„Es war einmal der VfL“ Als der Schäferhund des Präsidenten die Eintrittsgelder beim VfL bewachte

Von Lennart Albers

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Plaudern über die alten Zeiten: Es war wieder Heimatabend-Zeit. Foto: Lennart AlbersPlaudern über die alten Zeiten: Es war wieder Heimatabend-Zeit. Foto: Lennart Albers

Osnabrück. „Es war einmal der VfL“ – so lautete diesmal das Thema des Heimatabends von Kabarettist Kalla Wefel am Sonntag. Fast drei Stunden lang erzählten Osnabrücker Fußball-Legenden wie Hansi Alpert, Siegfried Müller, Charly Tripp und später Björn Lindemann unterhaltsame Anekdoten aus über sechs Jahrzehnten.

Eine Wohnung hatte er nicht, Gehalt bekam er auch nicht, und trainiert wurde höchstens dreimal die Woche: Als der ehemalige Flügelspieler Alpert von seinem Wechsel 1951 zum VfL erzählte, staunte das Publikum in der Lagerhalle angesichts der scheinbar amateurhaften Bedingungen. Doch Alpert beteuerte, dass das für damalige Zeiten normal war: „Ich war mit 18 Jahren noch Amateur und durfte gar kein Geld verdienen.“ Er wohnte in der Gaststätte Hüggelmeyer an der Bremer Brücke, sein Geld verdiente er sich als Lagerist bei einem Lebensmittelhändler – und spielte nebenbei mit dem VfL um die Deutsche Meisterschaft.

Kaffee und Kuchen

Der VfL unterlag in der Endrunde 1952 zwar gegen den VfB Stuttgart und Rot-Weiß Essen, doch als er auf die Spiele zu sprechen kam, geriet der 85-Jährige ins Reden und Schwärmen: „Wir haben vor 37000 Zuschauern in Osnabrück gespielt.“ Dabei blieb Alpert eine Sache aus seiner Zeit in besonderer Erinnerung: Nach jedem Spiel gab es zusammen mit den Schiedsrichtern und der Gästemannschaft im Obergeschoss von Hüggelmeyer Kaffee und Kuchen. „Da saß dann auch der junge Uwe Seeler vom HSV mit am Tisch.“

Unterhaltsam und humorvoll blieb es auch, als im zweiten Teil mit Müller und Tripp zwei Spieler aus der legendären 1968er-Mannschaft zusammen mit Frieder Schwarze (Sohn des damaligen Präsidenten Friedel Schwarze), Helmut Kümper sowie Wefel, Söhne der damaligen Vize-Präsidenten, über die erfolgreiche Zeit mit der Norddeutschen Meisterschaft und den fünf Teilnahmen an den Aufstiegsrunden zur Bundesliga sprachen. Wefel und Kümper erinnerten sich daran, wie sie die Eintrittsgelder der teilweise 20000 Zuschauer in Zigarrenkisten zusammen mit ihren Vätern in das Gartenhaus von Schwarzes brachten, wo es bis zur Banköffnung am Montag fast unbeaufsichtigt lagerte. „Das wurde nur vom Schäferhund bewacht“, schob Schwarze lachend ein.

Empfang im Bahnhof

Wofür das Geld ausgegeben wurde, verrieten sie auch. Kümper erzählte, wie sein Vater die Mannschaft zu seinem 65. Geburtstag einlud und kurz vor Beginn das Telefon klingelte: „Ihr habt gesagt, dass die Mannschaft nur zum Geburtstag kommt, wenn jeder 100 Mark bekommt, und weil die Hähnchen schon gebraten waren, hat mein Vater eingewilligt.“ Müller bestätigte: „Das soll es gegeben haben“. Tripp, der stolz berichtete, als einziger Spieler bei allen fünf Aufstiegsrunden auf dem Platz gestanden zu haben, erinnerte sich eher an die großartige Unterstützung der VfL-Fans: „Als wir von Auswärtsspielen nach Hause kamen, war der ganze Bahnhof voll, und wir sind teilweise auf Schultern rausgetragen worden.“

Im letzten Teil des Abends wurde ein Zeitsprung vollzogen, als Lindemann auf dem Podium saß. „Durch die Altstadt hier zur Lagerhalle zu laufen, da kommen schöne Erinnerungen hoch“, schmunzelte er bezogen auf sein Party-Image, das ihm zu seiner Osnabrücker Zeit anhing. Über seine Suspendierung im Abstiegskampf 2011, als er angetrunken zum Training kam, blickte Wefel hinweg. Der Gastgeber plauderte mit Lindemann über dessen Zeit in Thailand und die erfolgreiche Pokalsaison 2009/2010, als der VfL ins Viertelfinale einzog. Ein Spiel an der Bremer Brücke hat er seit seiner aktiven Zeit bei den Lila-Weißen aber nicht mehr besucht, will das aber zeitnah ändern: Im Derby gegen Meppen will er mit seinem Kumpel und Ex-VfLer Tobias Nickenig mal wieder vorbeischauen.


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