zuletzt aktualisiert vor

Osnabrück seit zehn Ligaspielen sieglos 1:2 gegen Jena: Lebloser VfL Osnabrück kassiert sechste Heimniederlage

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Mit der sechsten Heimniederlage der Saison setzte der VfL Osnabrück seine Negativserie fort. Das 1:2 gegen den FC Carl Zeiss Jena war das zehnte Ligaspiel ohne Sieg und die verdiente Quittung für eine leblose, schwache und enttäuschende Vorstellung. Das Beste an diesem Spiel: Es war das drittletzte der Saison – nur noch zwei weitere müssen ertragen werden. Das Publikum verließ die Bremer Brücke enttäuscht und verärgert. Zu Recht.

Außer den gelbgesperrten Kim Falkenberg nahm VfL-Trainer Daniel Thioune auch Marcel Appiah und Marcos Alvarez aus der Elf, die zuletzt in Aalen (1:2) begonnen hatte. Weniger Konstantin Engel, der nach der Gelbrot-Sperre aus dem Paderborn-Spiel wieder dabei war, sondern mehr zwei VfL-Talente zogen die Aufmerksamkeit auf sich: Erstmals seit dem 9. Februar (6:1 gegen den Chemnitzer FC) stand Sebastian Klaas wieder in der Anfangsformation. Und sein Profidebüt gab – als Rechtsverteidiger – der A-Junior Felix Agu. (Hier geht es zum Liveticker zum Nachlesen)

Der 19-Jährige kassierte in der ersten Halbzeit mehrfach den Sonderapplaus der Zuschauer. Das war eine sympathische Rückendeckung für den Debütanten, der sich den Beifall mit einer guten Vorstellung verdiente. Hauptgarant dafür, dass der VfL zur Pause nicht in Rückstand lag, war Leon Tigges.

Seine Paraden bei einem Kopfball von Dietz nach einer Linksflanke von Cros (34.) und bei einem 28-Meter-Schuss von Starke (42.) waren sehenswert. Der Bruder von Stürmer Steffen Tigges, der neben dem weiteren VfL-Eigengewächs Kamer Krasniqi auf der Bank saß, zeigte, dass er sich auch ohne Spielpraxis (die 2. Mannschaft wurde abgemeldet, das Perspektivteam bestritt nur wenige Partien) in Form gehalten hat.

Jena kombinierte in der ersten Halbzeit flüssiger und klarer, hatte die besseren Chancen, so dass das 0:0 zur Pause dem VfL schmeichelte. Die größte Chance hatte Danneberg: Seinen Kopfball parierte Coppens mit einer tollen Parade; eingeleitet hatten die gefährliches VfL-Aktion Agu und Renneke auf dem rechten Flügel.

Mit zwei Torwartaktionen von Tigges, der einen Schuss von Mauer parierte (46.), und Coppens, der einen flachen Drehschuss von Reimerink aus dem Eck fischte (47.), begann die zweite Halbzeit recht munter. Doch das war, vor allem bezogen auf den VfL, ein Trugschluss. Jena blieb entschlossener, druckvoller und ging in Führung: Völlig überraschend zog Mauer aus spitzem Winkel in Rechtsaußenposition ab; ein Schuss wie ein Strich, der auch Tigges im VfL-Tor überraschte, als er hoch im kurzen Eck einschlug (53.).

Mit einem seltenen Triple-Wechsel nach gut einer Stunde versuchte Thioune die Wende zu erzwingen und die sechste Heimniederlage doch noch zu verhindern. Alvarez, Steffen Tigges und Sen. Drei Minuten später spazierte Jena leichtfüßig zur Vorentscheidung: Ein Pass von Schau in den Lauf von Dietz öffnete die VfL-Abwehr, die dann in Person von Groß und Agu zuschaute, wie Wolfram das Zuspiel über die Linie drückte (67.).

Das Publikum, das bis dahin wahrlich noch mit Langmut auf die leblose Vorstellung reagiert und schon halbwegs gelungene Aktionen dankbar und aufmunternd beklatscht hatte, verlor nun die Geduld. Die Pfiffe wurden mehr und lauter, etliche Zuschauer verließen ihre Plätze, und die Ostkurve verstummte.

Die Zuschauer verlangten nicht mehr als ein wenig mehr Einsatz und Kampf, doch das war offensichtlich zu viel verlangt für diese Osnabrücker Mannschaft. Der Anschlusstreffer, den Engel mit einem Flachschuss aus 18 Metern in der 78. Minute erzielte, sorgte noch mal für ein bisschen Belebung der Partie. Zuvor hatte der eingewechselte Bock (75.) bei einem Pfostenschuss die Entscheidung für Jena verpasst.

Der VfL reagierte tatsächlich, versuchte noch einmal, Reserven zu mobilisieren. Alvarez war ganz nahe am 2:2, als er einer Flanke von Wachs knapp vorbeirutschte.

In der dritten Minute der Nachspielzeit holte sich Engel mit einem Foul die Gelb-Rote Karte ab; eine korrekte Entscheidung und für den Osnabrücker zwei Wochen nach dem 0:5 gegen Paderborn die zweite Ampelkarte hintereinander.

Am nächsten Samstag (5. Mai) empfängt der VfL zum letzten Heimspiel die als Absteiger seit einer Woche feststehende U23 von Werder Bremen und kann sich beim gestrigen Gegner bedanken, denn die Jenenser hatten nach einem 0:2-Rückstand 4:2 gewonnen und damit den Abstieg der Bremer besiegelt. Hätte Werder die Partie gewonnen, wäre das Aufeinandertreffen ein Schicksalsspiel…

So wird es zu einem tristen Heimfinale einer verkorksten Saison, die den VfL viel Kredit kostet – ideell und materiell. Am letzten Spieltag (12. Mai) muss der VfL bei der Spvg. Unterhaching antreten.


VfL Osnabrück - FC Carl Zeiss Jena 1:2 (0:0)

Osnabrück: 22 L.Tigges – 30 Agu, 10 Groß, 17 Susac, 16 Wachs – 13 Danneberg, 5 Engel – 7 Renneke (ab 62. 8 Sen), 10 Klaas (ab 62. S. Tigges), 15 Reimerink (ab 62. 11 Alvarez) – 25 Iyoha.

Auf der Bank: 31 Rohrmann, 4 Appiah, 29 Krasniqi, 37 Sama.

FC Carl Zeiss Jena: 22 Coppens – 5 Reitstetter, 6 Löhmannsröben, 3 Cros –16 Mauer, 23 Eismann, 21 Salmar – 9 Eckhardt (ab 46. 8 Wolfram), 11 Starke (ab 69. 14 Bock) – 19 Dietz 27 Günther-Schmidt (ab 46. 25 Schau).

Auf der Bank: 24 Sadlowski (Tor), 2 Brügmann, , 15 Grösch, 20 Sucsuz.

Tore: 0:1 Mauer (53., Rechtsschuss aus Rechtsaußenposition ins kurze Eck), 0:2 Wolfram (67., aus kurzer Distanz nach Grundlinien-Rückpass von Dietz), 1:2 Engel (78., Flachschuss aus 18 Metern ins rechte Eck).

Zuschauer: 6549, davon 50 Jenenser.

Schiedsrichter: Zorn (Freiburg).

Gelb: 42. Günther-Schmidt (3.), 49. Renneke (5.), 50. Engel (6.), 90.+1 Agu (1.).

Gelb-Rot: 90.+3 Engel.