Zehn Punkte aus den letzten vier Spielen VfL Osnabrück mit Geduld zum 2:1 gegen Großaspach – und auf Platz zwölf

Von Harald Pistorius


Osnabrück. Es war ein Sieg mit langem Anlauf – aber mit Geduld und Disziplin hat der VfL Osnabrück durch einen 2:1-Erfolg seine Positivserie ausgebaut und sich in der 3. Liga auf den zwölften Platz verbessert. Marc Heider und Emmanuel Iyoha erzielten die Tore gegen die SG Großaspach, die über eine Stunde lang mit extremer Defensivtaktik ein 0:0 hielten.

So ist die Lage: Mit dem Sprung auf Platz zwölf wurde dieser Sieg belohnt, der VfL ist auf dem Vormarsch und hat aus den letzten vier Partien zehn Punkte geholt. Am Freitag geht´s nach Erfurt, am 6. März kommt der SV Meppen – das wiurd noch mal ein Höhepunkt einer Saison, die yschon verkorkst erschien. Nach dem 0:1 in Halle Anfang Februar noch im Sog der Abstiegszone hat sich der VfL befreit. Weil die Sportfreunde Lotte (0:3 in Unterhaching), Preußen Münster (0:1 in Zwickau) und der Hallesche FC (1:3 in Wehen) verloren, rückte der VfL auf Rang zwölf vor, von dem ihn der FC Carl Zeiss Jena am Sonntag mit einem Sieg gegen RW Erfurt noch verdrängen kann. (Hier gibt es den Liveticker vom Spiel gegen Großaspach zum Nachlesen)

So traten sie an:Wie zuletzt in Lotte (3:2) und gegen Chemnitz (6:1) setzte Trainer Thioune auf ein 4-2-3-1. In der Viererkette kehrte Wachs (für Engel) zurück in die erste Elf; der Linksverteidiger, der Ende August von Dynamo Dresden ausgeliehen wurde, hatte in Lotte erstmals seit seinem Debüt beim 1:0 in Großaspach nicht in der Anfangsformation gestanden. Ansonsten blieb Thioune bei Team und Taktik vom vergangenen Sonntag. Die Großaspacher kamen im bewährten 3-4-3, allerdings mit dem von mehreren Vereinen umworbenen Hägele in der Abwehrreihe.

So fielen die Tore: Nach einer von Alvarez herausgeholten Ecke, die Wachs ausführte, wurde ein Hinterhaltsschuss von Reimerink abgewehrt; Heider reagiert am schnellsten und traf in der unübersichtlichen Situation mit einem entschlossenen Rechtsschuss unter das Dach (64.); es war das sechste Saisontor von Heider. Für die Entscheidung sorgte Iyoha, der nach einem langen Ball von Groß genug Schnelligkeit, Durchsetzungsvermögen und Abschlussstärke hatte, um daraus mit einem präzisen Linksschuss ins lange Eck das 2:0 zu machen (78.). Der VfL versäumte es, das dritte Tor zu machen; dafür kamen die Aspacher mit ihrer ersten Torschuss durch Sané (88.), der mit einem Volley nach einer Rechtsflanke traf, zum Anschlusstreffer.

So lief das Spiel:So defensiv wie keine der letzten Gästemannschaften stellten sich die in der Rückrunde sieglosen Großaspacher vor. Vor der Fünfer-Kette postierte sich eine Viererreihe, die zehn, 15 Meter hinter der Mittellinie den VfL attackierte und so die Räume extrem verengte. Es dauerte bis zur 12. Minute, ehe die Osnabrücker mit einer Kombination über Iyoha, Heider und Wachs erstmals gefährlich vor das Tor kamen. Die erste Chance hatten die Gäste bei einem direkten 25-Meter-Freistoß von Özdemir, dessen Schuss Gersbeck mit einer Hand aus dem Winkel drückte (16.).

