Längste Negativserie in der 3. Liga 1:2 gegen Jena: VfL vergrault weiter seine Zuschauer

Von Johannes Kapitza und Harald Pistorius

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Osnabrück. Der VfL Osnabrück hat seine Serie von enttäuschenden Auftritten in der 3. Fußball-Liga fortgesetzt: Durch das 1:2 gegen den FC Carl Zeiss Jena sind die Lila-Weißen seit zehn Ligaspielen ohne Sieg und steuern zudem der schlechtesten Heimbilanz seit der Saison 2010/11 entgegen.

„Es ist einfach frustrierend“, sagte Tim Danneberg und war um Fassung bemüht. Eigentlich versuche er, auch nach schlechten Spielen etwas Positives zu sehen, „aber inzwischen steht es mir bis hier“, sagte der 32-jährige Mittelfeldspieler und deutete Richtung Hals. Das 1:2 gegen Jena, die 16. Niederlage im 36. Saisonspiel, nagte weiter am letzten Rest Hoffnung, dass der VfL mit dem Klassenerhalt in der Tasche noch einmal die Kurve nach oben kriegt. „Wenn wir nicht bereit sind, auf dem Platz eklig zu sein, dann kommt so eine Saison zustande“, klagte Danneberg.

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Mit dem Auftritt vom Samstag vergraulte der VfL weiter seine Anhänger. Die Statistik ist verheerend: Nur vier Unentschieden gelangen seit Ende Februar. Seit zehn Spielen ist das Team inzwischen ohne Sieg – länger als in den Saisons 2014/15 (sieben Spiele, nur ein Punkt unter Maik Walpurgis) und 2011/12 (acht Spiele, sechs Unentschieden unter Uwe Fuchs).

In der Drittklassigkeit war die Heimbilanz des VfL noch nie so schlecht wie aktuell (sechs Siege, sechs Unentschieden, sechs Niederlagen). Mehr Pleiten (sieben) musste das Osnabrücker Publikum nur in der Zweitligasaison 2010/11 ansehen.

Reaktionen zum Nachlesen: Danneberg: Es ist einfach frustrierend

Die VfL-Fans unter den offiziell rund 6500 Zuschauern waren grundsätzlich bereit, ihre Mannschaft zu unterstützen, mussten sich aber viel zu häufig darüber ärgern, dass einige Spieler nicht mit vollem Einsatz zur Sache gingen. Bei Dannebergs Kopfball, den Jena-Keeper Jo Coppens parierte (20.), ging ein Ruck durchs Stadion – aber nicht durch die Mannschaft. In der ersten Halbzeit kratzten beide Mannschaften am unteren Rand des Drittliganiveaus.

Drei schnelle Pässe, bei denen der VfL hinterherlief, reichten Jena, um nach der Pause in Führung zu gehen. Timo Mauer traf aus spitzem Winkel (53.). Torwart Leon Tigges hatte auf eine Hereingabe spekuliert und die kurze Ecke sträflich offen gelassen. „Er steht nicht gut, aber es wäre zu leicht, den Treffer nur an ihm festzumachen“, verteidigte Trainer Daniel Thioune den 19-jährigen Keeper und verwies auf die Fehler in der Entstehungsphase des Gegentores.

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Machtlos war Tigges beim Konter zum 0:2 durch Maximilian Wolfram (68.). Als Jenas Dominik Bock auch noch den Pfosten traf (77.), lag ein Debakel in der Luft. Konstantin Engels Treffer zum 1:2 (79.) war nicht die benötigte Initialzündung. Später hatte Marcos Álvarez zwar den Ausgleich vor Augen, kam aber am zweiten Pfosten einen Schritt zu spät (88.). „Es wäre ein sehr glücklicher Punkt gewesen“, gab Thioune zu. Ohne den glücklichen Zähler war der Trainer nur noch bedient: „Wir nehmen uns Woche für Woche viel vor und stehen am Ende mit leeren Händen da.“ Defensiv habe der Druck gegen den Ball gefehlt, offensiv die Qualität und zündende Ideen. (Weiterlesen: Jena-Chaoten und VfL-Hooligans: Rechtsradikale reißen Frau Kopftuch vom Kopf)

Dass einer höchstens durchschnittlichen Drittligamannschaft aus Jena eine mittelmäßige Leistung zum Sieg reichte, war vor allem Einstellungssache. „Die Vorwürfe, dass sich nicht jeder mit letzter Konsequenz und Leidenschaft eingesetzt hat, müssen wir uns gefallen lassen“, sagte Thioune, der zwischen den Zeilen andeutete, dass auch er das Saisonende herbeisehnt: „Wir – Sportdirektor Benjamin Schmedes und ich – haben die Chance, etwas zu verändern. Wir wollen eine Mannschaft zusammenstellen, die sich solche Vorwürfe niemals gefallen lassen muss.“

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Zuvor muss noch zweimal der aktuelle Kader zeigen, ob er das Zeug für die 3. Liga hat. Ob der Charakter vorhanden ist, sich vom eigenen Publikum wenigstens ein bisschen versöhnlich zu verabschieden, wird sich am kommenden Samstag zeigen, wenn Werder Bremens U23 an der Bremer Brücke aufläuft. Dem VfL fehlen dann Engel, der in der Nachspielzeit gegen Jena Gelb-Rot sah, und Bashkim Renneke (fünfte Gelbe Karte).

Álvarez: Fans sind langsam froh, wenn die Saison vorbei ist

Diejenigen, die im Kader stehen, sollten noch einmal tief in sich gehen und die Worte von Álvarez nachklingen lassen. „Es muss langsam Schluss sein mit den leeren Versprechungen“, sagte der Stürmer, „wir haben oft genug die Chance gehabt, etwas bei den Fans gutzumachen, aber die Fans sind leider Gottes langsam froh, wenn die Saison vorbei ist. Wer gegen Bremen keinen Bock hat, sich anständig zu verabschieden, der hat seinen Beruf verfehlt.“


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