Chancenlos gegen Paderborn 0:5-Debakel gegen Spitzenreiter – VfL Osnabrück bricht auseinander

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Nicht den Hauch einer Chance hatte der VfL Osnabrück im drittletzten Heimspiel der verkorksten Saison 2017/18. Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune bekam vom souveränen Spitzenreiter eine Lektion erteilt. Am Ende stand eine völlig verdiente 0:5-Niederlage gegen den SC Paderborn, der ein Jahr nach dem vermeintlichen Abstieg aus der 3. Liga in Osnabrück nun an gleicher Stelle einen großen Schritt in Richtung Aufstieg in die 2. Bundesliga machte.

  • Paderborn feiert an der Brücke
  • Rückstand durch Torgeschenk
  • VfL seit acht Ligaspielen sieglos
  • Gelb-Rote Karte gegen Engel
  • Höchste Heimniederlage seit 1979

Die in dieser Saison so strapazierten VfL-Fans können nur über zwei Dinge froh sein: Dass diese Saison in vier Wochen zu Ende sein wird. Und, dass es drei Mannschaften gibt, die noch schlechter spielen und punkten als der VfL Osnabrück. In den meisten Jahren in der 3. Liga hätte die mutmaßliche Punktausbeute des VfL jedenfalls nicht zum Klassenerhalt gereicht – und wer weiß, wie groß die Not noch geworden wäre, wenn der Chemnitzer FC (1:2 gegen den SV Meppen) die Chance auf den Klassenerhalt nicht durch den Insolvenzantrag vorzeitig aufgegeben hätte. (Der Liveticker zum Nachlesen)

Gellende Pfiffe und „Wehlend-raus“-Rufe

Nach der desaströsen Vorstellung in der zweiten Halbzeit, die auch durch Ausfälle, Schwächung und die Stärke des Gegners nicht zu erklären oder gar zu rechtfertigen ist, gellten nur kurz heftige Pfiffe durch das Stadion. Danach schwiegen die Osnabrücker unter den 8000 Zuschauer – vor Schreck, vor Fassungslosigkeit, vor Enttäuschung. Es war die höchste Heimniederlage seit dem 4. November 1979. Damals ging der VfL in der 2. Liga Nord gegen Fortuna Köln mit 0:7 unter.

Als die Osnabrücker Spieler nach dem Schlusspfiff langsam und mit hängenden Köpfen in die Ostkurve, wurden sie nicht nur von Pfiffen empfangen, sondern auch von „Wehlend-raus“-Rufen. Der Geschäftsführer ist offenbar für einen harten Kern der VfL-Ultras der alleinige Sündenbock für die sportliche Talfahrt.

Iyoha erstmals seit Februar in der Startelf

Obwohl Jules Reimerink und Marc Wachs kurzfristig trotz nicht ganz ausgeheilter Blessuren zur Verfügung standen, änderte VfL-Trainer Daniel Thioune seine Startelf nur auf einer Position: Für den am vergangenen Dienstag erfolgreich am Meniskus operierten Marc Heider kehrte Emmanuel Iyoha in die Startelf zurück – sein letztes Spiel war Ende Februar der letzte Sieg des VfL (2:1 gegen Großaspach) gewesen. Auf Paderborner Seite schickte Trainer Steffen Baumgart exakt die Elf auf den Rasen, die in den letzten beiden Spielen den VfR Aalen (5:0) und Carl Zeiss Jena (6:0) überrollt hatte.

Nach wackligem Beginn mit drei guten Paderborner Möglichkeiten, die Groß (3., gegen Michel), Sama (8. gegen Tietz) und Gersbeck (9., gegen Michel) vereitelten fand der VfL gut ins Spiel. Dabei kontrollierte die Defensive die Paderborner Angriffsmaschine (75 Saisontore) mit frühem Stören und enger Zweikampfführung.

Susac verhindert gegen Michel den Rückstand

Für die ersten Offensivakzente sorgte Iyoha, der auf dem linken Flügel mit Tempo und Dribblings für Unruhe sorgte. Sein flacher Schrägschuss zischte knapp vorbei (17.), sein 20-Meter-Schuss verfehlte dass Tor etwas klarer (19.). Die Paderborner reagierten mit einer Verschärfung von Härte und Tempo und kamen nach einer halben Stunde zur größten herausgespielten Chance, als Torjäger Michel der VfL-Abwehr entwischte, den Ball an Gersbeck vorbei aufs Tor brachte, aber sehen musste, wie Susac zwei Meter vor dem Tor einen Treffer verhinderte (30.).

