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28.03.2018, 18:00 Uhr KOMMENTAR ZU DEN PROTESTEN IN OSNABRÜCK

Fußball gegen rechts: Zwischen Kampagne und Alltag

Von Harald Pistorius


Protest: In der Fankurve des VfL Osnabrück regt sicht Widerstand gegen ein Mitglied und Sponsor des Vereins. Foto: Helmut KemmeProtest: In der Fankurve des VfL Osnabrück regt sicht Widerstand gegen ein Mitglied und Sponsor des Vereins. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Fans des VfL Osnabrück machen aufmerksam auf ein Vereinsmitglied, der auch Kleinsponsor ist. Der Mann verbreitet bei Facebook Hinweise auf rechtspopulistische Seiten und Ansichten. Der Fall zeigt nach Ansicht unseres Kommentators, wie leicht Kampagnen gegen rechts fallen und wie schwer es im Einzelfall ist, dagegen vorzugehen.

Sich allgemein gegen Rassismus, Vorurteile und Diskriminierung zu stellen, ist leicht. Konkret vorzugehen gegen Menschen, die unsere Grundwerte missachten, Hass verbreiten und Minderheiten attackieren, ist schwer.

Versuchen muss man es – nein, nicht dennoch, sondern erst recht. Natürlich kann ein Sportverein seine Mitglieder und Geschäftspartner keiner Gesinnungsprüfung unterziehen. Aber er kann immer wieder deutlich machen, dass die Werte von Verständnis, Respekt und Menschenwürde gerade im Sport vermittelt und praktiziert werden. Deshalb genießen sie dort besonderen Schutz.

Natürlich weiß auch Peter Fischer, der Präsident von Eintracht Frankfurt, der die Mitgliedschaft in der rechtspopulistischen AfD für unvereinbar mit der Zugehörigkeit zur Eintracht erklärt hat, dass dieser Anspruch Grenzen hat, wenn es um die praktische Umsetzbarkeit geht.

Aber Fischer setzte damit ein Zeichen von Symbolkraft: Wer so denkt, gehört nicht zu uns. Ein solches Bekenntnis hilft vielleicht nicht im Einzelfall, aber es ist eine Mahnung an alle, die eine Gesellschaft spalten und die Schwachen zu Sündenböcken machen wollen.

Damit werden die gestärkt und ermutigt, die am Arbeitsplatz, in der Schule oder im Stadion mit solchen Fouls konfrontiert werden und gegenhalten wollen – gegen den rassistischen Witz, das hämisch verbreitete Vorurteil oder die direkte persönliche Attacke.

Denn dort, im kleinen, unscheinbaren Alltag entscheidet sich, ob es uns gelingt, die großen Werte unserer Gesellschaft gegen die Angriffe vom rechten Rand zu verteidigen. Deshalb ist die Beharrlichkeit und das Engagement der VfL-Fans ausdrücklich anzuerkennen.


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