DFB-Auflagen niedriger als vor einem Jahr VfL Osnabrück: Schwarze Null nach verkorkster Saison

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Osnabrück. Der VfL Osnabrück rechnet im Jahresabschluss der Saison 2017/18 mit einem ausgeglichenen Ergebnis und will auch in der kommenden Saison eine „schwarze Null“ erreichen. Im Lizenzierungsverfahren des DFB muss der Fußball-Drittligist nach eigenen Angaben im Vergleich zum Vorjahr weniger Auflagen und Bedingungen erfüllen.

„Die erste Lizenzentscheidung des DFB zeigt, dass er unseren Planungen vertraut“, sagt Olaf Becker, Vorsitzender des VfL-Aufsichtsrates, und beziffert die Absenkung der Auflagen mit 700000 Euro. 2,6 Millionen Euro, so heißt es, müssen durch Nachweise von Einnahmen und Kostensenkungen nachgewiesen werden, die Liquiditätsreserve wurde im ersten Durchgang des Verfahrens auf 700000 Euro (Vorjahr 800000 Euro) festgesetzt, von den im VfL-Plan mit 4,5 Millionen angesetzten Sponsoringeinnahmen erkannte der DFB laut VfL vier Millionen Euro an (Vorjahr 3,5 Millionen).

Die Lizenz ist kein Selbstläufer

Laut Geschäftsführer Jürgen Wehlend ist die Lizenzerteilung kein Selbstläufer, aber die Ausgangslage besser als vor einem Jahr. 2017 halfen 436000 Euro aus der zweiten Verlängerung der Crowdfunding-Aktion, die jetzt nicht zur Verfügung stehen. Das Geld zuzüglich der Zinsen werde im Sommer an die Crowdfunder zurückgezahlt.

Die Überlegungen, das Crowdfunding in eine Fananleihe umzuwandeln, sind laut Wehlend wegen der negativen Eigenkapitalentwicklung zurückgestellt worden. Durch den Verlust von 1,3 Millionen Euro in der Saison 2016/17 ist das bei der Ausgliederung generierte Eigenkapital aufgezehrt. (Weiterlesen: Interview mit Jürgen Wehlens)

Der VfL geht im Moment davon aus, dass die laufende Saison mit einem ausgeglichenen Ergebnis abgeschlossen wird; geplant war ein Plus von 300000 Euro. Dass erstmals seit drei Jahren kein Verlust geschrieben werden muss, liegt an den Einnahmen aus dem DFB-Pokal (ca. eine Million Euro) und den Transfererlösen für die Spieler Nazim Sangaré und Kwasi-Okyere Wriedt (ca. 800000 Euro).

Zuschauerschnitt zu niedrig

Ein besseres Ergebnis wurde verpasst, weil die zuschauerabhängigen Einnahmen (Ticketing, Catering, Merchandising) in der sportlich so verkorksten Saison hinter den Erwartungen blieben. Der Schnitt dürfte sich nach den beiden letzten Heimspielen gegen Carl Zeiss Jena (Samstag) und Werder Bremen (5. Mai) bei 7500 einpendeln und damit um 1000 Besucher unter der Kalkulation liegen. Das entspricht einer Ticketing-Einnahme von etwa 200000 Euro.

„Ein Ergebnis wie 2016/17 darf sich nicht wiederholen“, betont der Aufsichtsratsvorsitzende Becker und kündigt Sparmaßnahmen sowie Einnahmesteigerungen an. Auch ohne DFB-Pokal-Einnahmen und Transfererlöse müsse 2018/19 ein ausgeglichenes Ergebnis erreicht werden.

Fehler bei der Planung

Der Dortmunder Wirtschaftsexperte gibt Fehler bei der Planung unumwunden zu und sagt: „Wir müssen noch transparenter werden, intensiver kommunizieren und uns mit Kritik auseinandersetzen, auch wenn sie emotional vorgetragen wird.“ Persönliche Angriffe seien allerdings nicht akzeptabel: „Wenn Jürgen Wehlend zum Sündenbock für alle Probleme gemacht wird, dann ist das ungerecht und unfair. Und es beschädigt den VfL insgesamt.“

„5,5 Millionen Euro in fünf Jahren – kein neuer Vertrag für Wehlend“, stand auf einem Transparent der Ultras. Becker greift die pauschale Aussage auf und erklärt: „Erstens: Der Verlust von 2,1 Millionen Euro in der Saison 2012/13 war bereits verursacht, als Herr Wehlend kam. Zweitens: Bei der Ausgliederung wurden die Markenrechte aktiviert, um positives Eigenkapital darstellen zu können. Dieser Vorgang muss abgeschrieben werden und belastet das Ergebnis alljährlich mit 250000 Euro. Drittens: Bis zum Schuldenschnitt im Februar 2016 musste der VfL insgesamt eine Million Euro Stadionpacht zahlen.“ (Weiterlesen: VfL holt Felix Schiller aus Magdeburg)

Becker verweist auf die maßgebliche Rolle von Wehlend bei der Realisierung des Schuldenschnitts auf Besserungsschein, die den VfL von zehn Millionen Euro Verbindlichkeiten dauerhaft entlastet, und auf die erfolgreiche Arbeit des Geschäftsführers in den Lizenzierungsverfahren, die für die meisten Vereine der strukturell schwierigen 3. Liga Probleme aufwirft.

Hülsmann stärkt den Geschäftsführer

Auch Präsident Manfred Hülsmann stellt sich hinter den Geschäftsführer. „Es besteht Einigkeit im Präsidium und im Beirat, mit Herrn Wehlend weiterzuarbeiten“, sagt der im November 2017 gewählte VfL-Präsident. Über eine Verlängerung des Ende 2018 auslaufenden Vertrages werde gesprochen, sobald nach dem sportlichen auch der wirtschaftliche Klassenerhalt geschafft sei.

Ausdrücklich widersprach Hülsmann Gerüchten, denen zufolge Wehlend ein unterschriftsreifer Dreijahresvertrag zur Zustimmung vorliege: „Es ist beidseitig offen, es gibt keinen unterschriftsreifen Vertrag.“ Der Geschäftsführer sagt dazu: „Für mich zählt nur der 29. Mai – der Tag, an dem die Mitteilung in Sachen Lizenz aus Frankfurt kommt. Bis dahin gibt es von mir keine Aussagen zu dem Thema.“

Hülsmann signalisierte erneut seine Gesprächsbereitschaft; er stehe für Sachlichkeit und kritischen Dialog: „Ich werde auch weiterhin versuchen, mit der kritischen Fanszene ins Gespräch zu kommen, bisher ist mir das nicht gelungen. Aber das Angebot des gesamten Präsidiums steht, die Tür ist offen: Redet mit uns!“


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