Kein neuer Vertrag im Club Lila-Weiß Warum Fans des VfL Osnabrück gegen einen VfL-Sponsor protestieren

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Aus der Fankurve des VfL Osnabrück kommen die Proteste gegen ein Mitglied und Sponsor des Vereins. Foto: imago/Picture Point LEAus der Fankurve des VfL Osnabrück kommen die Proteste gegen ein Mitglied und Sponsor des Vereins. Foto: imago/Picture Point LE

Osnabrück. Kein Champions League-Abend ohne die Mahnung, Rassismus keinen Raum zu geben. Ein kompletter Bundesliga-Spieltag im Zeichen des Kampfs gegen Diskriminierung. Zu jedem Länderspiel gehört der Werbespot der Nationalspieler für eine offene, vorurteilsfreie Gesellschaft. Solche Kampagnen fallen leicht. Schwierig wird es, wenn es um einen konkreten Fall geht, wie er zur Zeit den VfL Osnabrück beschäftigt.

Seit Monaten protestiert ein Teil der Fanszene gegen einen Mann, der Mitglied im e. V. ist und mit seiner Firma dem Club Lila-Weiß angehört. Im Internet und auf Transparenten fordern Fans Maßnahmen des VfL gegen den Mann und berufen sich auf Punkt 4 in Paragraph 2 der Vereinssatzung: „Der Verein bekennt sich zur Toleranz und zum Grundsatz des Fair-Play und damit gegen Rassismus, Gewalt und Diskriminierung in jeglicher Form.“

Vor allem auf seiner Facebook-Seite verstößt der Mann nach Ansicht der Kritiker gegen diese Werte. Regelmäßig verlinkt er hier auf Seiten mit rechtspopulistischen Inhalten oder postet Motive, die Vorurteile gegen Flüchtlinge, Muslime oder andere Minderheiten transportieren, oft in diffamierender Art und Weise. Er selbst kommentiert das manchmal. (Weiterlesen: Interview mit Jürgen Wehlend zu dem Thema)

Zwei Beispiele: Den Bericht über die Messerattacke eines jugendlichen Palästinensers gegen eine dabei lebensgefährlich verletzte Frau kommentiert er so: „Bedauerlicher Einzelfall Nr. 9817651551727388.“ Ein Artikel mit der Überschrift „Blutiges Wochenende – Messerattacken in ganz Deutschland“ bekommt von ihm die Begleitzeile: „Es ist erst der Anfang...“

Mal reichen ihm sechs lachende Emoticons – über dem Text „Urlaub in Polen. Bier: 1,50 Euro. Schnitzel 5 Euro. Keine Kopftücher sehen: Unbezahlbar.“ Nach dem Attentat in Barcelona im August 2017 verlinkte er auf einen Artikel vom Februar, der über eine Demonstration in Barcelona berichtete, bei der sich Tausende für die Aufnahme von Flüchtlingen ausgesprochen hatten. Sein Kommentar: „Im Februar bestellt, im August geliefert.“

Föderer im Club Lila-Weiß

Der Mann ist mit seinem Unternehmen Mitglied im Club Lila-Weiß, das ist die sechste von acht Ebenen in der Sponsoringpyramide des VfL. Abgesehen von seiner inzwischen beendeten Teilnahme an der Aktion „Spielerpate“ ist er im VfL-Sponsoring nicht öffentlich aufgetreten. Auf seiner Facebook-Seite tauchte der VfL bislang so gut wie nie auf – am Wochenanfang allerdings hatte der Osnabrücker das Foto eines der kritischen Spruchbänder aus der VfL-Kurve als Titelbild eingefügt.

Der VfL Osnabrück beschäftigt sich nach Aussage mehrerer Funktionsträger mit dem Fall, will sich aber zu dem „schwebenden Verfahren“ nicht öffentlich äußern. In einem NOZ-Interview darauf angesprochen, sagte Geschäftsführer Jürgen Wehlend: „Unsere Haltung ist klar: Der VfL und seine Fans sind entschieden gegen jede Art von Rechtsradikalität und Rechtspopulismus.“

VfL will Mitgliedschaft vermutlich nicht verlängern

Nach unseren – unbestätigten – Informationen wird der VfL den Vertrag über die Mitgliedschaft im Club Lila-Weiß über das Ende der Saison 2017/18 hinaus nicht verlängern. Für den e.V. beschäftigt sich der Ehrenrat mit den Vorwürfen, offenbar liegt ein Antrag auf Vereinsausschluss vor; der Mann stellte sich dem Gremium zum Gespräch, über dessen Ergebnis nichts bekannt ist.

Keine Stellungnahme

Eine Anfrage der Redaktion mit der Bitte um einen Kommentar zu den Protesten der Fans und zu den Beratungen der Vereinsgremien lehnte der Mann im November 2017 mit diesen Worten ab: „Dies würde nur darauf hinaus laufen, weiterhin übereinander zu reden, anstatt miteinander zu sprechen. Einer sachlichen Diskussion mit mir bis heute persönlich völlig unbekannten Kritikern meiner Person würde ich mich stellen, um diese leidige Hetze gegen meine Person zu versachlichen und idealerweise zu einem friedlichen Ende zu führen. Ich kandidiere für kein Amt. Ich bin lediglich Fan mit einer Dauerkarte und unterstütze den Verein mit meinem Mitgliedsbeitrag. Ein anderer Bezug zum VfL Osnabrück besteht meinerseits nicht und ist auch nicht geplant.“


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