„Honks“-Tweet der AfD-Politikerin Bundesweites Echo auf Konter des VfL Osnabrück zu von Storch

Von Sportredaktion

Die stellvertretende AfD-Parteivorsitzende Beatrix von Storch. Foto: dpaDie stellvertretende AfD-Parteivorsitzende Beatrix von Storch. Foto: dpa

Osnabrück. Die besonnene und gleichzeitig klare Reaktion des VfL Osnabrück auf die Beleidigung von AfD-Politikerin Beatrix von Storch hat ein bundesweites Medienecho ausgelöst – und zwar für den Fußball-Drittligisten ein uneingeschränkt positives.

Wie berichtet, hatte der VfL zum Heimspiel gegen Hansa Rostock eine Kampagne unter dem Titel „gegen Rechts“ gegen Diskriminierung und Ausländerhetze gefahren. Daraufhin hatte von Storch bei Twitter unflätig reagiert und geschrieben: „Liebe Honks vom @VfL_1899 Könnt Ihr etwas präzisieren? Wer o was genau ist „rechts“?Und:wann steht Ihr auf gegen „Links“?Wenn Hamburg wieder brennt? Oder wenn die nächsten 100 kg Chemikalien zum schmutzige Bomben bauen bei Linksextremisten gefunden werden?“ Der VfL antwortete darauf gelassen mit dem Satz: „Wir werten Ihre Beleidigung und den Inhalt Ihres Tweets als Kompliment und fühlen uns in unserer Haltung bestätigt“ und bot der Politikerin ein Trikot der Aktion an – signiert vom multikulturellen Kader des VfL. Bis Dienstagnachmittag erhielt der VfL dafür schon knapp 6000 Likes und über 1700 Retweets.

Drittligist kontert AfD-Storch aus

Das bundesweite Medienecho für den Verein war uneingeschränkt positiv. „So grandios reagierte der Club“, titelte etwa das Portal „ Der Westen “. Die Bild -Zeitung schrieb unter dem Tittel „Drittligist kontert AfD-Storch aus“ über die Einlassung von von Storch: „Klarer Fall von vertwittert“ und fragte, ob man von Storch tatsächlich bald in Lila-Weiß sehe. Selbst Focus online, das das Thema erst unter der Subheadline „Zoff um Aktion gegen Rechts“ ankündigte, schrieb nach der Feststellung „AfD-Frau von Storch beleidigt VfL Osnabrück“: „Drittligist reagiert erstklassig“.

Gelassen und eher nicht süffisant

Auf welt.de titelte man mit dem schlichten Wort „Honks“ in der Unterzeile und stellte in der Hauptüberschrift heraus: „AfD-Politikerin verhöhnt VfL Osnabrück wegen Protest gegen Rassismus“. Im folgenden Text bewertete man die Reaktion des VfL darauf („wer fragt, bekommt Antwort“) merkwürdigerweise zuerst als „süffisant“, bevor der Autor weiter unten im Text zur korrekten Schlussfolgerung kommt: „In Osnabrück wird man sich vermutlich fragen, wie man von einem friedlichen Protest gegen Fremdenhass und Homophobie eine Sympathie für den Linksterrorismus ableiten kann, wie es von Storch in ihrem Post tut. Der Drittligist reagierte jedenfalls gelassen auf die Ausführungen der AfD-Politikerin.“

Enkelin von Hitlers Finanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk

Bei „ stern.de “ hieß es sogar: „Beatrix von Storch beleidigt VfL Osnabrück – der Klub bedankt sich dafür.“ Dazu stellte der verantwortliche Redakteur erklärend heraus: „Die AfD-Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch ist auf Twitter sehr aktiv. In der Regel setzt sie mehrere Tweets pro Tag ab. Darin schimpft sie auf alles, was ihr politisch gegen den Strich geht: den Islam, die Bundeskanzlerin, Linke, Multikulti. Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Am Ostersonntag nun stieß die Enkelin von Hitlers Finanzminister Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk offenbar bei ihrer morgendlichen Nachrichten-Lektüre auf eine Aktion des Fußball-Klubs VfL Osnabrück.“

„Fleisch vom Kadaver reißen“

Auch bei „ Zeit online “ legte man Wert darauf, die Machenschaften der AfD-Politikerin auf Twitter einzuordnen. „Wenn es darum geht, Attacken gegen den politischen Gegner (oder sonstige Andersdenkende) zu fahren, dann ist Twitter für Beatrix von Storch ein unverzichtbares Instrument. Der Kanzlerin wollte die AfD-Politikerin „Fleisch“ vom „Kadaver“ reißen, dem ehemaligen Justizminister Heiko Maas unterstellte sie Zitate, die dieser gar nicht gesagt hat – und nach einem (auch in arabischer Sprache verfassten) Neujahrsgruß der Kölner Polizei fragte von Storch: „Meinen Sie, die barbarischen, muslimischen, gruppenvergewaltigenden Männerhorden so zu besänftigen?“ Jetzt hat sich die stellvertretende Fraktionsvorsitzende mit einem Fußballdrittligisten angelegt.“

Reaktion „ziemlich genial“

Für die Hamburger Morgenpost war die Reaktion des Fußball-Drittligisten „ziemlich genial. Ob von Storch gerne so ein Trikot haben möchte? Wir warten auf eine Reaktion“, schrieb das Blatt. „Der Drittligist antwortet gekonnt – mit einem ganz besonderen Ostergruß“, schrieb die Rheinische Post unter der Überschrift: „VfL Osnabrück weist Beatrix von Storch auf Twitter zurecht“ und ergänzte: „Ob sich Beatrix von Storch diese Wirkung von ihrem Tweet versprochen hat, ist fraglich.“

Statt der seither schweigenden von Storch hat sich aber nun einer ihrer Parteikollegen aus Ostwestfalen-Lippe zu Wort gemeldet, wie die Neue Westfälische berichtet. Der AfD-Abgordnete im Bundestag, Udo Hemmelgarn aus Gütersloh, kommentierte die Aktion des VfL ebenfalls auf Twitter. Die sportlichen Leistungen der Osnabrücker seien derzeit mehr als durchwachsen - da brauche man auf anderer Ebene Erfolg, twitterte er und ergänzte. „brav den „Gutmenschen“ das Wort reden! Aber wer ist bei Euch ‚Rechts‘? Der ‚Stürmer‘ oder der ‚Verteidiger‘?“

VfL-Honks gegen rechts

Dass sich die Fans des VfL Osnabrück von den Kommentaren der AfD-Politiker nicht einschüchtern lassen, stellte das Blatt aber ebenfalls richtig fest. Die Reaktionen sind kaum zählbar – die meisten feiern das Statement des Clubs. Ein Anhänger twitterte: „Ich gehe davon aus, dass sich die Störchin und ihre AfDeppen diesmal die falschen Honks ausgesucht haben. Der Ball ist rund und wir sind bunt.“ Und in der Facebook-Gruppe „Treffpunkt Lila-Weiß“ hat der stadtbekannte Kabarettist Kalla Wefel, der dort als Gruppenadministrator fungiert, schon mal selbstironisch das Gruppen-Titelbild ausgetauscht. Statt „VfL-Fans gegen rechts“ heißt es dort nun „VfL-Honks gegen rechts“.