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Offener Brief von Fans an den VfL Osnabrück Thema Westkurve: „Das ist unsere lila-weiße Heimat!“

Von Harald Pistorius

In der nächsten Saison geschlossen? Der „Osnabrücker“ Teil der Westkurve im Stadion Bremer Brücke. Foto: Helmut KemmeIn der nächsten Saison geschlossen? Der „Osnabrücker“ Teil der Westkurve im Stadion Bremer Brücke. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Am Mittwoch trifft sich die Führung des VfL Osnabrück mit Fan-Vertretern zum Runden Tisch. Einziges Thema: der Plan des Vereins, die Westtribüne aus Kostengründen für Osnabrücker Fans zu schließen. In einem offenen Brief wehren sich Stammbesucher der Westkurve gegen die Vertreibung aus ihrem „emotionalen, lila-weißen Zuhause“.

„Das ist unsere Kurve und lila-weiße Heimat!“, heißt es in dem Schreiben, „wir fühlen uns als Fans nicht wahrgenommen und haben das Gefühl, dass den Verantwortlichen unseres Vereins nicht klar ist, dass sie ihre Fan- und auch Kundenbasis zum wiederholten Mal vergraulen“, heißt es in dem Schreiben. Man sei sehr enttäuscht, „dass wir in den letzten Wochen wohl nur als Kostenfaktoren diskutiert wurden, nicht aber als Bestandteil der oft beschworenen VfL-Familie.“

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In dem von zwölf West-Stammgästen unterzeichneten Brief wird das Bild des Publikums in diesem Stadionteil liebevoll gezeichnet: „Im Lauf der Jahre hat sich dort eine heterogene, generationsübergreifende, sehr leidensfähige Gruppe gebildet, die schon allein Grund genug ist für einen Brückenbesuch, auch dann, wenn auf dem Rasen teilweise zweifelhafte sportliche Darbietungen aufgeführt werden.“

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Viele der Stammbesucher im Teil der Kurve, deren andere Hälfte den Gästefans vorbehalten ist, kennen sich vom Ansehen und beim Vornamen – nicht mehr. Dennoch gelang es einigen, nach dem letzten Heimspiel Kontakt aufzunehmen und sich zu treffen, um den Unmut und die Enttäuschung zu Papier zu bringen. „Irgendwie haben wir uns Telefonnummern zusammengesucht und das Treffen hinbekommen“, sagt Ullrich Eichner, der für die Gruppe über die Mailadresse westkurve@eichner.net erreichbar ist.

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Auf das Stadion- und Gemeinschaftsgefühl, das sie sich selbst geschaffen haben und in ihrem offenen Brief an den VfL anschaulich beschreiben, wollen sie auf keinen Fall verzichten. Das gemeinsam entworfene Schreiben haben die „Westler“ nicht nur unterschrieben, sondern mit Stichworten zu ihrer VfL-Biografie versehen. „Trotz Vertreibung von der Nord weiter Stammgast“, heißt es da, oder: „Dauerkarten-Inhaber seit Ende der 90er, 1981 konvertiert vom SCP!“

Das an Präsident Manfred Hülsmann und Geschäftsführer Jürgen Wehlend adressierte Schreiben, das am Sonntag per Mail in die Geschäftsstelle gegangen ist, endet mit dem Satz: „Es bleibt uns letztlich nur, an die Vernunft aller Verantwortlichen zu appellieren und den Beschluss zur Schließung der Westkurve zurückzunehmen, um nicht noch mehr treue VfL-Anhänger zu enttäuschen – oder zu verlieren.“ Außer Eichsner haben unterzeichnet: Guido und Maria Bartels (Rieste), Ludwig und Mathias Broxtermann (Georgsmarienhütte), Hans-Rudolf Goebel (Osnabrück), Reinhard Honerlage (Lübeck), Reinhold Meyring, Guido Pabst (beide Osnabrück), Nicolas Pabst (Braunschweig), Egon Pötter (Georgsmarienhütte) und Christian Schlarmann (Steinfeld).

