„Eigentlich habe ich nur draufgeschossen“ VfL-Kicker Reimerink: Lockerheit als Erfolgsrezept

Meine Nachrichten

Um das Thema VfL Osnabrück Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Osnabrück. Wer glaubt, es gebe keine Typen mehr im modernen Fußball, sollte sich mit Jules Reimerink beschäftigen. Nun ist der Profi des VfL Osnabrück keiner, der aus Prinzip aneckt. Hinter dem sonnigen Gemüt des Niederländers verbirgt sich ein unkonventioneller Freigeist, der andere mitreißt – und sich selbst gern begeistern lässt.

„Das Gefühl nach meinem Tor gegen Meppen war überragend: Die halbe Sekunde Stille vor dem Jubelsturm. Selten in meinem Leben war ich so froh wie in diesem Moment“, erinnert sich der 28-Jährige an seinen letzten Treffer im VfL-Trikot zum zwischenzeitlichen 2:1, als er SVM-Keeper Erik Domaschke mit einem trockenen Schuss ins kurze Eck überraschte – wie viele Fans, die erst mit Verzögerung den Jubel starteten. „Ich könnte jetzt sagen, ich wollte das so – aber eigentlich habe ich nur draufgeschossen“, grinst der Flügelstürmer, der zuletzt wieder richtig aufgeblüht ist.

Die Frage, ob dies auch mit dem Wechsel von Joe Enochs zu Trainer Daniel Thioune zu tun hat, ist der einzige Moment des Gesprächs, bei dem Reimerink kurz das Gesicht verzieht. Der Grund: „Ich will, dass hier nichts falsch rüberkommt. Joe ist ein toller Mensch, er hat mich im Sommer 2016 zum VfL geholt, mich stets gefördert – auch unter ihm hatte ich immer Bock.“In der ersten Saison habe die Harmonie auf der linken Seite im 4-4-2 mit Alexander Dercho zudem stets gestimmt, bis das Duo mit der langwierigen Verletzung des Linksverteidigers im Sommer auseinandergerissen worden war.

Was sich unter Thioune geändert habe, sei vor allem die taktische Variabilität . „Und das kommt mir nicht mal immer unbedingt zu Gute: Wenn wir 4-2-2-2 durch die Mitte spielen, bin ich draußen“, weiß der dribbelstarke Flügelstürmer, der aber die grundsätzlich offensive Ausrichtung unter Thioune begrüßt. „Früher hatte ich so zwei Eins-gegen-eins-Situationen im Spiel. Wenn die schief gingen, haben alle gesagt, der zeigt ja nichts. Wenn ich nun fünf oder sechs solcher Szenen habe, reicht es, wenn die dritte klappt, damit den Leuten das auffällt“, erklärt Reimerink.

Der 28-Jährige (fünf Tore, vier Vorlagen in der aktuellen Saison) will vor allem spielen – in der Spontaneität und im Überraschungsmoment liegen seine Stärken. „Ich fühle mich beim VfL richtig wohl: Hier spielen super Kollegen, auch im Trainer- und Funktionsteam komme ich mit allen klar – das war nicht immer in meiner Karriere so“, sagt der Rechtsfuß, der schon für Energie Cottbus, Viktoria Köln und vier niederländische Klubs aktiv war. Auch privat passt ihm das Engagement beim VfL gut in den Kram: Seine Frau, die in Enschedes Innenstadt ein Modegeschäft führt, lebt mit der dreijährigen Tochter Chloë nur 35 Autominuten entfernt in Oldenzaal – direkt hinter der Grenze.

„Eine harte Zeit“ sei es gewesen, als er mit zu hoher Geschwindigkeit geblitzt worden sei und im Herbst einen Monat Fahrverbot hatte, gibt Reimerink zu – und erzählt freimütig, wie ihn Freunde darauf aufmerksam machten, dass die Verwaltung per öffentlichen Aushang im Osnabrücker Stadthaus nach seinem Wohnort fahndete. „Ich war erst geschockt – aber die wollten mir nur meinen Führerschein zurückgeben“, lacht der Niederländer.

Ob er auch über diesen Sommer hinaus beim VfL wirbeln darf, steht angesichts seines auslaufenden Vertrages in den Sternen: Von VfL habe noch niemand mit ihm gesprochen. Es gebe Interesse anderer Klubs, aus Holland sowie aus der 3. und 4. Liga in Deutschland, verrät Reimerink: „Natürlich muss ich mir Gedanken machen: Ich habe noch fünf bis sieben Jahre aktiven Fußball vor mir und muss die Hypothek auf mein Haus auch ab Juli weiter abbezahlen.“

Ein kurzer nachdenklicher Satz – aber dann kommt seine positive Lockerheit zurück. „Ich versuche einfach, mich zu empfehlen, dann ergibt sich schon etwas. Am Sonntag gegen Münster steht das nächste Derby an.“ Ausgeruht dafür dürfte der 28-Jährige sein: Beim 0:1 in Würzburg hat er seine Gelbsperre abgesessen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN