Ex-Spieler des VfL Osnabrück Sebastian Neumann: Erst Trainingsplatz, dann Spielplatz

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Osnabrück. Seit dem Sommer 2016 gibt Sebastian Neumann die Richtung bei Fußball-Drittligist Würzburger Kickers vor. Am Samstag (14 Uhr) empfangen die Unterfranken den VfL Osnabrück. Im Interview spricht der 27-Jährige über seine Rolle als Kapitän der Kickers, das Spiel gegen seinen Ex-Klub und erklärt, warum er sich nicht nur auf dem Trainingsplatz, sondern auch auf den Spielplätzen in Würzburg auskennt.

Herr Neumann, sind Sie lieber auf dem Trainingsplatz oder auf dem Spielplatz?

(lacht) Ich bin noch gerne auf dem Fußballplatz. Das ist ja mein Job. Aber nach dem Training sieht man mich mit meinen beiden Jungs auf Spielplätzen. Ich bin eben ein Familienmensch.

Sie sind vor Kurzem zum zweiten Mal Vater geworden.

Am 12. Februar ist unser Sohn Elias geboren. Alle sind glücklich und wohlauf. Unser großer Sohn Lucas wird im Mai drei Jahre alt. Da tobt jetzt bei uns zu Hause das Leben.

Anscheinend fühlen Sie sich in Würzburg wohl. 2016 sind Sie aus Aalen geholt worden und haben gleich die Führungsrolle als Kapitän übernommen.

Bernd Hollerbach hat mich damals geholt. Dass ich Kapitän wurde, kam etwas überraschend für mich. Aber ich fühle mich ganz wohl in der Rolle und will auch gerne Verantwortung übernehmen. Ich glaube, ich bin auch in der Mannschaft angesehen und fülle die Rolle als Kapitän gut aus. Sportlich, aber auch insgesamt fühlen ich und meine Familie uns sehr wohl in Würzburg.

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Sie waren einer der wenigen Spieler, die auch nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga geblieben sind…

Ich hatte auch einige Anfragen aus der 2. Liga und habe mir mit der Familie Gedanken gemacht, wie es weitergeht. Wir haben uns am Ende für Würzburg entschieden, denn ich glaube, hier ist der Weg noch nicht zu Ende. Hier gibt es noch viel Potenzial.

Zur Arbeitsbeschreibung eines Kapitäns gehören auch klare Worte. Bei Facebook haben Sie vor Kurzem geschrieben: Die eigenen Fans dürften gerne kritisch sein, aber höhnischer Applaus bringe niemanden weiter.

Das habe ich nicht nur bei Facebook geschrieben, sondern den Fans auch persönlich nach dem Spiel gesagt. Es geht ja nur um einen Teil der Fans und nicht um alle. Mir geht es darum: Kritik und Pfiffe kann ich auch mal nachvollziehen, aber Häme und Spott für die eigene Mannschaft sind nicht in Ordnung. Da sehe ich es auch als mein Recht als Kapitän, mich zu äußern. Als wir gegen Aalen zu Hause 0:2 zurücklagen, bin ich auf dem Platz vorangegangen und habe den Jungs gesagt: Wir können hier noch einen Punkt holen, was dann auch gelungen ist. Auch außerhalb des Platzes habe ich eine Führungsrolle. Dabei ist der Austausch auch mit den handelnden Personen im Verein sehr offen: Jeder akzeptiert meine Meinung, genauso wie ich auch andere Meinungen akzeptiere.

Als Absteiger zählte Würzburg zu den Aufstiegskandidaten. Mit Platz zehn sind Sie bislang unter den Erwartungen geblieben. Aktuell sind es 14 Punkte Rückstand auf Platz drei. Da ist der Aufstieg kein Thema mehr?

In der Mannschaft ist der Aufstieg kein Thema. Wir hatten einfach zu große Schwierigkeiten, uns mit 17 Neuzugängen als Team zu formieren. Das hat zu lange gedauert. Als das geschafft war, haben wir vor der Winterpause eine unglaubliche Serie hingelegt, die wir in diesem Jahr fortsetzen wollten. Wir sind jetzt nicht gut, aber auch nicht schlecht aus der Winterpause gestartet, und stehen im Mittelfeld der Tabelle. Wir haben einen Puffer nach oben, aber auch nach unten. Also schauen wir gar nicht mehr auf die Tabelle, denn das bringt uns nicht weiter. Wir wollen jetzt jeden Samstag alles raushauen und auch die Klubs auf den oberen Plätzen noch ein bisschen ärgern. Unser Anspruch muss es sein, jedes Spiel gewinnen zu wollen.

