Alvarez: „War halt keiner am Mittelkreis“ Regelverstoß: VfL Osnabrück führt in Zwickau zweimal Anstoß aus

Von Sportredaktion

Fokussiert: Marcos Alvarez in Zwickau. Foto: osnapix/TitgemeyerFokussiert: Marcos Alvarez in Zwickau. Foto: osnapix/Titgemeyer 

Osnabrück. Kurioser Regelverstoß beim Drittliga-Fußballspiel des VfL Osnabrück gegen den FSV Zwickau am gestrigen Sonntag (1:1): Der VfL Osnabrück, namentlich Spieler Marcos Alvarez, hat in beiden Spielhälften den Anstoß ausgeführt.

Und das ist natürlich regelwidrig, wie Regel 8 der weltweit gültigen Fußballregeln erklärt: „Das Team, das beim Münzwurf [des Schiedsrichters, Anm. d. Red] gewinnt, entscheidet, auf welches Tor es in der ersten Halbzeit spielt. Das gegnerische Team erhält den Anstoß. Das Team, das den Münzwurf gewonnen hat, führt den Anstoß zu Beginn der zweiten Hälfte aus.“

Klarer Regelverstoß

In Zwickau hatte der VfL den Münzwurf verloren – somit führte Marcos Alvarez den Anstoß zu Beginn der Partie mit einem Rückpass in die von der Kameraposition aus gesehene linke Hälfte aus. Nach dem Seitenwechsel hätte Zwickau eigentlich Anstoß gehabt – doch erneut führte diesen der VfL aus, wieder war es Spieler Alvarez, der diesmal mit Mitspieler Kamer Krasnqi am Mittelkreis stand und den Ball wieder in die eigene Spielhälfte zurückpasste, diesmal in die rechte. Somit liegt hier ein klarer Regelverstoß vor – verantwortlich dafür ist das Schiedsrichtergespann um Tobias Fritsch (27, Bruchsal), das diesen Fehler nicht bemerkte.

Keine Auswirkungen

Große Auswirkungen hatte der Regelverstoß in der Praxis nicht: Nach dem zweiten Anstoß des VfL in der 46. Minute spielten die Osnabrücker einen langen Ball, der direkt in der Zwickauer Abwehr landete, sodass der Ballbesitz sofort wechselte. Nicht nur deshalb erscheint ein etwaiger Protest gegen die Wertung des Spiels als wenig erfolgsversprechend, da die Fehlentscheidung keine Auswirkung auf das weitere Geschehen hatte.

Der FSV Zwickau hat schon offiziell angekündigt, keinen Protest gegen die Wertung des Spiels einzulegen. Auch der VfL Osnabrück wird laut Sprecher Sebastian Rüther auf einen rein theoretisch denkbaren Protest in dieser Sache verzichten.

Alvarez: Ich war fokussiert

„Als wir nach der Pause aus der Kabine rausgekommen sind, waren die Zwickauer schon da – aber von denen stand halt keiner am Mittelkreis“, erinnert sich VfL-Spieler Alvarez, der beide Anstöße ausgeführt hat. „Ich kann mich noch erinnern, wie ich an dem Königs vorbeigelaufen bin – und weil keiner von denen am Ball war, bin ich halt davon ausgegangen, dass wir Anstoß haben. Da habe ich nicht weiter darüber nachgedacht – ich habe mich auch darauf verlassen, dass von irgendwem schon ein Hinweis kommt, wenn das falsch sein sollte“, sagte der VfL-Stürmer.

Dass Alvarez bereits zu Beginn der ersten Halbzeit den Anstoß ausgeführt hat, habe er schlicht vergessen – erklärbar vielleicht auch durch die Tatsache, dass vor dem zweiten regeltechnisch irregulären Anstoß jedes Team während der ersten Halbzeit angesichts eines Gegentreffers (Pausenstand 1:1) einen weiteren Anstoß ausgeführt hat.

Schiedsrichter dürfte froh sein

„Ich war auf die zweite Halbzeit fokussiert, weil wir in der Kabine einige Dinge besprochen haben – aber wir haben nicht besprochen, dass wir jetzt absichtlich nochmal Anstoß machen“, sagte Alvarez. Der Stürmer glaubt auch nicht, dass man sich dadurch grundsätzlich einen Vorteil im Spiel verschaffen kann. „Wer nach einem Anstoß direkt ein Gegentor fängt, hat sowieso was falsch gemacht“, sagt der 26-Jährige und ergänzt: „Von mir aus kann im nächsten Spiel der SC Paderborn zweimal Anstoß machen.“

Was aber, wenn direkt nach dem Anstoß etwas Spielentscheidendes passiert wäre – etwa ein Tor, ein Elfmeter oder eine Rote Karte? „Dann wäre es schon etwas anderes gewesen – dann würden wir jetzt wohl heiß diskutieren“, gibt Alvarez zu. Insofern dürfte vor allem das Schiedsrichterteam um Tobias Fritsch froh sein, dass dies nicht passiert ist – denn dann würde es richtig im Fokus der Kritik stehen.