Der Torjäger, der für beide Clubs stürmte Christian Claaßen hält es im Derby gegen Meppen mit dem VfL Osnabrück

Von Daniel Brickwedde

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Derbyerprobt: Christian Claaßen, hier im Meppener Trikot im Zweikampf mit dem Osnabrücker Matthias Koch. Foto: Helmut KemmeDerbyerprobt: Christian Claaßen, hier im Meppener Trikot im Zweikampf mit dem Osnabrücker Matthias Koch. Foto: Helmut Kemme 

Osnabrück. Vereinswechsel zwischen rivalisierenden Fußball-Vereinen sind eine brisante Angelegenheit. Christian Claaßen wählte gleich mehrfach diesen Schritt, wechselte vom SV Meppen zum VfL Osnabrück und wieder zurück. Insbesondere sein erstes Bezirksderby direkt nach dem Wechsel zum VfL ist Claaßen noch präsent. Für die Begegnung in der 3. Liga hält er es mit den Lila-Weißen.

Christian Claaßen kennt beide Seiten. Von 1995 bis 1998 spielte er für den SV Meppen in der 2. Bundesliga, dann wechselte zum VfL Osnabrück und kehrte 2004 noch einmal nach Meppen zurück. Elf Jahre in Folge spielte er für einen der Bezirksrivalen, entsprechend ist Claaßen auf die Derbymentalität in der Region gepolt. Selber wirkte er jedoch nur in vier Punktspielen mit – zu selten spielten beide Vereine in dieser Zeit in einer Klasse. Insbesondere die Erinnerungen an sein erstes Derby in der Regionalliga-Saison 1998/99 sind aber noch präsent.

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„Das war schon ein besonders Spiel für mich“, sagt Claaßen. Für ihn war es nur wenige Monate nach seinem Abgang aus dem Emsland die erste Rückkehr an die alte Wirkungsstätte, ein Pfeifkonzert der Meppener die logische Folge. Gestört habe ihn das damals allerdings nicht, wie er betont: „Mir war klar, dass der Wechsel nicht überall gut aufgenommen wird und dass man in der ersten Zeit ausgepfiffen wird. Das weiß man vorher. Es gehört einfach ein bisschen dazu.“

Torjubel gegen den alten Verein

Kaum versöhnlicher dürfte die Stimmung nach dem 0:1-Rückstand gewesen sein – ausgerechnet durch Claaßen erzielt. Per Außenriss schlenzte er den Ball sehenswert ins lange Eck. Torjubel gegen den alten Verein? „Klar“, sagt Claaßen, „man muss es nicht provozieren, auf den Zaun steigen und obszöne Gesten machen. Aber wenn ich für meinen Verein ein Tor schieße, dann freue ich mich natürlich. Das versteht auch jeder Mensch.“ Den Treffer zum 2:0-Endstand durch Daniel Thioune bereitete er vor.

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Nach seinem Wechsel zum VfL kam Claaßen unter dem damaligen Trainer Gerd-Volker Schock zunächst nur unregelmäßig zum Zug, das Derby beschreibt er daher im Nachhinein als seinen „Durchbruch“ in Osnabrück. „Ich war neu, die Mannschaft spielte damals gut und ich musste warten. Nach dem Spiel war ich jedoch angekommen beim VfL und im Anschluss hat es ja auch gut geklappt“, berichtet Claaßen. Sechs Jahre spielte er für die Lila-Weißen, absolvierte 193 Spiele und erzielte 64 Tore. 2009 bekam er einen Platz in der „VfL-Jahrhundertelf“.

„Wir müssen für Fips gewinnen, wenn sie ihn schon auspfeifen“

Große Gedanken um seinen Wechsel von Meppen nach Osnabrück machte sich Claaßen damals nicht. „Für mich war relativ schnell klar, dass ich zum VfL will. Und wenn dann nur 80 Kilometer zwischen den Städten liegen, dann ist das eben so“, sagt der heute 48-Jährige. In Meppen erzielte er zuvor in 80 Partien 20 Tore, nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga stand die Mannschaft jedoch vor dem Umbruch. „Ausschlaggebend war, dass der VfL sich sehr um mich bemühte und ich einige Spieler schon kannte – da war für mich klar, dass das mein nächster Schritt wird.“ Außerdem habe er immer darauf geschaut, nahe seinem oldenburgischen Lebensmittelpunkt zu bleiben.

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Auch in der Mannschaft spielte seine Vergangenheit beim Bezirksrivalen keine Rolle. „Eher umgekehrt“, behauptet Claaßen, „von wegen, wir müssen für Fips gewinnen, wenn sie ihn schon auspfeifen.“ Mit 35 Jahren nahm er 2004 den umgekehrten Weg und wechselte zurück zum SV Meppen, der zu jener Zeit in der 4. Liga spielten. „Irgendwann ist es vorbei mit höherklassigem Fußball. Ich wollte aber noch nicht aufhören, fühlte mich fit und gesund. Da kam das Angebot aus Meppen genau richtig. Ich konnte halbprofessionell weiter Fußballer sein und nebenbei mir beruflich etwas aufbauen“, sagt Claaßen.

Claaßen erwartet ein heißes Derby

Auf die Frage, welche Zeit prägender war, legt sich Claaßen nach einigen Überlegungen auf den VfL fest. „Die Kameradschaft damals in der Mannschaft war schon etwas Besonderes. Das sagen auch viele damalige Kollegen heute noch. Das war eine tolle Zeit. Fußball ist das eine, Kameradschaft ist aber auch extrem wichtig“, sagt Claaßen.

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Dennoch will er auch die Zeit in Meppen nicht missen. Das Drittliga-Derby an der Bremer Brücke schaut sich Claaßen im Stadion an. Er erwarte ein „heißes Derby“, bei dem es „hoffentlich nur um das Sportliche geht und ansonsten alles ruhig bleibt.“ Und für wen schlägt das Herz mehr? „Ich gönne beiden Vereinen alles, aber da ich mittlerweile in Osnabrück lebe, halte ich es mit dem VfL.“


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