Vor dem Duell in Lotte Chemnitzer FC erwacht im Tabellenkeller zum Leben

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück/Chemnitz. War das die Initialzündung beim Chemnitzer FC? Nach dem 2:1-Erfolg gegen Werder Bremens U23 wittern die Sachsen Morgenluft im Abstiegskampf der 3. Fußball-Liga. Mit einem Sieg bei den Sportfreunden Lotte am Samstag ist sogar der Klassenerhalt aus eigener Kraft möglich – daher muss auch der VfL Osnabrück wieder zittern.

Die gute Nachricht für Lotte, den VfL und die weiteren fünf, sechs Clubs davor, die sich noch nicht als völlig gesichert wähnen können: Bis dato hat der CFC in dieser Saison noch nie zwei Liga-Spiele hintereinander gewinnen können. Gelingt den Sachsen allerdings auch ein Sieg in Lotte wie im Hinspiel (3:1), könnten sie mit einem weiteren Erfolg im Nachholspiel am Dienstag darauf zu Hause gegen Wehen Wiesbaden an den Sportfreunden vorbeiziehen – und bis auf einen Zähler an Osnabrücks aktuellen Punktestand heranrücken. Und ob jener bis dahin wächst, ist fraglich: Nach der Absage der Partie in Erfurt bleibt dem VfL dafür nur die schwere Aufgabe am Sonntag beim Tabellenzweiten 1. FC Magdeburg. Es ist jedenfalls nicht unwahrscheinlich, dass der fast schon entschieden geglaubte Abstiegskampf noch einmal richtig Fahrt aufnimmt.

Die Hoffnung des Chemnitzer FC hat vor allem einen Namen: Marc Endres. Mit dem Abwehrchef über 90 Minuten an Bord holte der CFC in 19 Saisonspielen 22 Punkte – eine Bilanz, die den Kurs Klassenerhalt erahnen lässt. Aber als sich der 27-Jährige Mitte November in der Partie in Würzburg an der Achillessehne verletzte, ging die große Krise des CFC los: Endres musste zur Pause (0:0) raus, der CFC verlor noch 0:3 – und schlitterte in eine unheilvolle Pleitenserie mit teils drastischen Resultaten wie dem 1:6 in Osnabrück.

Von den acht Spielen, in denen der kopfball- und zweikampfstarke Innenverteidiger komplett fehlte, verlor der CFC sieben – seit Mitte Februar ist er wieder da. Und seither punktet der CFC wieder konstant, wie in den letzten beiden Heimspielen: Erst als Endres gegen Halle 15 Minuten vor Schluss wegen Muskelproblemen raus musste, kassierten die Sachsen den Ausgleich zum 1:1 – und als er sich gegen Bremens U23 fit für 90 Minuten meldete, gelang die wichtige Distanzierung des Bundesliga-Nachwuchses (Tabellen-19.) auf sechs Punkte.

Den 2:1-Erfolg gegen Werder II sicherten zwei Akteure, die im Winter nach schwächeren Leistungen in der Kritik standen, sich aber zuletzt auf gutem Niveau stabilisiert haben: Erst verwandelte Spielmacher Dennis Grote souverän einen Foulelfmeter, dann traf Myroslav Slavov in Mittelstürmer-Manier zum vorentscheidenden 2:0. Der hoch aufgeschossene 27-Jährige (1,97 Meter) stand wegen seiner guten Trefferquote im Frühjahr 2017 beim Regionalligisten Berliner AK auch in den Notizblöcken des VfL Osnabrück, entschied sich aber für die Sachsen. Dort ist er mit neun Saisontreffern zweitbester Torschütze hinter dem früheren RB Leipzig- Stürmer Daniel Frahn (11).

Der 29-Jährige ist einer der wenigen verbliebenen großen Namen im Kader – abseits davon hat sich in dieser Saison schon bemerkbar gemacht, dass der seit Jahren an Finanzproblemen leidende CFC vor allem in der Breite an Qualität verloren hat. So sind Verletzungen wie die von Endres oder Florian Trinks (38 Bundesliga-Einsätze für Werder Bremen, fehlt nach Riss des Syndesmosebandes) besonders bitter. Youngster wie der flinke Außenstürmer Tom Baumgart, ein CFC-Eigengewächs, der gegen Werders U23 den Elfmeter herausholte, müssen früh ihren Mann stehen.

All diese Probleme lassen David Bergner aber völlig kalt. „Seiner Körpersprache nach zu urteilen, müsste seine Elf die Tabelle mit mindestens fünf Punkten Vorsprung anführen“ schrieb die Regionalzeitung „Freie Presse“ vor dem Kellerduell gegen Werder über das Auftreten des Trainers, der die Welt für den Tabellen-18. angesichts der Lage auf ein simples „Entweder-oder“ reduzierte: Entweder, wir steigen ab, was alle erwarten – oder wir schaffen es noch, was alle als CFC-Wunder feiern würden.

Das Restprogramm gibt Anlass zum Optimismus: Mit Wehen Wiesbaden und Magdeburg geht es zwar noch gegen Spitzenteams, mit Lotte, Großaspach und Münster aber auch gegen erreichbare Konkurrenten – und ansonsten gegen Mannschaften, die sich vielleicht im Saisonfinale schon in ihrer Tabellenregion eingerichtet haben. „Wir sehen die große Chance, den Klassenerhalt sportlich zu schaffen“, sagt Bergner.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN