SV Drochtersen-Assel gewinnt 7:6 VfL Osnabrück schießt sich selbst aus dem Pokal

Von Harald Pistorius und Christian Hesse

Nach enttäuschenden 90 Minuten verlor der VfL Osnabrück im NFV-Pokal-Halbfinale beim Regionalligisten SV Drochtersen-Assel im Elfmeterschießen mit 6:7. Foto: Titgemeyer/osnapixNach enttäuschenden 90 Minuten verlor der VfL Osnabrück im NFV-Pokal-Halbfinale beim Regionalligisten SV Drochtersen-Assel im Elfmeterschießen mit 6:7. Foto: Titgemeyer/osnapix

Drochtersen. Was für eine Blamage, was für eine peinliche Niederlage! Nach enttäuschenden 90 Minuten verlor der VfL Osnabrück im NFV-Pokal-Halbfinale beim Regionalligisten SV Drochtersen-Assel im Elfmeterschießen mit 6:7.

Drei Matchbälle vergab der VfL im Elfmeterschießen, dreimal hätte der Osnabrück Schütze mit einem Treffer den Einzug in die finanziell und ideell so wertvolle 1. Hauptrunde des DFB-Pokalwettbewerbs 2018/19 perfekt machen können – doch Arslan, Susac und Paterok scheiterten an Kühn. Und als der Regionalligist endlich wieder vorne lag, war der Druck auf Steffen Tigges zu groß: Der Stürmer brachte den Ball nicht an Kühn vorbei und riss die Hände vors Gesicht. So sah er nicht den Startschuss zu einer rauschenden Pokalparty in Drochtersen…

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Peinlich, überheblich und arrogant

An dem Kater dieses Abends wird der VfL länger zu knabbern haben als der freudentaumelnde Außenseiter. Eine Einnahme zwischen 150000 und 200000 wurde gestern verzockt, mindestens ebenso schwer wiegt der Schaden an Image und Ansehen. Und die Planung über das Saisonende hinaus wird nun belastet von Personaldiskussionen um Trainer und Spieler.

Schon nach dem zweiten Durchgang des Elfmeterschießens, das der Regionalligist eröffnet hatte, lag der VfL vorn, weil Andrijanic hoch über das Tor geschossen hatte. Danach verwandelten die nächsten vier Schützen, so dass Ahmet Arslan mit dem fünften Versuch die Chance zur Entscheidung auf dem Fuß hatte. Er vergab sie mit einem völlig misslungenen Schlenzer, den Kühn leicht aus der Luft pflücken konnte –ein peinlicher Fehlschuss, überheblich und arrogant.

Danach verwandelten vier Schützen, ehe Paterok mit zwei Paraden Matchbälle eröffnete. Die Tür zum DFB-Pokal war weit geöffnet – doch erst scheiterte Susac an Kühn, dann versuchte es Paterok selbst – und verfehlte das Tor.

Dann war Schluss. Rogowski verwandelte, Kühn hielt gegen Tigges – Ende einer Dienstreise. Gerechte Strafe für einen lange schwachen Auftritt und ein enttäuschendes Elfmeterschießen.

Außer den Langzeitverletzten fehlten dem VfL sechs potenzielle Stammspieler: Kapitän Groß, Gersbeck, Reimerink, Wachs, Ioyha und Klaas. Der Drittligist begann mit einem 3-4-3, mit Appiah, Susac und Engel in der Dreierreihe, Renneke und Falkenberg auf den Außenbahnen, Krasniqi und Danneberg im Zentrum sowie der Offensivreihe mit Heider, Alvarez und Arslan.

Keine Torgefahr

Der Regionalligist verriegelte seinen Strafraum mit einer Fünferreihe und einer Dreierkette im Mittelfeld davor. Das war die Methode, die Mittel waren zähes Zweikampfverhalten, hohe Laufbereitschaft und große Moral. Das reichte, um den VfL zu kontrollieren, denn die Osnabrücker schafften es während der gesamten ersten Halbzeit aus viel Ballbesitz und optischer Überlegenheit nicht Torgefahr zu erzeugen.

Eine Ecke, kein Torschuss – das war die Bilanz der Osnabrücker Offensivbemühungen. Die erste Chance gab in der 32. Minute, als Alvarez nach Vorlage von Heider mit einem Drehschuss an Kühn scheiterte. Mehr kam bis zur Pause nicht, weil der VfL im Aufbauspiel zu langsam war und im Strafraum zu kompliziert agierte, mit Kurzpassspiel durchs Zentrum oder soften Flugbällen ins Getümmel. Und wenn dann mal die Chance zu einer Flanke genutzt wurde, landete der Ball öfter hinter dem Tor als bei einem Mitspieler.