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Der VfL hatte kurz vor dem Saisonende den Dauerkarten-Inhabern sowie einigen Fanclubs mitgeteilt, dass die Westtribüne in der Saison 2018/19 bei den meisten Spielen geschlossen bleiben soll. Angeboten wurden Sitzplätze zum Stehplatzpreis. Beim Fan-Talk am 15. Mai prägte der Ärger vieler Fans über die Schließung, aber auch über die mangelhafte Kommunikation und den Verzicht auf eine Meinungsfindung mit dem Publikum die Veranstaltung. Unter dem Eindruck des Protestes hatte Präsident Hülsmann ein ergebnisoffenes Gespräch mit Fanvertretern versprochen, das nun am Mittwoch stattfindet.


Der Offene Brief der zwölf VfL-Fans im Wortlaut

Sehr geehrter Herr Hülsmann,

sehr geehrter Herr Wehlend,

mit großer Verwunderung und Unverständnis haben wir, die Unterzeichnenden, die Entscheidung des VFL Osnabrück zur Schließung der Westkurve, unserem emotionalen lila-weißen Zuhause, vernommen. Diese Hiobsbotschaft hat uns nicht nur schwer getroffen, sie ist aus unserer Sicht auch nicht nachvollziehbar.

Die in den regionalen Medien zitierten Gründe für die Schließung einer kompletten Kurve erscheinen alles andere als transparent und sind so vage formuliert, dass sie eben nicht den Eindruck vermitteln, als ob der VFL um eine nachvollziehbare Versachlichung des Themas bemüht ist. Ob Alternativen zu einer kompletten Schließung der West seitens des Vereins diskutiert worden sind, wird nicht einmal kommuniziert. Und es gäbe sicherlich bessere Möglichkeiten, sich den traurigen Anblick einer leeren West zu ersparen.

Schon unsere kleine Westkurven-Fraktion hat in einem kurzen Brainstorming ein ganzes Füllhorn an Ideen zur Verbesserung der Einnahmen- und Ausgabensituation ausgeschüttet. Kleines Beispiel gefällig? Seit Jahren nehmen es die Westzuschauer ohne Murren hin, dass sie regelmäßig ihre Kurve über die Ausgänge der Süd verlassen müssen, um ein Aufeinandertreffen mit den Auswärtsfans zu vermeiden. Warum geht das nicht auch anders herum? Lassen Sie die Kassenhäuschen, Versorgungsstände und WCs der West doch einfach geschlossen. Wir kommen auch mit einem Einlass über die Süd klar!

Kluge Ratschläge zu geben ist aber nicht die Intention dieses Briefes, wohl aber die Kritik, dass wir uns als Fans nicht wahrgenommen fühlen. Wir haben das Gefühl, dass den Verantwortlichen unseres Vereins nicht klar ist, dass sie ihre Fan- und damit auch Kunden-Basis zum wiederholten Male vergraulen. Schon einmal sind viele von uns von der Nord-Geraden „vertrieben“ worden. Das haben wir seinerzeit geschluckt, obwohl wir schon damals an der Sinnhaftigkeit des Baus der Nordtribüne gezweifelt haben. 2008 gab es aber immerhin noch Ausweichmöglichkeiten für die Zuschauer, für die Fußballgucken im Sitzen „für den Arsch“ ist.

Der Umzug in die Westkurve war damals die Alternative, die wir gewählt haben. Im Laufe der Jahre hat sich dort eine heterogene, generationsübergreifende, sehr leidensfähige Gruppe gebildet, die schon alleine Grund genug ist für einen Brückenbesuch, auch dann, wenn auf dem Rasen teilweise zweifelhafte sportliche Darbietungen aufgeführt werden.

Das ist unsere Kurve und lila-weiße Heimat! Hier stehen die besten Fans, die der VFL sich wünschen kann. Treue Besucher, die seit Jahren klaglos die Runde ums Stadion drehen, weil gerade mal wieder die Oststraße ohne Vorwarnung gesperrt ist, die nach jedem etwas besser besuchten „Risikospiel“ zwecks Vermeidung von „Feindkontakt“ eine Odyssee durch den Schinkel in Kauf nehmen, die die außen verkohlte und innen gefrorene Bratwurst verkraften und die weder Pyrostrafen noch Polizeieinsätze provozieren! Und mit dem letzten Argument sind die Gründe, warum wir nicht auf die Ost-Tribüne ausweichen wollen, auch schon angesprochen. Die regelmäßig gemachten Erfahrungen bei Auswärtsspielen des VFL haben gezeigt, dass wir in vielerlei Hinsicht nicht sonderlich kompatibel mit den Ostkurvenfans sind.

