Renneke vor Vertragsunterschrift Wie die Kaderplanung beim VfL funktioniert – Suche nach „Achsenspielern“

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Fußball-Drittligist VfL Osnabrück bastelt am Kader für die neue Saison 2018/19. Foto: Helmut KemmeFußball-Drittligist VfL Osnabrück bastelt am Kader für die neue Saison 2018/19. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Die Suche nach leistungs- und führungsstarken „Achsenspielern“, die das Gerüst der neuen Mannschaft bilden sollen, bestimmt die Kaderplanung des VfL Osnabrück für die Saison 2018/19. Dazu will Sportdirektor Benjamin Schmedes in enger Abstimmung mit Trainer Daniel Thioune jungen, entwicklungsfähigen Talenten in Osnabrück eine Plattform zum nächsten Karriereschritt bieten.

Das sind die Informationen und Erkenntnisse aus einem Gespräch mit dem seit Anfang Dezember 2017 verantwortlichen Sportdirektor. Seit dem Trainingslager in Südspanien im Januar läuft die Kaderplanung. Dort sprach Schmedes mit fast allen Spielern – um sie kennenzulernen, aber auch um über das Saisonende hinauszuschauen. Inzwischen sind die ersten Entscheidungen gefallen, andere zeichnen sich ab. Acht Spieler müssen gehen: Marcel Appiah, Kim Falkenberg, Ahmet Arslan, Marcel Ruschmeier und Robert Kristo – Entscheidungen, die sich nach den Leistungen und Einsatzzeiten aufdrängten. Christian Groß, den Werder schon in der Winterpause holen wollte, hätte man ebenso gern gehalten wie Halil Savran, doch gegen ihn sprachen Alter und die Verletzungsausfälle. Beide hatten Führungsqualität und Willenskraft, müssen in diesen Rollen ersetzt werden. „Am schwersten fiel uns die Entscheidung gegen Jules Reimerink, denn er hat eine starke Quote bei Toren und Assists und hat sich immer korrekt verhalten“, sagt Schmedes, „aber wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir uns dafür auch Spielräume schaffen.“ Im Klartext: Reimerink liegt im oberen Drittel der Gehaltstabelle wie die meisten der Spieler, deren Verträge noch laufen.

Wer kommt, wer bleibt? Grafik: Neue OZ/Hente, Fotos: David Ebener, Michael Gründel (2), Helmut Kemme (25), Titgemeyer (2), imago/Christian Schroedter

Wie viel Geld steht überhaupt zur Verfügung? Nach derzeitigem Stand plant der VfL mit einem Personalkostenetat für das Profiteam von rund drei Millionen Euro. Der genaue Betrag wird erst nach Abschluss des Lizenzverfahrens feststehen. „Zusätzliche finanzielle Mittel stehen nur zur Verfügung, wenn sie durch zusätzliche Einnahmen abgesichert sind“, beschreibt Schmedes den Kurs. Derzeit läuft die erste Transferwelle, die zweite setzt um den Trainingsstart herum ein, und vor dem Ende der Transferperiode am 31. August kommt noch mal Bewegung in das Wechselspiel. „Wir möchten in jeder Welle möglichst noch handlungsfähig sein“, sagt Schmedes, „und wenn möglich, auch im Winter.“ Mit anderen Worten: Der VfL wird zum Saisonstart am letzten Juli-Wochenende nicht alle der 23 bis 26 Planstellen besetzt haben.

Sollen wirklich alle bleiben, die noch unter Vertrag sind? Davon ist auszugehen, auch wenn sich Schmedes in diesem Punkt bedeckt hält. Eine Ausnahme dürfte Furkan Zorba sein. Angesichts von nur sechs Einsätzen in Liga und DFB-Pokal hat der als Innenverteidiger und Linksverteidiger vorgesehene Ex-Frankfurter keine reelle Perspektive in Osnabrück – aber noch einen Vertrag bis zum 30. Juni 2019. Von den gebundenen Spielern sind fünf um die 30 Jahre, bis auf Sebastian Klaas, Steffen Tigges und Zorba dürften sie zu den Besserverdienern im Kader gehören – was bedeutet, dass hier schon ein guter Teil des Budgets gebunden ist.

