eigener Kraft kompensieren muss.“

In Meppen erkennt Geschäftsführer Ronald Maul die Solidarität der Zweitligisten als „ehrbar“ an, aber es falle einem Drittligisten schwer, diese Aktion positiv zu sehen: „Im Verhältnis zu dem, was die Drittligisten bekommen, jammern die Zweitligisten auf hohem Niveau. Wenn das Geld genutzt wird bei der Ansprache von Spielern, ist das nicht gerecht.“

„Die Einheit des Fußballs ist in Gefahr“

Verständnis äußert der Geschäftsführer des VfR Aalen, Hermann Olschewski, der in der Aktion keine Wettbewerbsverzerrung sieht und im „Kicker“ auf den Kostendruck verweist, unter den Absteiger geraten: „Man muss einen großen Apparat von zwölf bis 14 Millionen auf fünf Millionen zurückfahren. Da muss man Mitarbeiter abfinden.“ Dafür sei das Geld in erster Linie gedacht.

Gleichmütig nehmen die Sportfreunde Lotte den Vorteil der Absteiger hin. „Die abstiegsbedrohten Zweitligisten haben sich selbst gegen den Abstieg versichert – dagegen ist nichts zu sagen“, sagt der Sportliche Leiter Manfred Wilke, und der Vorsitzende Hans-Ulrich Saatkamp ergänzt: „Uns bleibt nichts anderes übrig, als das so hinzunehmen.“

Eine Chance, die Unterstützung zweier ohnehin bessergestellter Konkurrenten zu verhindern, sieht niemand. Dennoch soll das Thema auf der nächsten Tagung der Manager der 3. Liga angesprochen werden.

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