Derby gegen SV Meppen im Juni 1991 VfL Osnabrück: Als Wollitz sein Traumtor ahnte

Von Daniel Brickwedde

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Derbysieg in letzter Minute: Am 9. Juni 1991 zirkelte „Pelé“ Wollitz diesen Freistoß zum 3:2 in den Winkel des Meppener Tores. Foto: NOZ-Archiv/Michael Hehmann.Derbysieg in letzter Minute: Am 9. Juni 1991 zirkelte „Pelé“ Wollitz diesen Freistoß zum 3:2 in den Winkel des Meppener Tores. Foto: NOZ-Archiv/Michael Hehmann.

Osnabrück. Geht es um die ereignisreichsten Fußball-Bezirksderbys zwischen dem VfL Osnabrück und dem SV Meppen, darf eine Begegnung nicht fehlen: der 3:2-Erfolg des VfL im Juni 1991. Claus-Dieter Wollitz verwandelte mit einem Last-Minute-Treffer die Bremer Brücke in ein Tollhaus – und sorgte damit anschließend für Tumulte beim SV Meppen.

Derbys sind im Fußball ein besonders fruchtbarer Boden für Heldengeschichten. Jede Aktion gewinnt auf Anhieb dreimal so viel an Bedeutung, die Emotionen sind übertrieben und die hitzige Kulisse trägt ihren Teil bei. Es sind Begegnungen, in denen sich Spieler beim eigenen Anhang schnell einen Legendenstatus verdienen können. Ob Claus-Dieter Wollitz in der 90. Minute der Begegnung gegen Meppen im Juni 1991 daran dachte, ist nicht überliefert. Provoziert hat er diesen Status jedoch allemal.

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Der VfL befand sich zu jener Zeit im Abstiegskampf der 2. Bundesliga und brauchte im Derby am vorletzten Spieltag einen Sieg. Zweimal war der SV Meppen in Führung gegangen, zweimal glich der VfL durch Wollitz und Dirk Lellek wieder aus.

Es lief die Nachspielzeit. Freistoß für den VfL aus 22 Metern – aller Proteste der Meppener zum Trotz. Diese Szenerie allein hätte bei Torerfolg bereits Derbygeschichte geschrieben, doch Wollitz wäre in seinem Temperament nicht Wollitz, hätte er nicht noch einen draufgesetzt. Seinem Mitspieler Ralf Heskamp sagte er vor der Ausführung, er solle bereits in Richtung der Ostkurve zu den Fans laufen: „Ich hau´ den rein“. Was folgte, war irgendwie selbstverständlich, Kunstschütze Wollitz zirkelte den Freistoß direkt in den Winkel. Kategorie: Traumtor. Der 3:2-Siegtreffer.

Tumulte an der Seitenlinie und im Kabinengang

Die Bremer Brücke stand Kopf. „Der liebe Gott war mit uns“, gab Trainer Rolf Grünther im allgemeinen Freudentaumel später von sich. So groß das Glücksgefühl auf der einen Seite war, so groß die Enttäuschung und der Ärger auf der Seite der Meppener. Im Mittelpunkt: die Leistung des Schiedsrichter-Teams von Edgar Steinborn. Sein Assistent Wolfgang Brüggemann berichtete damals: „Ersatzorwart Hermann Rülander und später auch der Spieler Robert Thoben wollten dem Schiedsrichter an den Kragen. Wir hatten große Mühe, gemeinsam mit dem Ordnungsdienst und Polizisten den Unparteiischen zu schützen.“

Gästetrainer Persike blieb der Pressekonferenz fern

Tumultartige Szenen an der Seitenlinie und im Kabinengang. Auch Gästetrainer Rainer Persike, ansonsten ein sanftes Gemüt, war nicht zu bremsen. Der obligatorischen Pressekonferenz blieb er fern, schickte stattdessen Co-Trainer und Ex-VfL-Akteur Hubert Hüring. Der entschuldigte seinen Chef mit den Worten: „Er hat Angst, dass er in der Aufregung etwas Falsches sagt.“

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Als sich der Nachhall der 90 hitzigen Derbyminuten gelegt hatte, reichten sich auch die Vereinsverantwortlichen wieder die Hände. Und Grünther zog auf der Pressekonferenz das Fazit: „Es wäre jammerschade für die gesamte Region, wenn es dieses Derby künftig nicht mehr geben würde.“ Dafür musste allerdings zunächst der Klassenerhalt her, den der VfL am letzten Spieltag der Saison 1990/91 mit einem 5:1-Erfolg beim TSV Havelse sicherstellte. Die folgenden drei Bezirksderbys in der 2. Bundesliga gingen jedoch allesamt an den SV Meppen.


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