„Für 3. Liga kein Ruhmesblatt“ Nach der Chemnitz-Insolvenz: So reagieren der VfL Osnabrück und Lotte

Von Stefan Alberti

Szene aus dem wohl vorläufig letzten Aufeinandertreffen zwischen Osnabrück und Chemnitz (6:1 am 9. Februar 2018) in der 3. Liga: VfL-Innenverteidiger Stephen Sama (links) im Zweikampf mit CFC-Angreifer Myroslav Slavov. Foto: imago/Picture PointSzene aus dem wohl vorläufig letzten Aufeinandertreffen zwischen Osnabrück und Chemnitz (6:1 am 9. Februar 2018) in der 3. Liga: VfL-Innenverteidiger Stephen Sama (links) im Zweikampf mit CFC-Angreifer Myroslav Slavov. Foto: imago/Picture Point

Osnabrück. Der nächste finanzielle Kahlschlag in der 3. Fußball-Liga: Nach Rot-Weiß Erfurt ist nun auch der Chemnitzer FC insolvent. Die Sachsen stehen damit als zweiter Absteiger fest. Sportliche Profiteure sind der VfL Osnabrück und auch die Sportfreunde Lotte, die den Klassenerhalt nun in der Tasche haben dürften.

Die aktuelle Situation in Chemnitz: Vorstand und Aufsichtsrat des CFC haben am Dienstag ihre Mitglieder, Sponsoren, Förderer und Fans schriftlich über den beabsichtigten Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens informiert. Es sei trotz vielfältiger Bemühungen nicht gelungen, „den Rucksack der Vergangenheit abzulegen“, teilen die Sachsen mit.

„Der Verein hat Verbindlichkeiten aufgebaut, die vom Vereinsvermögen nicht gedeckt sind. Eine Beseitigung des Insolvenzantragsgrundes der Überschuldung infolge positiver Fortführungsprognose ist aufgrund der weiteren sportlichen und wirtschaftlichen Entwicklung nicht mehr möglich.“

Der erarbeitete Liquiditäts- und Finanzplan habe in seiner Vorschau ergeben, dass gegen Ende der Saison 2017/18 trotz der Einnahmen aus dem DFB-Pokalspiel gegen Bayern München eine erhebliche Unterdeckung vorhanden sein werde. „Der Verein wird voraussichtlich nicht in der Lage sein, trotz einer Stundungsvereinbarung bestehende Zahlungsverpflichtungen im Zeitpunkt ihrer Fälligkeit zu erfüllen.“

(Weiterlesen: Chemnitz meldet Insolvenz an – VfL Osnabrück damit so gut wie gerettet)

Was bedeutet das für den Spielbetrieb in der 3. Liga?

Die Chemnitzer werden wohl den gleichen Weg wie Rot-Weiß Erfurt gehen. Wird dem Antrag entsprochen, werden dem CFC vom Deutschen Fußball-Bund neun Punkte abgezogen. Der Club, derzeit mit 29 Punkten auf Abstiegsrang 18, hätte dann nur noch 20 Zähler und würde als Absteiger feststehen.

Vor den fünf verbleibenden Spielen können sich somit auch der VfL Osnabrück (36 Punkte) und die Sportfreunde Lotte (37) über den fast feststehenden Klassenerhalt freuen. Dass Werder Bremens U23, derzeit mit 23 Punkten auf Abstiegsplatz 19, noch den VfL oder die Sportfreunde einholen kann, dürfte kaum vorstellbar sein.

Was sagen die Vertreter des VfL?

„Das tut mir extrem leid, was die Kollegen in Chemnitz gerade durchmachen“, sagt Geschäftsführer Jürgen Wehlend. „Und für die Liga ist diese neuerliche Insolvenz eine desaströse Bilanz.“ Wehlend greift bei dieser Gelegenheit noch einmal die vor wenigen Tagen nach einer Pressemitteilung des FDP-Kreisverbands Osnabrück-Stadt entfachte Insolvenz-Debatte beim VfL auf: „Die Chemnitzer erwähnen ausdrücklich, dass sie es nicht geschafft hätten, den Rucksack der Vergangenheit abzulegen.“

Im Gegensatz zu den Sachsen habe der VfL einen solchen Rucksack mit dem Anfang 2016 erreichten Schuldenschnitt abgelegt (Entschuldung um rund zehn Millionen Euro). „Am Beispiel Chemnitz kann man nun sehen, wie wichtig dieser Schritt für uns war.“ Der Geschäftsführer bekräftigt auch noch einmal die Aussagen des Präsidenten Manfred Hülsmann aus der vergangenen Woche: „Wir haben kein Überschuldungsproblem in der ausgegliederten KGaA, wir haben nur ein Ertragsproblem.“ Eine Insolvenz löse kein Ertragsproblem.

„Wir würden den Abstiegskampf lieber sportlich regeln“, sagt Benjamin Schmedes, „für die Liga ist die Chemnitzer Insolvenz überhaupt nicht gut.“ Der Sportdirektor weist aber auch darauf hin, dass ein möglicher Neun-Punkte-Abzug für den CFC durch den DFB erst einmal bestätigt werden müsse. „Insofern sind wir sowieso gut beraten, wenn wir uns in den letzten fünf Spielen noch einmal voll reinhauen.“ Aus Verpflichtung gegenüber den Fans und natürlich auch der Liga.

Und die Sportfreunde Lotte? Da sieht der sportliche Leiter Manfred Wilke die Dinge ähnlich wie die Osnabrücker: „Schade, dass Chemnitz diesen Weg gehen muss. Für die 3. Liga ist das wahrlich kein Ruhmesblatt.“ Und sich über einen vorzeitigen Klassenerhalt zu freuen sei fehl am Platze. „Wir regeln das in den nächsten Wochen auch sportlich.“