Geschenk zur Paderborner Führung

Drei Minuten später allerdings reichte es dann doch zur verdienten Führung, des souverän und selbstbewusst auftretenden Spitzenreiters, allerdings war es ein Osnabrücker Geschenk: Der Abstoß von Gersbeck auf den zwanzig Metern vor dem Tor von drei, vier Paderbornern zugestellten Krasniqi war der erste und entscheidende Fehler, ehe der Jungprofi den Ball unter Bedrängnis schlecht verarbeitete. Daraus wurde eine Vorlage für Krauße, der passgenau und unhaltbar flach ins rechte Ecke traf (33.). Schon im Hinspiel (3:0 für Paderborn) hatte der Mittelfeldmann getroffen.

Antwi-Adjej: Vorentscheidung durch zwei Tore

Nach der Pause wirkten die Paderborner noch zielstrebiger, der VfL kam kaum mehr über die Mittellinie. Gersbeck musste bereits nach zwei Minuten gegen Ritter zupacken, um das 0:2 zu verhindern, doch die Aktion hatte nur aufschiebende Wirkung: Das vorentscheidende zweite Tor für die Ostwestfalen erzielte Christopher Antwi-Adjej, der seine starke Leistung auf dem linken Flügel mit einem herrlichen 22-Meter-Schuss hoch ins Eck krönte; sein Blitzantritt hatte drei Osnabrück ratlos am Wegesrand zurückgelassen (51.). Der 22-Jährige war im Sommer vom Oberligisten TSG Sprockhövel nach Paderborn gekommen, in Osnabrück erzielte der pfeilschnelle Offensivmann sein fünftes Saisontor.

Paderborn revanchiert sich für hämische Sprechchöre

Jetzt knickte der VfL vollends ein. Vor dem 0:3, das Antwi-Adjej im Nachfassen erzielte, wurde die rechte Seite von Ritter und Klement überrollt, im Strafraum half auch die zahlenmäßige Überlegenheit dem VfL nicht gegen die schnellen, entschlossenen Paderborner. Das war noch nicht alles: Der VfL brach völlig zusammen, Paderborner zog durch – wohl auch, um sich für die hämischen „Absteiger“-Sprechchöre im Mai 2017 nach dem 0:0 im Saisonfinale zu revanchieren. Erst verzog Michel nach einem gewonnenen Laufduell mit Sama (65.), dann holte Gersbeck einen Krauße-Schuss aus dem Winkel (70.). Doch dann spritze Tietz unmittelbar vor Gersbeck in einen Schuss von Krauße und gab dem Ball die entscheidende Richtungsänderung – nach 71 Minuten stand es 0:4.

Gelbrot für Engel nach Ellbogenschlag

Da war der VfL schon in Unterzahl, denn der in der ersten Halbzeit wegen höhnischen Beifalls in Richtung Schiedsrichter verwarnte Engel wurde nach einem Ellbogenschlag im Luftduell mit Krauße mit der gelb-roten Karte vom Platz geschickt korrekte Entscheidung. Das 5:0 durch den eingewechselten Wassey, der einen Freistoß aus gut 25 Metern in den Winkel zirkelte, war der Schlusspunkt fünf Minuten vor Schluss. Es hätten – vorher und hinterher – weitere Tore fallen können. Aber nur für den SC Paderborn.


VfL Osnabrück - SC Paderborn 0:5 (0:1)

Osnabrück: 21 Gersbeck – 4 Appiah, 17 Susac, 37 Sama, 5 Engel –10 Groß, 29 Krasniqi (ab 68. 23 Bickel) –

7 Renneke, 13 Danneberg (ab 68. 16 Wachs), 25 Iyoha – 11 Alvarez (ab 74 18 Kristo). Trainer: Thioune

Auf der Bank: 1 Paterok (Tor), 8 Sen, 15 Reimerink, 27 Falkenberg.

Paderborn: Zingerle – Boeder, Schönlau, Strohdiek, Collins – Krauße (ab 74. 4 Wassey) – Klement, Ritter (ab 85. 31 Zolinski), Antwi-Adjej – Tietz (ab 80. 14 Bertels), Michel. Trainer: Baumgart.

Auf der Bank: 1 Ratajczak (Tor), 12 Herzenbruch, 19 Vucinovic, 30 Fesser

Tore: 0:1 Krauße (33., Rechtschuss flach ins Eck nach einem Ballverlust von Krasniqi), 0:2 Antwi-Adjej (51., Rechtsschuss aus 22 Metern hoch ins linke Eck), 0:3 Antwi-Adjej (60., Rechtschuss aus zwölf Metern), 0:4 Tietz (75., fälscht einen Flachschuss von Krauße entscheidend ab), 0:5 Wassey (86., direkter Freistoß aus 28 Metern in den Winkel).

Gelb: 23. Krauße, 27. Engel, 85. Sama

Gelb-Rote Karte: 70. Engel.

Zuschauer: 8490, davon etwa 1500 Paderborner.