Präsident stärkt Wehlend den Rücken VfL-Trainer Thioune vor Vertragsverlängerung, Groß vor dem Absprung

Von Stefan Alberti und Susanne Fetter

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Osnabrück. Zum 300. Drittliga-Spiel des VfL Osnabrück gab es die höchste Niederlage an der Bremer Brücke in dieser Spielklasse. 0:5 gegen den SC Paderborn. Nach der Partie sollten sich die Spieler bei den zum Teil erzürnten Fans erklären. Die Frage nach den Gründen für die deftige Klatsche gegen den Tabellenführer ist nicht die einzige, die aktuell offen ist.

Was sagen Trainer und Spieler nach dem 0:5? „In der zweiten Halbzeit waren die Mannschaften so weit auseinander, wie Fußball nur auseinander sein kann“, sagt Trainer Daniel Thioune und betont: „Das hatte sehr wenig mit Profifußball zu tun. Wir müssen uns bei jedem einzelnen Fan entschuldigen. Wir konnten uns nicht wehren.“ Stürmer Marcos Álvarez sagt: „Sich fünf Stück im eigenen Stadion einschenken zu lassen bei dem, was wir uns alles vorgenommen haben, das ist einfach nur peinlich. Was wir uns von den Fans nach dem Spiel anhören mussten, war gerechtfertigt. Wir bekommen es aktuell nicht hin, unsere Leistung abzurufen. Da muss sich jeder an die eigene Nase greifen.“

Ist der Klassenerhalt nun sicher? Bekommt der Chemnitzer FC wegen des Insolvenzantrags neun Punkte abgezogen, kann Bremens U23 als einziges Team aus dem Keller noch am VfL vorbeiziehen. Dafür müsste Werder (24 Punkte) alle vier verbleibenden Spiele gewinnen, die Osnabrücker (36) alle verlieren und Bremen zehn Tore aufholen. Beide Clubs spielen noch gegeneinander. Der VfL ist also fast sicher und hat es in der eigenen Hand. Feiern will aber keiner. Innenverteidiger Adam Sušac: „Das wäre ein sehr bitterer Klassenerhalt.“

Wie groß ist die Krise? Den letzten Sieg fuhr der VfL am 24. Februar gegen Großaspach ein. Danach gab es in acht Liga-Spielen vier Niederlagen. Das 0:5 gegen Paderborn war die höchste Heimniederlage seit 39 Jahren (0:7 gegen Fortuna Köln am 4. November 1979). Die gute Phase aus dem Dezember und Februar ist damit wieder vergessen. Schon jetzt steht fest: Nie schloss der VfL die Saison in der 3. Liga mit weniger Punkten ab. In der Saison 2014/15 waren es 52 Zähler. Die wird der VfL (aktuell 36) nicht mehr erreichen können.

Hat das Auswirkungen auf die Planungen? Benjamin Schmedes sagt: „Nein.“ Der Sportdirektor schaute sich am Sonntag die Partie Lotte gegen Erfurt an – auch um den Spielermarkt zu sondieren. Er betont: „Ein 0:5 geht an keinem spurlos vorüber. Wir machen unsere Planungen nicht von einem Spiel abhängig. Es hat uns höchstens bestärkt, einige Veränderungen vorzunehmen.“

Wird es Konsequenzen geben? Das nächste Spiel muss der VfL am kommenden Sonntag in Aalen bestreiten. Bis dahin will der Trainer darüber nachdenken, ob es für den einen oder anderen Profi noch sinnvoll sei, überhaupt aufzulaufen. Es sei aktuell nicht wegzudiskutieren, dass einige Spieler möglicherweise schon mit ihren Gedanken bei einem anderen Arbeitgeber seien. „Es ist durchaus denkbar, die letzten Saisonspiele zu nutzen, um jüngeren Spielern oder auch denjenigen, deren Weg noch nicht klar ist, die Chance zu geben, sich noch mal anzubieten“, sagte Schmedes.

Was ist denn bisher klar? Laut Schmedes haben zehn Spieler einen Vertrag für die kommende Saison, bei den sechs Leihspielern sei der VfL zum Teil auch von Dritten abhängig. Unwahrscheinlich scheint eine Vertragsverlängerung mit Ahmet Arslan, der nach dem missratenen Elfmeter im Pokal eine Auszeit vom Trainer bekommen hat. Einige Spieler scheinen auch auf dem Sprung zu sein –so wie Christian Groß. Dem Kapitän liegt nach unseren Informationen ein Angebot von Werder Bremen vor, wo er eine feste Säule in der U23 werden soll. Die Anfrage soll er bereits im Winter erhalten haben.

Was sagt der Geschäftsführer zu den „Wehlend-Raus“-Rufen? Wie schon in den vergangenen Wochen, stimmte ein Teil der VfL-Ultras immer wieder „Wehlend raus“-Rufe an. Seit dem Spiel gegen Preußen Münster laufe diese Kampagne. Zur Erinnerung: Der VfL hatte nach den Pyrotechnik-Vorfällen im Spiel gegen den SV Meppen vor der Partie gegen Münster Hausverbote und Choreografie-Verbote verhängt. „Ich bin nicht bereit, das große Ganze zugunsten einer kritischen Minderheit aufs Spiel zu setzen“, stellt Wehlend fest. Er wolle weiter den Weg der Neustrukturierung gehen. In Richtung der Ultras erneuert er sein Angebot, gemeinsam über die Themen zu sprechen.

Was sagt der Präsident? Manfred Hülsmann spricht von der „schlechtesten sportlichen Situation seit Jahren“. Der VfL sei am vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Insofern sei die entsprechende Kritik völlig berechtigt. Dagegen könne er überhaupt nicht die Rufe gegen Geschäftsführer Wehlend nachvollziehen. „Ich stehe voll und ganz hinter Jürgen Wehlend, ebenso hinter unserem Trainer Daniel Thioune. Die derzeitige Situation werde ich nicht zum Anlass nehmen, unsere laufende Neustrukturierung infrage zu stellen.“ Das heißt, dass er sich nach wie vor eine längerfristige Zusammenarbeit mit Wehlend vorstellen könne.

Was ist mit dem Vertrag von Daniel Thioune? Hier gibt es eigentlich keinen neuen Sachstand. Wehlend und Hülsmann bekräftigen noch einmal ausdrücklich, dass der VfL mit dem Trainer über die Saison hinaus weiterarbeiten wolle. Der Geschäftsführer stellt fest, dass auf beiden Seiten Einigkeit über die Vertragsdauer herrsche, es seien lediglich noch formelle Dinge zu erledigen.


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