Sehnsucht nach alten Zeiten 1860 München und Waldhof Mannheim vor dem Sprung in die 3. Liga?

Von Stefan Alberti

Meisterfeier in Pipinsried: Jetzt wollen die Münchner „Löwen“ auch in die 3. Liga aufsteigen. Foto: imago/foto2pressMeisterfeier in Pipinsried: Jetzt wollen die Münchner „Löwen“ auch in die 3. Liga aufsteigen. Foto: imago/foto2press

Osnabrück. Noch zwei Traditionsvereine, die seit dem Wochenende ihre Tickets für die Aufstiegsspiele zur 3. Liga gelöst haben: der SV Waldhof Mannheim als Tabellenzweiter der Regionalliga Südwest, der TSV 1860 München als Meister der Bayern-Staffel.

Der Blick nach Mannheim: Das Team von Ex-Profi Bernhard Trares ist seit Samstag nicht mehr von Platz zwei der Regionalliga Südwest zu verdrängen. Mit einem 1:1 gegen den TSV Steinbach und nunmehr 71 Punkten aus 35 Spielen festigten die Waldhöfer den Platz, der auch zur Teilnahme an der Aufstiegsrelegation berechtigt. Vor dem letzten Liga-Spiel rangiert die U23 des SC Freiburg mit 66 Punkten auf dem dritten Platz.

Damit nimmt der SVW im dritten Jahr nacheinander an der Aufstiegsrunde zur 3. Liga teil. Vor zwölf Monaten scheiterte das Team nach zwei 0:0-Spielen im Elfmeterschießen am SV Meppen. Vor zwei Jahren musste das Team den Sportfreunden Lotte den Vortritt lassen (0:0, 0:2). Und jetzt Anlauf Nummer drei: Gegner ist der Meister der Weststaffel – entweder der KFC Uerdingen (aktuell 73 Punkte) oder Viktoria Köln (71). Hier fällt erst am letzten Spieltag die Entscheidung.

Rund um die Seppl-Herberger-Sportanlage, wo sich unter anderem das Trainingsgelände und die Geschäftsstelle befinden, träumen sie schon seit Jahren von besseren sportlichen Zeiten. Gerne erzählen sie sich die Geschichten aus der guten alten Bundesliga-Zeit (1983 bis 1990). „Ohnehin schwebt über Waldhof auch 28 Jahre nach dem Bundesliga-Abstieg immer noch ein Hauch Profifußball; als ob der Pepitahut von Klaus Schlappner gerade erst an der Garderobe aufgehängt worden wäre, als ob Jürgen Kohler und Christian Wörns sich ihre Sturmfrisuren eben noch in den Kabinen geföhnt hätten“, stellte das Fachmagazin „Kicker“ bei einem Besuch fest.

Der Blick nach München: Sie sind Meister – doch für den Titel in der Regionalliga Bayern können sich die Münchner „Löwen“ überhaupt nichts kaufen, wenn sie in den Aufstiegsspielen am 1. FC Saarbrücken (Meister Südwest) scheitern.

Viele Vereine aus der Regionalliga im Süden der Republik hätten wahrscheinlich gar nichts dagegen, wenn die Sechziger weiter viertklassig blieben. Ein Gastspiel von 1860 bedeutet nämlich nicht nur Großkampftag, sondern meistens auch Großzahltag. Als die Mannschaft von Daniel Bierofka am Samstag mit einem 3:0 beim FC Pipinsried den ersten Platz sicherte, waren rund 5000 Münchner Fans in der Provinz dabei. In Pipinsried – einem Dorf mit nicht mal 600 Einwohnern – wurde die Partie zum „Spiel des Lebens“ ausgerufen.

Hinter den 1860-Kulissen werden derweil weiter fleißig Strippen gezogen – in viele Richtungen. Schließlich gibt es ja immer noch Hasan Ismaik – den Milliardär, der im vergangenen Jahr nicht mehr bereit war, frisches Geld in den Verein zu pumpen, um nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga zumindest die 3. Liga sicherzustellen. Es folgte der Absturz in die Viertklassigkeit.

Der Jordanier zog sich in der Folge zwar aus führenden Ämtern im Aufsichtsrat und Beirat zurück, bleibt im Hintergrund dennoch der starke Mann bei den „Löwen“. Immerhin hält Ismaik seit 2011 als Gesellschafter 49 Prozent der Aktien der ausgegliederten GmbH & Co. KGaA. Was nach einem möglichen Aufstieg wirtschaftlich passiert? Ungewiss. Die Gespräche laufen hinter zahlreichen geschlossenen Türen.

Coach Bierofka wurde jüngst auch schon gesichtet, als er von einer „Ismaik-Audienz“ kam. Der Trainer mit „Löwen-DNA“, der bei den Anhängern durchaus Kultstatus genießt, bastelt im Hinterkopf natürlich schon an einer schlagkräftigen Truppe für die 3. Liga. Ob allerdings Torjäger und Routinier Sascha Mölders (19 Tore) bleibt, steht noch in den „Löwen-Sternen“. Der 33-Jährige wird trotz seines Alters auch von einigen anderen Vereinen umworben.