Plädoyer für das „Wir-Gefühl“ Neumann schätzt den Zusammenhalt beim VfL

Von Alfons Batke


Osnabrück. Er hat einen Lauf. Seit Wochen gehört Sebastian Neumann zu den formkonstantesten Fußballern im Aufgebot des VfL. Er fühlt sich endlich angekommen in Osnabrück und ist bereit, Verantwortung zu übernehmen. Beim 0:0 in Saarbrücken war der Innenverteidiger der stärkste und torgefährlichste VfL-Akteur zugleich. Über den Status der Lila-Weißen in der Spitzengruppe freut sich der 22-Jährige, sagt aber auch: „Wir müssen uns als Mannschaft weiter finden und denken nur von Spiel zu Spiel.“

Seit exakt einem Jahr spielt Neumann für den VfL. Die Umstellung von der Millionenmetropole Berlin auf das relativ beschauliche Osnabrück ist ihm nicht leichtgefallen, wie er unumwunden zugibt. „Da musste ich doch schon häufiger Mutti und Papi anrufen“, erzählt er schmunzelnd. Und immer wenn es Zeit- und Trainingspläne zuließen, ist er schnell zu einer Stippvisite über die A 2 nach Hause gerauscht. Doch das hat sich geändert, Neumann ist in der Hasestadt sesshaft geworden. Die Familie muss sich jetzt länger gedulden, ehe sie mit „Basti“ zusammen nach Berliner Luft schnappt.

Der Abwehrmann hat von Trainer Maik Walpurgis früh signalisiert bekommen, dass er sein Mann für das Abwehrzentrum ist. Dort fühlt sich Neumann wohl. „Ich kann meine Stärken mit Kopfballspiel und Zweikampfverhalten ausspielen und mag es, wenn ich das Spiel vor mir habe“, heißt es in der Beschreibung seines Lieblingsarbeitsplatzes. Den hatte er beim VfL nicht immer. In der vergangenen Saison sah man ihn häufiger im defensiven Mittelfeld – und auch wenn jeder Fußballer möglichst oft spielen will, seine bevorzugte Position war es nicht.

Hinter Neumann liegt bisher eine klar strukturierte Laufbahn, über die Berliner Clubs Eintracht Südring und FC Internationale gelangte er als D-Jugendlicher zu Hertha. Die anerkannte Nachwuchsarbeit spülte den Verteidiger in die DFB-Auswahlmannschaften; als er nach der letzten Saison seine „U-Karriere“ altersmäßig beenden musste, kam er auf 27 Einsätze im Trikot mit dem Adler. „Ich bin immer gern für den DFB aufgelaufen. Es ist ein tolles Gefühl, die Nationalhymne zu hören.“

Vor dem Hintergrund von Ausbildung und gesammelter Erfahrungen hat der 1,88 Meter große Defensivmann sein Ziel nicht aus den Augen verloren. „Wenn man schon zwei Bundesligaspiele bestritten und die Atmosphäre verspürt hat, möchte man dort auch spielen“, sagt Neumann und weiß, dass das mit dem VfL so schnell nicht möglich sein wird: „Aber ich habe einen Vertrag bis Saisonende in Osnabrück, und den werde ich natürlich erfüllen. Alles andere wird man sehen.“

Im Gegensatz zu anderen Spielern aus der letzten Saison, die mit aller Macht den VfL verlassen wollten und verließen, kam ein Wechsel für Neumann nicht infrage. „Ich halte Verträge ein“, stellt er klar und berichtet vom Reiz, mit einer neu zusammengestellten Mannschaft wieder anzugreifen. Dass er dabei zu den Stützen dieses bislang gelungenen Unterfangens gehört, erhöht die Freude an der Arbeit. Trotz des guten Laufes findet Neumann auch ein Haar in der Suppe: „Ich hätte bei meinen Chancen nach den Standardsituationen auch das ein oder andere Mal treffen können. Da ist noch Luft nach oben.“

Neumann fühlt sich insgesamt wohl in einem Team, in dem er trotz seiner starken Form eher das Wir-Gefühl im Vordergrund sieht. Und er stellt fest: „Der Zusammenhalt ist sehr stark, stärker als in der letzten Saison.“