Welche Talente aus dem eigenen Nachwuchs sollen wie eingebunden werden? In Kürze wird wahrscheinlich Felix Agu von den A-Junioren in den Profikader aufrücken; das könnte auch für Jannik Tepe und Tim Möller gelten. Verträge sind allerdings noch nicht unterschrieben. Sosehr sich Schmedes über die Leistungen der Debütanten und die positive Aufnahme durch das Publikum gefreut hat, so realistisch ist der Sportdirektor in der Frage der Talentförderung: „Es macht für den Verein und für die Spieler nur Sinn, wenn sie es wirklich schaffen können und wenn sie voll belastbar bei den Profis dabei sind. Wir dürfen nicht blauäugig sein, sondern müssen die Jungs seriös einschätzen.“

Welcher Leihspieler soll, welcher kann gehalten werden? Nur bei Emmanuel Iyoha ist beides möglich – jedoch ist auch beim Offensivflitzer das Fragezeichen groß. Auf den Leihspieler von Fortuna Düsseldorf sind Zweitligisten aufmerksam geworden. Ob er im Kader des Bundesliga-Aufsteigers schon jetzt eine Chance hat, ist fraglich. Und das Interesse der Fortuna, die Iyoha bis 2020 unter Vertrag hat, ist natürlich, das Talent möglichst an einen Club oberhalb der 3. Liga auszuleihen. Aber: Iyoha fühlt sich in Osnabrück wohl und gut gefördert – vielleicht geht da was. Bis zur Entscheidung wird es aber dauern.

Wer soll aus dem aktuellen Kader gehalten werden? An einer Fortsetzung mit dem vielseitigen Außenbahnspieler Bashkim Renneke ist der VfL laut Schmedes sehr interessiert, eine Einigung könnte kurzfristig erfolgen. Auch mit Eigengewächs Kamer Krasniqi laufen Gespräche, viel spricht auch hier für eine Vertragsverlängerung. Etwas komplizierter ist die Klärung der Torhüterfrage. Marius Gersbeck müsste auch unabhängig von seinem Kreuzbandriss ersetzt werden, die Verträge von Tim Paterok und Leon Tigges laufen aus. Torwart-Trainer Rolf Meyer sichtet seit Monaten den ihm vertrauten Markt junger, entwicklungsfähiger Schlussmänner. Schmedes ist mit Paterok und Tigges im Gespräch: „Tim wird nicht als erklärte Nummer eins in die nächste Saison gehen. Entweder er geht mit einem neuen Torwart in ein offenes Rennen um die Eins, oder wir holen jemanden, der als erster Mann gesetzt ist.“ Wenn sich Paterok darauf einlässt, wäre das für Tigges eigentlich das Signal zum Wechsel, denn dann müsste er sich die Spielpraxis, die er beim VfL wegen des Verzichts auf die U21 nicht mehr hinreichend bekommt, bei einem anderen Verein in der Regionalliga holen.

Wo liegt der Schwerpunkt bei der Suche nach neuen Spielern? „Wir haben unter Daniel Thioune mit dem gleichen Personal doppelt so viele Tore geschossen wie vorher, aber wir haben es nicht geschafft, die Zahl der Gegentore einzudämmen“, fasst Schmedes die Saison 2017/18 zusammen. Deshalb sieht er die erste Aufgabe darin, die Defensive zu stabilisieren: „Das ist keine Abkehr von unserem Ziel, aggressiven und schnellen Offensivfußball zu spielen. Im Gegenteil: Wir wollen unseren angriffsfreudigen Stil so absichern, dass es möglichst kein 4:4 wie in Erfurt mehr gibt.“

Im Zentrum sucht Schmedes nach „Achsenspielern“, die mit stabiler Leistung und hoher Bereitschaft überzeugen, um dann Verantwortung übernehmen zu können; der Magdeburger Felix Schiller – erster Neuzugang – könnte diese Kriterien erfüllen und sich die Rolle eines Abwehrchefs erarbeiten. Dahinter ein Rückhalt im Tor, davor ein Mann der Marke Groß – und dann noch ein Stürmer mit Torgarantie? „Top-Torjäger wie Grimaldi oder Schäffler, von denen man das sagen kann, sind klar außerhalb unserer finanziellen Reichweite“, sagt Schmedes, der im Rahmen des Personalbudgets in diese „Achsenspieler“ investieren will: „Dazu brauchen wir junge, dynamische, entwicklungsfähige Spieler, die in Osnabrück den nächsten Schritt machen wollen. Wir wollen Jungs mit klaren Ambitionen. Wenn die dann schneller wachsen als der Club, werden auch beide Seiten profitieren.“

Wo sucht der VfL nach diesen Spielern? Nicht in der 2. Bundesliga – das ist für den VfL unter den derzeitigen Bedingungen nicht zu finanzieren. „Natürlich in der 3. Liga und in den Regionalligen, die wir gut kennen. Dazu die U-23-Mannschaften der Clubs aus der Bundesliga und der 2. Bundesliga, speziell die Spieler, die dort altersmäßig herauswachsen“, so Schmedes. Der Sportdirektor lehnt das Ausleihen von Spielern nicht prinzipiell ab, betont aber: „Sechs Leihspieler wie in dieser Saison, das ist zu viel, das sollte es nicht wieder geben.“


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