Arslan und Paterok kurzfristig in der Startelf Wieder nur ein Punkt: VfL Osnabrück 1:1 gegen Hansa Rostock

Von Harald Pistorius und Benjamin Kraus


Osnabrück. Der VfL Osnabrück versuchte alles, doch es gelang wenig: Die Mannschaft von Trainer Daniel Thioune war nach einer schwachen ersten Halbzeit dem Sieg näher als der FC Hansa Rostock, doch es reichte vor 8500 Zuschauern nur zu einem 1:1 im 32. Saisonspiel der 3. Liga. Die Lila-Weißen sind seit sechs Spielen sieglos.

Dennoch verbesserte sich die Lage des VfL in der Tabelle: Weil der Chemnitzer FC gegen die SG Sonnenhof Großaspach mit 2:3 verlor, trennen nun neun Punkte die Lila-Weißen von der Abstiegszone. Die gegenüber Chemnitz klar bessere Tordifferenz ist einen weiteren Zähler wert, so dass die Gefahr des Absturzes in die Viertklassigkeit zumindest nicht akut ist.

Erreicht ist das Minimalziel der Saison damit noch nicht, ein anderes muss am Dienstag erfüllt werden. Dann tritt der VfL beim SV Drochtersen Assel zum Halbfinale im Niedersachsenpokal an und kann sich mit einem Sieg für den DFB-Pokalwettbewerb 2018/19 qualifizieren. Für den Verein und sein Anhänger hat dieses Ziel herausragende Bedeutung.

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Kurzfristig musste Trainer Daniel Thioune seine geplante Startelf auf zwei Positionen verändern: Torwart Marius Gersbeck wurde von einem Magen-Darm-Infekt auf die Bank gezwungen, für ihn spielte der in Würzburg und gegen Münster erprobte Tim Paterok.

Auf dem Aufstellungsbogen fehlte Ahmet Arslan noch, doch beim Einlaufen war er dabei: Marc Wachs verletzte sich beim Warmmachen, eine Diagnose steht noch aus, für ihn übernahm Konstantin Engel die Linksverteidiger-Rolle, Arslan spielte den für Engel vorgesehenen Part im zentralen Mittelfeld. Die beiden kurzfristig in die Startelf gerutschten Profis hatten großen Anteil am Unentschieden: Arslan erzielte mit seinem ersten Saisontor das 1:1, und Paterok war ein sicherer Rückhalt. (Weiterlesen: Chaoten-Mob aus Rostock beschäftigt Polizei Osnabrück)

Die dritte Veränderung im Vergleich zur Startelf beim 4:4 in Erfurt: Anstelle von Marcel Appiah verteidigte auf der rechten Seite wieder Bashkin Renneke.

Patzer von Engel leitet Gegentor ein

Ein schwerer Patzer von Konstantin Engel leitete das 0:1 ein. Der Routinier ließ einen leicht abzufangenden Pass unter der Sohle durchrutschen in den Lauf von Owusu, dessen Hereingabe Sama zunächst in den Rückraum abwehrte. Doch dort rauschte Breier heran, war schneller als Renneke und traf aus vollem Lauf unhaltbar halbhoch ins linke Eck (17.) – erste Chance des Spiels, erstes Tor.

Der VfL agierte nach dem Rückstand genauso wie vorher: Gehemmt, uninspiriert, harmlos. Die erste Chance hatte Marcos Alvarez in der 25. Minute, als Blaswisch seinen 12-Meter-Flachschuss parierte. Anzumerken war den meisten Spielern die Verunsicherung; oft sah es so aus, als wollte jeder nur möglichst schnell den Ball und damit die Verantwortung loswerden.

Kein Wunder, dass es bis zur Pause nur noch zwei Chancen durch beherzte Distanzschüsse gab; sowohl den Versuch von Renneke (41.) als auch den von Arslan (45.+1) parierte der starke Blaswich.

