Wildes 4:4 in Erfurt Vier Tore reichen dem VfL Osnabrück nicht zum Auswärtssieg

Von Harald Pistorius und Susanne Fetter

Tim Danneberg traf zum zwischenzeitlichen 2:3. Foto: imago/Karina HesslandTim Danneberg traf zum zwischenzeitlichen 2:3. Foto: imago/Karina Hessland 

Erfurt. Fußball verrückt im Steigerwaldstadion: Der VfL Osnabrück erreichte beim designierten Absteiger der 3. Liga, Rot-Weiß Erfurt, in einem turbulenten Spiel mit einem 4:4 sein Minimalziel, ließ aber wegen einer desolaten Abwehrleistung viele Wünsche offen.

Deshalb reichten vier Tore nicht zum dritten Auswärtssieg in einem unterhaltsamen, abwechslungsreichen Spiel. Es fehlt in der Defensive an Organisation und Führung, die Erfurter hatten Chancen für sieben oder achte Tore – der VfL allerdings auch. ( Hier der Liveticker zum Nachlesen)

Gegen den Abstiegssog

Mit etwas mehr Konzentration und Disziplin hätte es zum Erfolg reichen müssen, dann lägen zwischen dem Chemnitzer FC, der einen Tag zuvor 1:4 gegen Wehen Wiesbaden verloren hatte, und dem VfL jetzt zehn und nicht nur acht Punkte. Dennoch: In den Abstiegssog dürfte die Mannschaft, deren klar bessere Tordifferenz einen weiteren Punkt wert ist, nicht mehr geraten.

Auch wegen der Offensivkraft, die sich in etlichen Chancen und vier gut herausgespielten Treffern niederschlug. Diese Stärke muss die Mannschaft auch in den nächsten Wochen ausspielen – zum einen, um in attraktiven Spielen wie am Samstag (14 Uhr) gegen Hansa Rostock für die nächste Saison zu werben. Zum anderen, um am nächsten Dienstag (19 Uhr) mit einem Sieg beim Regionalligisten SV Drochtersen Assel den Einzug in den DFB-Pokal-Wettbewerb 2018/19 perfekt zu machen. (Weiterlesen: Fans des VfL protestieren gegen einen Sponsor)

Álvarez in der Startelf

Mit Wachs für den gelbgesperrten Engel und mit Alvarez für Sen begann der VfL im regnerischen Erfurt. Nach sechs Minuten rechtfertigte Alvarez seine Nominierung: Sein achtes Saisontor war wieder mal ein kleines Kunststück: Acht Meter mit dem Rücken zum Tor stehend gab er dem Ball nach einem Flachschuss von Groß mit der Hacke des rechten Fußes die entscheidende Richtungsänderung.

Leider verfiel der VfL nach der frühen Führung gegen den Abstiegskandidaten in Lässigkeit und Lethargie; vielleicht schien einigen die Aufgabe nun leichter. Ein Irrglaube, den die engagierten Erfurter nutzten.

Vogelwildes Abwehrverhalten

Innerhalb von acht Minuten machten die Gastgeber aus dem Rückstand eine Führung: Appiah ließ Biankadi von links flanken, Huth traf per Kopf im Rücken der desorganisierten Abwehr (18.). Beim 1:2 sah Gersbeck alt aus, weil er sich von einem Heber aus 20 Metern von Crnkic düpieren ließ; fünf Meter vor dem Tor stehend.

Es ging vogelwild weiter im schönen, aber schlecht besuchten Steigerwaldstadion, jetzt war der VfL am Zug. 293 Ligaminuten war der Mannschaft kein Treffer gelungen, jetzt wurden es drei in der ersten Halbzeit: Mit ihren Kopfbällen – jeweils nach Rechtsflanken von Reimerink – sorgten Heider (29.) und Danneberg (37.) für die verdiente, aber wackelige Pausenführung.

