Thema verfehlt, Sensibilisierung gelungen „Rechte Fußballfans in Osnabrück“: Vortrag ohne neue Erkenntnisse

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Politisch keinesfalls rechts: die Osnabrücker Fanszene. Foto: FrankenbergPolitisch keinesfalls rechts: die Osnabrücker Fanszene. Foto: Frankenberg

Osnabrück. Der Titel der Veranstaltung ließ aufhorchen: „Nazis raus aus der Ostkurve – rechte Fußballfans in Osnabrück“ lautete die Überschrift eines Vortrages des langjährigen VfL-Anhängers Andres Irrue, der am Dienstagabend über 80 Gäste aus aktiver und passiver Fanszene sowie der Lokalpolitik in den überfüllten, stickigen Raum 207 des Kulturzentrums Lagerhalle lockte.

Dort erfuhren dann alle vom 39-jährigen Mitglied des Fanklubs „Brigade Nord seit 1516“, was sie im Stadion zuletzt wohl ähnlich wahrgenommen hatten: Abseits weniger Einzelfälle gebe es „spätestens seit dem Jahr 2000 kein explizites Problem mehr mit Rechten in der VfL-Fankurve.“ Der Aufhänger des Vortrages möge etwas missverständlich gewesen sein. „Dafür sind aber etwas mehr Leute gekommen als sonst.“

In dieser Hinsicht ist dem Veranstalter VVN-BdA Osnabrück (Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes – Bund der Antifaschisten) ein Coup gelungen. Wobei der Vortrag von Irrure keine fundierte Analyse der aktuellen VfL-Fanszene leistete. Vielmehr schilderte der gebürtige Kolumbianer, der als Zweijähriger in den Raum Osnabrück migrierte und seit 33 Jahren zum VfL geht, subjektiv gefärbt seine Erlebnisse in der Osnabrücker Fanszene.

Was Irrue erzählte – etwa, wie seine Gruppe aus jungen Punks Anfang der 90er vor dem Stadion von Glatzenträgern in Fanutensilien des VfL und von Eintracht Braunschweig in einen Kessel gelockt und tätlich attackiert wurde – war nicht uninteressant. Wie er erzählte, war aber unstrukturiert. Von der „Ausbreitung des Kommerz-Quatsches“ im Fußball über die Kampagne „Mein Freund ist Ausländer“, die der DFB in den 90ern initiierte, während Verbandsvertreter heute „relativ fern vom Fußballfan“ seien, bis zum „Überwachungsblödsinn“ durch die Polizei, deren Dauerpräsenz an sich steigende Verletztenzahlen im Umfeld von Fußballspielen produzieren würde: Viele Thesen, die jede für sich eine sachliche Debatte wert gewesen wären – bis nach einer Stunde aus dem Plenum ein Gast fragte, was denn nun mit dem eigentlichen Thema des Abends sei.

Dieses sei seit etwa 20 Jahren in Osnabrück kein Wirkliches mehr, so die Diagnose von Irrue, der sich alle Anwesenden anschlossen. Nicht ohne kritische Einzelfälle zu diskutieren: Etwa die vor einigen Jahren mit einem Hitlergruß aufgefallene Person im Stadion oder die Gefahr, dass nachrückende junge Ultras neue Gruppen bilden und jene nach Rechtsaußen öffnen könnten.

In der Vergangenheit haben die aktiven Fans in Osnabrück – gerade auch die Ultras – solche Tendenzen stets erfolgreich im Keim erstickt. Dafür erhielten sie Lob von allen Rednern, die gegen Ende der Veranstaltung das Wort ergriffen und mahnten, dass hier auch in Zukunft Wachsamkeit von allen Beteiligten geboten sei. Sollte hier eine weitere Sensibilisierung gelungen sein, hätte ein Abend, der ganz anders verlief als angekündigt, ein gutes Ende genommen.


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