Arslan mit dem Kopf zum Ausgleich

Der kurzfristig in die Startelf gerückte Arslan hatte mit einigen guten Ansätzen schon vor der Pause den Weg aufgezeigt und so war es kein Zufall, dass der Mann mit der Nummer 14 den Ausgleich erzielte. Reimerinks Heber über die Rostocker Abwehr war ebenso überlegt und technisch perfekt wie der Kopfball von Arslan ins lange Eck (50.). Es war im 26. Saisoneinsatz der erste Saisontreffer für den Mittelfeldspieler. (Weiterlesen: „Gegen rechts“: VfL Osnabrück bezieht Stellung)

Der VfL nahm zwar etwas mehr Schwung auf, doch den Spielfluss der guten Heimspiele unter Thioune fand das Team nur manchmal. Sama hatte nicht die nötige Übersicht, als sich ihm im Strafraumgetümmel eine Chance bot (58.). Die Rostocker kamen gegen eine weiter wackelige VfL-Abwehr zu Möglichkeiten, bei der besten scheiterte Breier am sicheren Paterok (67.).

Den besten Osnabrücker Angriff über Alvarez, Reimerink und Heider brachte Danneberg in gute Position, doch der vor dem Anpfiff für sein 300. Spiel in der 3. Liga geehrte Jubilar verzog kläglich – allerdings aus Abseitsposition, ein Treffer hätte nicht gezählt.

Pfiffe gegen Amaury Bischoff

Immerhin: der VfL biss sich immer wieder in die Partie und versuchte alles, um die Rostocker unter Druck zu setzen. So hatte die Mannschaft den Sieg eher verdient als der FC Hansa, doch es sollte nicht sein: So rutschte Marc Heider nach guter Vorarbeit von Alvarez und Danneberg beim Schussversuch aus und verzog klar (81.).

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Am lautesten wurde es an der Bremer Brücke, als in der 72. Minute Amaury Bischoff eingewechselt wurde. Der Mittelfeldspieler hatte – damals noch im Trikot von Preußen Münster – vor vier Jahren mit einem brutalen Tritt den Osnabrücker Tom Merkens so schwer verletzt, dass der seine Profilaufbahn nach mehreren Comebackversuchen beenden musste; inzwischen spielt er für den TSV Havelse in der Regionalliga.

Bischoff wurde mit Pfiffen und Schmährufen empfangen und bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Als Steffen Tigges dem Mittelfeldmann den Ball bei einem Befreiungsschlag versehentlich mit voller Wucht an den Kopf schoss, feierten das viele Zuschauer und forderten „Zugabe“. Bei allem Verständnis für die Anteilnahme für Merkens: Das geht zu weit und verletzt die Ansprüche eines Clubs, der Fairplay von sich und anderen fordert.

Während des Spiels musste ein Zuschauer auf der Nordtribüne akut behandelt und vom Notarzt reanimiert werden. Der langjährige Dauerkarten-Inhaber wurde ins Marienhospital gebracht, wo er am frühen Abend verstarb.


VfL Osnabrück - Hansa Rostock 1:1 (0:1)

VfL: 1 Paterok – 7 Renneke, 17 Susac, 37 Sama, 5 Engel (ab 85. Sen) – 15 Reimerink (ab 71. 19 S. Tigges), 10 Groß 14 Arslan, 20 Heider – 11 Alvarez, 13 Danneberg (ab 71. 23 Bickel).

Rostock: 18 Blaswich – 27 Rankovic, 5 Hüsing, 3 Riedel, 6 Holthaus – 14 Owusu (ab 72. 10 Bischoff), 24 Wannenwetsch, 19 Henning (ab 46. Grupe), 20 Scherff – 39 Breier, 23 Benyamina.

Tore: 0:1 Breier (17., Rechtsschuss nach Vorlage Owusu), 1:1 Arslan (50., Kopfball, Flanke Reimerink).

Gelbe Karten:23. Reimerink, 48. Susac, 68. Rankovic, 90. Sen.

Zuschauer: 8500