„Bezeichnend für Tabellenstand“ Weder Fisch noch Fleisch: Das Osnabrücker 1:1 in Zwickau

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Enttäuscht: VfL-Kapitän Christian Groß. Foto: TitgemeyerEnttäuscht: VfL-Kapitän Christian Groß. Foto: Titgemeyer 

Zwickau. Punkt gewonnen? Zwei Zähler verloren? Das 1:1 beim FSV Zwickau war für den VfL Osnabrück weder Fisch noch Fleisch. Irgendwie sehnen alle das Saisonende herbei. Selbst die wenigen VfL-Fans hatten nach dem Abpfiff keine Lust mehr, sich von ihren Schützlingen zu verabschieden.

Trainer Daniel Thioune hielt nach Spielschluss auf dem Rasen wie immer seine kurze Ansprache im Mannschaftskreis. Danach wollten die Spieler zu den rund 100 mitgereisten Fans gehen. Aber: Die Kurve war schon leer. Die Anhängerschaft hatte schon ihre Banner eingerollt und befand sich auf dem Heimweg. Während des Spiels trat die Reisegruppe auch eher mit „Wehlend raus“-Rufen in Erscheinung. Dazu Transparente mit den Botschaften „Sportlich und finanziell am Abgrund“ und „Neuanfang jetzt“.

„Nicht gut nach vorne gespielt“

Kommen wir zum sportlichen Teil. So sehr sich auch der Eindruck aufdrängt, dass die VfL-Profis am liebsten schon morgen die Saison abschließen möchten: Sie müssen noch an fünf Spieltagen antreten – und sicher auch noch einige Punkte einfahren, um das Abstiegsgespenst von der Bremer Brücke zu vertreiben. Der Chemnitzer FC, derzeit auf Abstiegsrang 18, liegt nach dem 5:0-Erfolg in Erfurt jetzt nur noch sieben Zähler hinter den Osnabrückern. Am nächsten Samstag empfängt der VfL Spitzenreiter Paderborn, der CFC den SV Meppen. Über einen weiter schmelzenden Vorsprung wollen wir hier jetzt nicht spekulieren.

Erst einmal zurück ins Stadion Zwickau, wo der VfL am Sonntagnachmittag mit dem 1:1 noch gut bedient war. „Das war bezeichnend für den Tabellenstand beider Mannschaften, es war kein schönes Spiel“, meinte Thioune. „Meine Jungs waren bemüht, den Punkt zu verteidigen. Wir haben nicht gut nach vorne gespielt.“

1:0 als Lehrstück

Dabei hatte der VfL einen Bilderbuchstart erwischt: Marc Heider, der sich vor seiner Meniskus-Operation noch einmal auf den Platz schleppte, besorgte nach vier Minuten in seiner typischen energischen Art das 1:0. Die Vorbereitung war ein Lehrstück in Sachen Umschaltspiel: Torhüter Marius Gersbeck hatte eine Großchance der Zwickauer vereitelt, leitete sofort den Ball zu Bashkim Renneke weiter – und der schickte Heider auf die Reise.

Das war es dann aber auch schon mit den Lehrstücken. Die Gastgeber dominierten fortan die Partie, erspielten sich Großchancen durch Fabian Eisele, Mike Könnecke, Nils Miatke oder Ronny König. Gerade der bullige König, der nach Spielende von „Einbahnstraßenfußball“ sprach, stellte die VfL-Defensive immer wieder vor große Probleme. Einen solchen Abräumer im Strafraum würde man sich in diesen Tagen beim VfL wünschen.

„Tormaschine der Liga“

Die logische Folge: In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit fiel der längst fällige Ausgleich durch Jan Washausen (nach einer Ecke von Bentley Baxter Bahn). In den zweiten 45 Minuten bekam der VfL durchaus etwas mehr Luft zum Atmen, aber ohne zwingende Torchancen herauszuspielen. Dass der grippegeschwächte Kapitän Christian Groß nun von der defensiven Dreierkette ins Mittelfeld beordert wurde, brachte das lila-weiße Schwungrad nicht entscheidend zum Laufen. Wenn ein Siegtreffer in der Luft lag, dann für die Zwickauer. Das Team von Noch-Coach Torsten Ziegner (in der nächsten Saison übernimmt ja Joe Enochs) war weiter tonangebend, ließ aber kräftemäßig sichtbar nach.

Wenn man diesen Spielfilm analysiert, dann darf sich der VfL glücklich schätzen, überhaupt einen Punkt aus Sachsen entführt zu haben. Angesichts der vielen angeschlagenen Akteure (Groß, Heider, Renneke, Marcos Álvarez, Jules Reimerink) könnte man vielleicht auch von einem Punktgewinn sprechen. Steffen Tigges saß nur als Staffage auf der Bank (Grippe/Kreislaufprobleme).

Jetzt ist eine Woche Zeit zur Regeneration. Dann kommt der erwähnte Spitzenreiter Paderborn – oder wie Thioune feststellte: „Die Tormaschine der Liga.“


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