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Auch bei Ihrem ehemaligen Klub in Osnabrück läuft es in dieser Saison nicht so, wie erhofft. Inwieweit verfolgen Sie den VfL noch und welchen Eindruck haben Sie?

Ich verfolge den VfL auf jeden Fall noch und gucke mir die Video-Zusammenfassungen der Spiele an. Es hat mich überrascht, dass es zu Beginn der Saison nicht so lief. Joe Enochs ist ein guter Trainer und die Mannschaft hat Qualität. Letztlich bin ich aber zu weit weg, um mir ein Urteil darüber zu erlauben. Ich bin aber froh, dass sich die Mannschaft gefangen hat. Wie gesagt: Es ist Qualität vorhanden, die Jungs können guten Fußball zeigen. Deswegen müssen wir am Samstag hellwach sein. Wir wollen aus einer guten Defensive heraus unser Spiel spielen und Chancen kreieren, aber wir müssen auch höllisch aufpassen.

Haben Sie noch viel Kontakt nach Osnabrück?

Wenn, dann vor allem mit Leuten aus dem Trainerteam und dem Umfeld der Mannschaft wie Zeugwart Mario Richter. Man schreibt sich ab und zu, aber mehr auch nicht. Marius Gersbeck kenne ich noch aus Hertha-Zeiten, Marcos Álvarez kenne ich. Aber viele, mit denen ich gespielt habe, sind ja nicht mehr da.

In Osnabrück hat man Sie nicht vergessen. Die Anteilnahme war groß, als Sie 2015 nach einer Herzerkrankung um die Profikarriere bangen mussten…

Es war eine Riesengeste vom Verein und den Fans, einem Spieler Mut zuzusprechen, der gar nicht mehr für den Verein spielt. Das war ein Gänsehautmoment und hat mir auch Kraft gegeben, weiter daran zu glauben, dass ich meine Profikarriere fortsetzen kann. Daran hatten die Osnabrücker einen Riesenanteil.

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Gesundheitlich scheint inzwischen wieder alles in Ordnung. In dieser Saison haben Sie nur ein Spiel verpasst, wegen einer Gelbsperre. Das gehört irgendwie auch dazu für einen Verteidiger?

Gesundheitlich ist alles gut. Ich bin topfit. Auf dem Platz muss man als Kapitän auch mal ein Zeichen setzen, wenn wir in den Zweikämpfen präsenter sein müssen. Da begeht man vielleicht auch mal im Mittelfeld ein Foul, für das man Gelb sieht. Aber aktuell neun Gelbe Karten sind für einen Abwehrspieler auch nichts Außergewöhnliches.

Zuletzt haben Sie zum späten 2:2-Ausgleich gegen Ihren Ex-Klub VfR Aalen getroffen und inzwischen drei Saisontore geschossen – so viele wie in zwei Saisons beim VfL. Muss man Sie am Wochenende als Torjäger auf dem Zettel haben?

Generell sind wir bei Standards sehr stark. Da muss jeder von uns beim Gegner auf dem Zettel stehen. Unsere Defensivleute haben alle auch vorne Qualität. Dazu gehöre ich auch, aber eigentlich ist mir egal, wer die Tore schießt. Hauptsache, wir gewinnen.

Sie sind seit vier Spielen ohne Sieg, die Partie in Jena ist ausgefallen. Der VfL wird es am Samstag mit einem ausgeruhten und hungrigen Gegner zu tun bekommen?

So kann man das sagen. Durch den Spielausfall in Jena haben wir Kraft sparen können. Das wollen wir am Samstag komplett raushauen. Wir wollen nach vorne agieren und gewinnen. Das ist unser Ziel, dafür geben wir alles.

Wissen Sie schon, welche Sneakers Sie am Spieltag anziehen? Sie haben mal gesagt, dass Sie 100 Paare zuhause haben?

An Spieltagen tragen wir unsere einheitliche Mannschaftskleidung. Da sind die Schuhe natürlich Rot, wie die Vereinsfarben. Aber an den anderen Tagen kann ich mir die Schuhe aussuchen. Ich trage jeden Tag ein anderes Paar. Ich bin halt Sneakers-verrückt. Das ist meine Macke, aber dazu stehe ich auch.


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