Riegel hält nicht bei 0:2 in Magdeburg VfL Osnabrück: Selbst eine Sechserkette lässt sich ausspielen

Von Benjamin Kraus


Magdeburg. Der Riegel war massiv und hielt lange – aber nicht lange genug. Wenigstens aber bleibt dem VfL Osnabrück nach dem 0:2 beim 1. FC Magdeburg das Fazit, dass sich die Lage in der 3. Fußball-Liga nicht verändert hat.

Und das ist keine ganz schlechte Nachricht bei nun nur noch acht Spielen bis zum Saisonende und sieben Punkten Vorsprung auf den Abstiegsplatz 18. Plus die nach wie vor weit bessere Tordifferenz gegenüber dem Chemnitzer FC, wofür dankenswerterweise die Sportfreunde Lotte mit ihrem 3:1-Sieg gegen die Sachsen am Samstag gesorgt haben. Diese Zahlen sprechen für den VfL – andere aber geben Anlass zur Sorge. „Uns fehlen Tore“, konstatierte Trainer Daniel Thioune zu Recht nach dem Spiel am Sonntag angesichts der dritten Partie in Serie ohne Punkt und Treffer für Lila-Weiß.

Nun hatte beim Aufstiegs-Aspiranten 1. FC Magdeburg natürlich zunächst einmal Tore zu verhindern im Mittelpunkt gestanden. Thioune hatte in diesem Sinne einmal mehr mit seiner Aufstellung überrascht, die beiden zuletzt aktiven Außenverteidiger Marc Wachs und Bashkim Renneke auf die Bank gesetzt und gegen die drei eng stehenden Spitzen Philipp Türpitz, Florian Pick und Stoßstürmer Christian Beck mit vier etatmäßigen Innenverteidigern (Marcel Appiah, Adam Susac, Stephen Sama, Konstantin Engel) begonnen.

Phasenweise agierte der VfL sogar mit einer Sechserkette: weil zusätzlich die Außenbahnspieler Marc Heider und Jules Reimerink gegen die offensiven Flügelspieler der Gastgeber mit verteidigten. Und das schmeckte den Magdeburgern überhaupt nicht: Die Schnelligkeit und Wendigkeit nicht nur von Tobias Schwede und Nils Butzen verpufften lange in den nicht vorhandenen Räumen und in den Zweikämpfen.

Da wurde nach einer wilden Anfangsphase sogar das frenetisch anfeuernde Publikum im mit Abstand lautesten Drittliga-Stadion Deutschlands ein wenig ruhiger. Ein Kopfball und ein Fernschuss von Beck, ein Fernschuss und eine Flugeinlage im Strafraum von Türpitz nach einem bestenfalls leichten Kontakt von Tim Danneberg: So lautete die dürftige Offensivbilanz des Tabellenzweiten nach 55 Minuten. Magdeburg hatte bis dahin keine klare Torchance.

Der VfL aber auch nicht. Woran das lag, konnte man beim folgenden Gegentor gut beobachten: die beiden eher klein gewachsenen Osnabrücker Ahmet Arslan und Utku Sen, der als zentrale Spitze sein Startelf-Debüt feierte, versuchten an der Mittellinie in aussichtsreicher Position, den Ball zu behaupten. Doch sie erwiesen sich im Zweikampf als zu wenig durchschlagskräftig – und wegen der fehlenden Entlastung entstand der Druck auf den Riegel, der ihn letztlich zum Bersten brachte.

Magdeburg wechselte schnell die Seite, Nils Butzen hielt den Angriff trotz eines Reimerink-Fouls am Leben, Tobias Schwede entzog sich dem Zweikampf mit Konstantin Engel durch eine geschickte Drehung plus Rückpass, der auch Tim Danneberg aus dem Spiel nahm. Der VfL-Akteur hatte Philipp Türpitz aus den Augen verloren – und jener schoss trocken und humorlos aus 16 Metern am wieder fitten VfL-Torhüter Marius Gersbeck vorbei zum 1:0 ein.

Thioune reagierte und brachte die Offensivkräfte Marcos Álvarez und Steffen Tigges, um die Struktur des Spiels zu verändern. Chancen erarbeitete sich der VfL in der Schlussphase aber nur über Standards. Doch das hätte fast gereicht: Eine Kopfball-Ablage von Heider traf Tigges aus der Drehung voll – und das Leder rauschte nur Zentimeter über den Kasten von Jan Glinker.

Statt des 1:1 fiel in der letzten Minute das 0:2: Tobias Schwede, im Januar 2016 als Testspieler auch im VfL-Trikot aktiv, nahm sich nach einer abgewehrten Ecke den Ball und rannte mit ihm über das ganze Feld an den verbliebenen Osnabrückern vorbei – auch an Gersbeck, dessen Timing beim Herauslaufen nicht stimmte – und schob zur Entscheidung ein. Schiedsrichter Florian Badstübner beendete die Partie direkt. Sein Schlusspfiff ging im Beifallssturm der euphorisierten 18616 Zuschauer in der MDCC-Arena unter.

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