Also bleibt nur der Weg auf eine der Sitzplatz-Tribünen. Das sprengt aber nicht nur unsere Gemeinschaft und damit das Stadiongefühl, sondern es nimmt uns auch die Möglichkeit, sporadisch Freunde, Bekannte oder Verwandte mit ins Stadion zu nehmen, die keine Stammgucker sind (Die erste Reaktion einer Tochter: „Dann kann ich ja nie mehr mitgehen!“). Oder was sollen unsere Freunde aus Meppen, Münster, Jena und sonst wo machen, mit denen wir die Spiele unserer Klubs immer gemeinsam feiern (Der Kommentar eines Jena-Fans beim letzten Auftritt an der Brücke: „Scheiß-Spiel, aber geiles Stadion!“)?

Aus all diesen Gründen sind wir sehr enttäuscht, dass wir in den letzten Wochen wohl nur als Kostenfaktoren diskutiert wurden, nicht aber als Bestandteil der so oft beschworenen VFL-Familie. Selbst der FC Bayern weiß, dass man solche Multiplikatoren wertschätzen sollte. Und der Erfolg gibt ihnen recht. Und ob der Verlust an Reputation, der mit dem „Beschneiden“ der bundesweit anerkannten tollen Stadionatmosphäre an der Bremer Brücke zu befürchten ist, mit entgangenen Catering-Einnahmen in Relation gesetzt werden darf, ist unter Marketingaspekten kritisch zu betrachten.

Es bleibt uns letztlich nur, an die Vernunft aller Verantwortlichen zu appellieren und den „Beschluss“ zur Schließung der Westkurve zurückzunehmen, um nicht noch mehr treue VFL-Anhänger zu enttäuschen - oder zu verlieren.

Mit lila-weißen Grüßen,

Guido Bartels (Rieste)

VFL Stammgast Nord von 2000 bis 2008

VFL Stammgast West von 2008 bis 2018

Dauerkarteninhaber seit 2008

2000 konvertiert vom BVB zum VFL!!!

Maria Bartels (Rieste)

VFL Stammgast Nord von 2000 bis 2008

VFL Stammgast West von 2008 bis 2018

Dauerkarteninhaber seit 2008

Ludwig Broxtermann (Georgsmarienhütte)

VFL Besucher seit 2004

Dauerkarteninhaber seit 2007

Mathias Broxtermann (Georgsmarienhütte)

VFL Besucher seit 2004

Dauerkarteninhaber seit 2007

Ullrich Eichner (Osnabrück)

Sporadischer Besucher der Bremer Brücke ab 1978

VFL Stammgast auf der Nord von 1987 bis 2008

Trotz Vertreibung weiter Stammgast West von 2008 bis 2018

Mal Dauerkarte, mal nicht. Fast immer dabei.

Konvertiert vom SVM zum VFL!!!

Hans-Rudolf Goebel (Osnabrück)

Stammgast an der Bremer Brücke seit 1990

Crowdfunder

Reinhard Honerlage (Lübeck)

erste VFL Erfahrung 1968

Dauerkarteninhaber seit 2008

Reinhold Meyring, Osnabrück

Sporadischer Besucher der Bremer Brücke ab 1983

VFL Stammgast auf der Nord von 1987 bis 2008

Trotz Vertreibung weiter Stammgast West von 2008 bis 2018

Überwiegend Dauerkarte.

Konvertiert vom SVM zum VFL!!!

Guido Pabst, Osnabrück

VFL Stammgast Nord von 1981 bis 2008

Trotz Vertreibung weiter Stammgast West von 2008 bis 2018

Dauerkarteninhaber seit Ende der 90er

Crowdfunder

1981 konvertiert vom SCP zum VFL!!!

Nicolas Pabst, Braunschweig

regelmäßiger Stammgast auf Nord seit 2000

VFL Stammgast auf Ost von 2008 - 2011

VFL Stammgast auf West von 2011 - 2018

Dauerkarte von 2008 - 2012, 2014/15

Egon Pötter, Georgsmarienhütte

VFL Stammgast seit 1968

Dauerkarte seit 2005

Christian Schlarmann, Steinfeld

Stammgast seit 2006 (ging leider nicht eher)

Auf der Westkurve mit Dauerkarte seit 2010

Mitglied seit 2012