Zweite Halbzeit wurde munterer

Die zweite Halbzeit begann munterer und hatte in den ersten fünf Minuten mehr Chancen zu bieten als im gesamten ersten Durchgang. Arslan scheiterte nach Vorarbeit von Alvarez aus fünf Metern am stark reagierenden Kühn (48.), auf der Gegenseite passte Paterok bei Maus Flugkopfball auf (49.).

Danach nahm das Spiel des VfL endlich Tempo auf – und prompt ergaben sich Chancen. Zunächst verzog Alvarez einen 25-Meter-Freistoß knapp (57.), dann vereitelte erneut Kühn bei einem Kopfball von Arslan mit der nächsten Parade einen Osnabrücker Treffer (62.). Den hatte kurz danach der gerade eingewechselte Steffen Tigges vor Augen, doch sein Schuss aus halblinks zischte am langen Pfosten vorbei.

Mehr Druck auf den Gegner, mehr Konterchancen für den Gegner: Zweimal hatte der Gastgeber die Chance zur Führung: Erst verpasste Mau eine Rechtsflanke von Ioannou (65.), dann rettete Paterok in höchster Not gegen Neumann (68.).

Jetzt war es der Pokalfight, den sich 1800 Zuschauer gewünscht hatten; der Außenseiter wurde genauso leidenschaftlich angefeuert wie er auf dem Rasen alles für die Sensation tat.

Schlussphase gehörte dem Gegner

Und die Abwehr des VfL wackelte von Minute zu Minute mehr, anfällig über beide Flügel, wo Appiah und Engel öfter überspielt und überlaufen wurden als es Spielern ihrer Erfahrung passieren darf.

Als auch Renneke mit einem Flachschuss an Kühn gescheitert war (76.) und Heider mit einem Kopfball nach Alvarez-Freistoß verfehlt hatte (78.), brachte Thioune seine letzte Offensivwaffe: Kristo kam für den angeschlagenen Alvarez.

Doch aller Aufwand war vergeblich; es rächte sich, dass die Mannschaft die erste Halbzeit regelrecht verschlampt hatte. Die letzten Minuten gehörten gegen einen desorientierten VfL dem Außenseiter, der in dieser Schlussphase dem Sieg näher war – den er dann in einem dramatischen Elfmeterschießen noch erringen sollte. Verdientermaßen.


SV Drochtersen/Assel - VfL Osnabrück 7:6 i. E. (0:0)

Drochtersen/Assel: 22 Kühn – 3 Klee, 4 Serra, 21 Fiks, 15 Rogowski, 6 Grahle – 12 Mau, 26 Winkelmann, 20 Ioannou – 14 Neumann – 11 Gooßen (88. 8 Andrijanic).

VfL Osnabrück: 1 Paterok – 4 Appiah, 17 Susac, 5 Engel – 7 Renneke (89. 8 Sen), 29 Krasniqi, 13 Danneberg, 27 Falkenberg (61. 19 St. Tigges) – 20 Heider, 11 Álvarez (81. 18 Kristo), 14 Arslan.

Auf der Bank: 22 L. Tigges (Tor), 23 Bickel, 28 Möller, 37 Sama. – Es fehlten: Gersbeck (Magen-Darm-Infekt), Reimerink (Adduktorenbeschwerden), Wachs (Rückenprobleme), Groß (fiebriger Infekt), Zorba (Rotsperre), Ruschmeier, Klaas, Iyoha (alle verletzt), Dercho, Savran (beide Reha).

Zuschauer: 1863, davon etwa 150 Lila-Weiße.

Elfmeterschießen: 1:0 Mau, 1:1 Danneberg, Andrijanic verschießt, 1:2 Krasniqi, 2:2 Serra, 2:3 Sen, 3:3 Winkelmann, 3:4 Kristo, 4:4 Neumann, Arslan verschießt, 5:4 Grahle, 5:5 Heider, 6:5 Klee, 6:6 Appiah, Ioannou verschießt, Sušac verschießt, Fiks verschießt, Paterok verschießt, 7:6 Rogowski, Tigges verschießt.

Gelb: 61. Winkmann, 90.+25 Kühn/71. Danneberg, 90.+1 Appiah.

Schiedsrichter: Marius Schlüwe (Laatzen).