700 Leute verlassen VfL-Stadion Chaoten-Mob aus Rostock beschäftigt Polizei Osnabrück

Von Benjamin Kraus

Hier beginnt der Abgang der Rostocker in den ersten Minuten des Spiels. Foto: imago/KirchnerHier beginnt der Abgang der Rostocker in den ersten Minuten des Spiels. Foto: imago/Kirchner

Osnabrück. Verletzte Ordner, Attacken gegen Polizeibeamte, fliegende Bierbecher, massive Sachbeschädigungen: Chaoten aus dem Umfeld der Fanszene von Hansa Rostock haben am Rande der Drittligapartie beim VfL Osnabrück (1:1) gezeigt, dass für sie der Fußball keinesfalls im Zentrum ihres Handelns steht.

Das war auch offensichtlich zu sehen für alle Stadionbesucher, als kurz nach dem Anpfiff zu Beginn der Partie mehr als die Hälfte der Menschen im zunächst prall gefüllten Gästeblock den Ausgängen entgegen strebten und das Stadion verließen. „Das waren bestimmt 700 Personen, die auf einmal raus wollten. Für uns war zuerst überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die erst 400 Kilometer weit gefahren sind und dann plötzlich das Spiel doch nicht mehr sehen wollten“, berichtete Alexander Meyer als Einsatzleiter der Polizei Osnabrück.

Zwei Vorfälle als mögliche Auslöser

Auslöser für die massive Flucht aus dem Gästeblock waren nach Rekonstruktion der Ereignisse durch die Polizei offenbar zwei Ereignisse: Erstens ein Vorfall im Bereich neben dem Gästeblock unter der Anzeigetafel, als Rostocker dort ihre Zaunfahnen aufhängen wollten. Dabei gerieten sie mit Stadionordnern aneinander – und als andere Rostocker Chaoten im Gästeblock auf dieses Handgemenge aufmerksam wurden, versuchten sie, sich einzumischen: Durch die Stürmung der Plattform unter der Anzeigetafel. „Wir haben sie dann mit einem kurzen, entschlossenen Einsatz wieder zurückgedrängt“, berichtete Meyer – ein Ordner wurde im Zuge dieser Vorfälle verletzt.

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Der zweite Vorfall spielte sich hinter dem Gästeblock ab, wo sich einige Besucher aus Rostock kurz vor dem Anstoß geweigert haben, sich durch das Ordnungspersonal durchsuchen zu lassen. „Wir haben übrigens kein Durchsuchungszelt in Osnabrück, sondern nur einen durch einen etwa 1,60 Meter hohen Bauzaun plus Plane abgesperrten Bereich, zu dem Leute geleitet werden, wenn wir uns ihre mitgebrachten Fanutensilien und Spruchbänder genauer anschauen wollen. Das läuft alles transparent ab und ist für jeden Beobachter einsehbar“, erklärte Meyer. Trotzdem entwickelte sich aus der Weigerung der Chaoten, sich durchsuchen zu lassen, ein Handgemenge mit den Ordnern.

700 wollen wieder nach Hause

„Das haben dann viele Rostocker mitbekommen, die schon im Stadion waren – die sind rausgegangen, um zu gucken, was dort denn los ist“, erklärte Meyer. Als klar war, dass die Chaoten ohne Durchsuchung nicht ins Stadion kommen werden, verzichteten viele Rostocker, die bereits die Kontrollen hinter sich gebracht haben, darauf, das Spiel zu sehen. Prägende Personen der aktiven Fanszene kehrten nur noch zurück in den Gästeblock, um die Rostock-Banner, die Trommeln und das Megafon wieder abzubauen und mitzunehmen.

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„Wir mussten dann über die Fanbeauftragten erst einmal Kontakt aufnehmen, um zu erfahren, was die Leute denn vorhaben. Als klar war, dass sie tatsächlich auf einmal nach Hause wollen, mussten wir die Abreise organisieren“, erklärte Meyer. So wurden die Shuttle-Busse zum Transport zum Bahnhof frühzeitiger zum Stadion beordert für diejenigen, die mit dem Zug angereist waren, was etwas dauerte.

Massiver Landfriedensbruch

In dieser Situation sind aus dem etwa 700 Mann starken Mob, der hinter der Westtribüne stand, „schwere Straftaten verübt“ worden, wie Meyer sagte. Konkret habe es einen Ausbruchsversuch der Chaoten aus dem Bereich hinter dem Stadion gegeben. Die Polizei verhinderte durch eine Kette, dass sich die Chaoten in Kleingruppen auf den Weg in die Stadt machen und nahm eine Person, die Beamte geschlagen haben soll, sofort wegen Landfriedensbruch fest. Weitere Festnahmen erfolgten nach einer ersten Auswertung des Videomaterials, das die Polizei vor Ort anfertigte. Szenekundige Beamte werden das Material in den kommenden Tagen weiter auswerten. (Weiterlesen: „Gegen rechts“: VfL Osnabrück bezieht Stellung)

Feuer in den Toiletten

„Zudem sind aus dem Pulk heraus Bierbecher und weitere Gegenstände auf die Polizeibeamten geworfen worden. Auch hier haben wir einen verletzten Ordner zu beklagen“, sagte Meyer. Außerdem setzten die Chaoten ein Dixieklo hinter der Westtribüne in Brand und legten Feuer in der Damentoilette der Gästetribüne, wo Spülkästen beschädigt wurden – daher kamen die Rauchschwaden, die zu Beginn der zweiten Halbzeit über dem Gästeblock aufgestiegen waren. „Sicher ist, dass bei diesen Leuten der Fußball nicht im Mittelpunkt stand“, sagte Meyer.

Unabhängig von diesen Ereignissen überschattete ein Todesfall nach einem medizinischen Notfall auf der Tribüne die Partie.