Nächste Saison etwas mehr Geld Der wirtschaftliche Druck in der 3. Liga

Von Frank Hellmann

Etwas mehr Geld gibt es künftig für die Drittligisten unter anderem aus der TV-Vermarktung. Foto: imago/foto2pressEtwas mehr Geld gibt es künftig für die Drittligisten unter anderem aus der TV-Vermarktung. Foto: imago/foto2press

Frankfurt/Main. Die 3. Liga bekommt etwas mehr Geld und braucht mehr Identifikation, dann kann irgendwann vielleicht rentabler der Ball rollen. Aufgewertet wird die höchste Spielklasse des DFB zudem durch den Einstieg der Telekom als festen Pay-TV-Partner.

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Die Rechnung dürfte der wirtschaftsaffine Präsident Rüdiger Fritsch im stillen Kämmerlein schon aufgemacht haben. Sollte der SV Darmstadt 98 zusammen mit dem 1. FC Kaiserslautern aus der 2. Bundesliga fallen, dann würden aus aktuell mehr als 15 Millionen Euro Fernsehgeld aus der zentralen Vermarktung der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in der nächsten Saison nur noch 1,28 Millionen Euro aus der dann vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) vorgenommen TV- und Zentralvermarktung. Diese Zahlen gab der DFB bekannt. Für einen Zweitliga-Absteiger ist das – ungeachtet der 500000 Euro Überbrückungsgeld – verdammt wenig.

Zentralerlöse steigen auf 937000 Euro pro Verein

Drei Millionen Euro Minus – so wirtschaftet Aufstiegsanwärter Karlsruhe

Für jeden Drittligisten würden die finanziellen Zuwendungen des DFB jedoch 37 Prozent mehr (statt 937000 Euro, davon knapp 800000 Euro TV-Einnahmen) als in der laufenden Saison betragen. Und für Aufstiegsanwärter wie den 1. FC Saarbrücken oder Waldhof Mannheim, die beide endlich der Regionalliga Südwest entfliehen möchten, wäre die Summe schon ein Segen, weil sie im Grunde bislang aus der medialen Verwertung keinen nennenswerten Betrag in der Bilanz stehen haben. Unterschiede, die bei einem Hintergrundgespräch zur angespannten wirtschaftlichen Lage der 3. Liga zur Sprache kamen.

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Erneute Insolvenzen schrecken den DFB auf

Schon im Vorjahr hatten mit dem FSV Frankfurt und VfR Aaalen zwei Vereine Insolvenz angemeldet. Dieses Szenario hat sich mit dem Chemnitzer FC und Drittliga-Dino Rot-Weiß Erfurt wiederholt, beide steigen nach Abzug von neun Punkten ab. „Wenige Wochen vorher war das in unserem Hause nicht erkennbar: Das hat uns überrascht“, räumt der für die 3. Liga zuständige DFB-Vizepräsident Peter Frymuth ein.

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Der Verband könne aus rechtlichen Gründen jedoch nur die Liquidität für die laufende Saison prüfen. Stellt eine neue Vereinsführung beim drohenden Abstieg und den aufgelaufenen Verbindlichkeiten fest, dass ein Schuldenschnitt bei den Gläubigern möglicherweise bessere Perspektiven eröffnet, hat der DFB nur bedingt Handhabe. Ein zur Einführung stehendes Financial Fairplay könnte sich als stumpfes Schwert erweisen, weil beispielsweise auch damit das Mäzenatentum nur bedingt eingeschränkt werden kann.

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Kernproblem: Fast keiner sieht die 3. Liga als sein Zuhause

Für Michael Schwetje von Fortuna Köln besteht ein Grundproblem in der fehlenden Identifikation mit dieser verkappten Profiliga, die aus seiner Sicht sehr wohl „ein Segen“ sein kann. „Zu wenige Vereine betrachten diese Liga nicht als ihr natürliches Zuhause, sondern nur als Durchgangsstation. Wenn 14 Klubs eine Spielklasse sofort verlassen wollen, führt das zum ungesunden Wirtschaften.“ Der Fortuna-Geschäftsführer wundere sich mitunter in den Vertragsverhandlungen, „welche Gehälter aufgerufen und anderswo gezahlt werden“.

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Auch der Verband, der regelmäßig mit den Klubs im Herbst Finanzgespräche führt, wünscht sich mehr Vernunft, um das Gesamtkonstrukt trag- und zukunftsfähiger zu machen. In der Vorsaison wiesen zehn Drittligisten ein negatives Eigenkapital auf, weniger als die Hälfte vermeldete ein positives Ergebnis, was bei einem durchschnittlichen Umsatz von acht Millionen Euro (davon rund 3,5 Millionen Gehälter) gleichwohl möglich sein sollte.

„Das zeigen uns anderen Profiligen wie Basketball, Handball oder Eishockey“, sagt der für das Zulassungsverfahren zuständige DFB-Abteilungsleiter Manuel Hartmann. Einfacher Tipp von Sprecher Schwetje: „Die Klubs dürfen nur so viel ausgeben wie sie einnehmen.“

Fest steht: Zwischen den höchsten deutschen Spielklassen herrscht eine immense (finanzielle) Kluft, bei der sich auch der Umsatz bei einem Aufstieg mit dem Faktor vier oder fünf vervielfacht. Was wiederum das Wettrüsten unterhalb der beiden Bundesligen erklärt.

Aufwertung durch den Einstieg der Telekom als TV-Partner

Die 3. Liga wird nächste Saison insofern aufgewertet, dass die Telekom als neuer Pay-TV-Partner (bislang Sublizenznehmer von Sport A) einsteigt – und wohl nebenbei eine Auffächerung der bisher nur drei unterschiedlichen Anstoßzeiten durchsetzen wird.