Fröhliches Toreschießen

Einen Kurzvortrag über effektive Defensivarbeit hielt sicher keiner der beiden Fußballlehrer in der Pause, denn die Einladung zum fröhlichen Toreschießen hielten beide Abwehrreihen aufrecht. Lauritos Kopfball nach einer Kaffenberger-Ecke, den weder Appiah noch Sama verhinderten, brachte den Erfurtern den Ausgleich (49.), ein Abstauber von Huth nach einer Parade von Gersbeck die erneute Führung (65.). Zuvor hatte Trainer Thioune reagiert, den gelbbelasteten Sama ausgewechselt und Groß ins Abwehrzentrum beordert.

Es dauerte keine zwei Minuten bis zum nächsten Treffer – diesmal kam wieder ein Erfurter Geschenk in Osnabrücker Hände: Zwei Rot-Weiße ließen einen Pass von Heider passieren, so dass Iyoha zum 4:4 einschieben konnte (67.).

Es gab auch in den letzten gut zwanzig Minuten etliche Chancen, so dass es leicht das torreichste Spiel der Drittliga-Geschichte hätte werden können. Diese Bestmarke verbleibt nun bei Eintracht Braunschweig und Fortuna Düsseldorf, die sich am 10. Mai 2009 5:5 trennten.

Heider (70.) und Alvarez (86.) scheiterten am starken RWE-Torwart Klewin, auf Erfurter Seite traf Razeek mit einem Kopfball die Latte (73.), ehe Huth einen Schritt zu spät kam, um den Ball ins leere Tor zu drücken. (Weiterlesen: Das tut sich in der 3. Liga)


27. Spieltag: RW Erfurt – VfL Osnabrück 4:4 (2:3)

RW Erfurt: 1 Klewin – 6 Laurito, 21 Möckel, 33 Kraulich, 20 Kurz (46. 16 Kwame) – 7 Bergmann (81. 24 Rüdiger), 30 Kaffenberger – 9 Uzan (71. 18 Razeek), 19 Biankadi, 11 Crnkic – 32 Huth.

VfL Osnabrück: 21 Gersbeck – 4 Appiah, 17 Susac, 37 Sama (55. 25 Iyoha), 15 Wachs – 14 Arslan, 10 Groß, - 15 Reimerink (70. 7 Renneke), 13 Danneberg, 20 Heider (76. 19 St. Tigges) – 11 Álvarez.

Reserve: 1 Paterok (TW), 8 Sen, 23 Bickel, 27 Falkenberg.

Es fehlten: Engel (Gelbsperre), Dercho (Reha/OP am Sprunggelenk), Savran (Innenbandriss, Knorpelschaden), Krasniqi (U-21-Einsatz) Ruschmeier (Sprunggelenk), Kristo (Erkältung), Leon Tigges, Zorba, Möller (nicht im Kader).

Tore: 0:1 Álvarez (6., Verlängerung mit der Hacke nach Schuss von Groß und Vorarbeit von Reimerink), 1:1 Huth (18., Kopfball nach einer Flanke von Biankadi), 2:1 Crnkic (25., Heber nach Pass von Huth), 2:2 Heider (29., Kopfball nach Flanke von Reimerink), 2:3 Danneberg (37., Kopfball nach einer Flanke von Reimerink), 3:3 Laurito (49., Kopfball nach einer Ecke), 4:3 Huth (65., Rechtsschuss nach einer Abwehr von Gersbeck), 4:4 Iyoha (67., Linksschuss nach Pass von Heider).

Gelb: 38. Bergmann, 90. Huth/51. Sama (4. Verwarnung), 64. Arslan (6.), 90. Danneberg (2.).

Schiedsrichter: Wolfgang Haslberger (St. Wolfgang).

Zuschauer: Rund 3421, davon etwa 150 aus Osnabrück.

Das nächste Spiel: am Samstag (31. März, 14 Uhr) gegen Hansa Rostock.