Eine bemerkenswerte Schlussphase VfL-Heimfinale mit Schmerz, Euphorie und Protest

Von Stefan Alberti

Pechvogel des Tages: VfL-Linksverteidiger Marc Wachs musste verletzt ausgewechselt werden. Foto: Helmut KemmePechvogel des Tages: VfL-Linksverteidiger Marc Wachs musste verletzt ausgewechselt werden. Foto: Helmut Kemme 

Osnabrück. VfL-Trainer Daniel Thioune sprach von einem Gänsehaut-Moment. Wer die Stimmung in der Schlussphase des sportlich bedeutungslosen Fußball-Drittliga-Spiels zwischen dem VfL Osnabrück und Werder Bremens U23 (1:1) als Gradmesser heranzog, musste annehmen, dass es an der Bremer Brücke noch um viel mehr ging.

In der Tat, es ist schon bemerkenswert, was sich an diesem 5. Mai 2018 ab der 78. Minute abspielte: Etwa 300 Zuschauer folgten dem Aufruf der Violet Crew und verließen das Stadion in Richtung Geschäftsstelle, um dort ihrer Kritik an VfL-Geschäftsführer Jürgen Wehlend Nachdruck zu verleihen und symbolisch ihre Tages- oder Dauerkarten abzugeben. Zeitgleich erhoben sich im Stadion in allen Bereichen die Besucher, um das Lied „Wir sind die Osnabrücker“ anzustimmen. Und das bis zum Schlusspfiff. Getragen von dieser plötzlichen Euphoriewelle, hätte der VfL fast noch das 2:1-Siegtor erzielt.

Zwei Drittliga-Debütanten

Vor dieser Schlussphase hatte das Publikum zumindest einen gegenüber der Vorwoche (1:2 gegen Jena) verbesserten und engagierteren VfL gesehen. „Das war die Reaktion, die ich sehen wollte“, meinte anschließend Thioune. Und der Trainer hatte dafür eine Startelf ins Rennen geschickt, die so noch nie zusammengespielt hat – und auch nie wieder so zusammengesetzt sein wird: Mit Torhüter Leon Tigges (19 Jahre alt), Felix Agu (18), Sebastian Klaas (19) und Kamer Krasniqi (22) starteten vier Eigengewächse aus dem Nachwuchsleistungszentrum, später kamen noch die Drittliga-Debütanten Marcel Ruschmeier (19) und Jannik Tepe (19) hinzu. Doch damit nicht genug der Youngster in der Startformation: Auch Emmanuel Iyoha (20) und Marc Wachs (22) fallen noch in diese Kategorie.

Apropos Wachs: Er war der Pechvogel des letzten VfL-Heimspiels der Saison 2017/18. Mitte der ersten Halbzeit zog sich der von Dynamo Dresden ausgeliehene Linksverteidiger eine schmerzhafte Verletzung am Sprunggelenk zu. Eine MRT-Untersuchung an diesem Montag soll Klarheit über das Ausmaß der Verletzung bringen.

Szenenapplaus für Agu

Bleiben wir bei den VfL-Youngstern: Denn die zogen sich überwiegend positiv aus der Affäre. Iyoha besorgte nach einem Fehler des Bremers Jesper Verlaat mit einem satten Schuss ins lange Eck das 1:0 (9.). Agu erarbeitete sich mit seinem Kämpferherz immer wieder Szenenapplaus – und Tepe hatte kurz vor Schluss den Siegtreffer auf dem Puschen, scheiterte aber an Werder-Keeper Eric Oelschlägel. Einzig Leon Tigges machte beim 1:1 durch Niklas Schmidt (66.) nicht die beste Figur, als der Ball in der kurzen Torwartecke einschlug.

Unterm Strich steht ein gerechtes Remis – mit Pluspunkten für den VfL in der ersten Halbzeit und Bremer Feldvorteilen nach der Pause. Unterm Strich steht damit auch die Fortsetzung der Osnabrücker Negativserie von mittlerweile elf sieglosen Liga-Spielen am Stück. Letzte Gelegenheit, diesen Rekord nicht noch weiter auszubauen, hat der VfL am kommenden Samstag, wenn es zum Finale der Seuchensaison zur Spielvereinigung Unterhaching geht.