Zweimal zeigte der VfL, wie dieser doppelte Abwehrriegel überspielt werden kann: Beim ersten Mal führte Wachs einen Freistoß so schnell aus, dass sein Pass in den Lauf von Heider die Aspacher überrumpelte; der Schuss von Heider ging am langen Eck vorbei (28.). Dann steckte Danneberg den Ball perfekt durch in den Lauf von Reimerink, der zentral vor dem Tor frei vor Broll stand, aber klar verzog; ein Abspiel auf den mitgelaufenen Heider hätte die Chance auf den Führungstreffer erhöht (36.). Öfter kam der VfL nicht durch gegen die laufstarken, diszipliniert verteidigenden Aspacher – sieht man mal ab von einigen Ecken, die für unübersichtliches Strafraumgetümmel sorgten, sowie ein Distanzschuss v on Alvarez (44., knapp vorbei) ab.

Dem VfL fiel auch nach dem Wechsel nicht mehr ein, die Aspacher hatten auch weiterhin nur an der Sicherung des eigenen Tores Interesse, so dass der ratlose VfL kaum einmal den Ansatz zu einem schnellen Konter in Überzahl hatte. Wenn doch, so stoppten die Gäste die Versuche mit kleinen, aber wirksamen Fouls. Weil Spezialist Alavarez bei seinen Freistößen (50., 56.) eine Fehljustierung nicht ablegte, wurde der VfL auch auf diese Weise nicht gefährlich.

Die größte Chance hatte die Mannschaft in der 58. Minute: Eine Freistoßflanke von Alvarez köpfte Danneberg aufs Tor, den von Broll abgewehrten Ball setzte Heider aus kurzer Distanz an den Pfosten. Jetzt begann die beste Phase des VfL –und prompt fiel das erlösende Tor durch Heider (64.). Jetzt rsikierten die Gäste etwas mehr, ohne dabei wirklich gefährlich zu werden. Für den VfL ergaben sich endlich die Räume, die zwangsläufig zu Chancen führten. Die erste verhinderte der Aspacher mit einem durchaus elfmeterwürdigem Foul am schön freigespielten Danneberg (76.). Die Aufregung über Schiedsrichter Winter hatte sich auf den Rängen noch gar nicht gelegt, da war die Szene schon vergessen: Nach einem Steilpass von Groß mobilisierte Iyoha die letzten Sprintreserven und erzielte das 2:0 (78.).

Jetzt waren weitere Treffer möglich, zweimal scheiterte Tigges (82., 86.), dann Reimerink (87.). Der VfL hätte sich also das Zittern in der Endphase nach dem Anschlusstreffer von Sané (88.) ersparen können.

So war die Stimmung: Es war lange ein eher stimmungsarmes Spiel, untypisch für die Atmosphäre an der Bremer Brücke. Natürlich gab es den üblichen Dauersupport aus der Ostkurve (wo auf einem Transparent klar Stellung für den Erhalt der 50+1-Regel bezogen wurde), doch richtig tauten die 6500 Zuschauer erst nach dem 1:0 auf. Zwei Handvoll Großaspacher Fans mit drei großen Fahnen waren im Gästeblock auszumachen.

Besonderes: Drei Spieler liefen bei Temperaturen um 0 Grad mit kurzärmeligen Trikots auf: Kapitän Groß, Susac und Alvarez. – Bei der Seitenwahl überließen die Gäste entgegen den Gepflogenheiten dem VfL nicht die Spielrichtung; so mussten die Osnabrücker bereits in der ersten Halbzeit in Richtung Ostkurve spielen.

So geht‘s weiter: Für den VfL beginnt die interessanteste Phase der Saison: Am Freitag (2. März) geht es zum Schlusslicht Rot-Weiß Erfurt; im Hinspiel schafften die Thüringer einen 1:0-Sieg an der Bremer Brücke. In Erfurt fehlt Groß, der zum zehnten Mal verwarnt wurde. Vier Tage später kommt am Dienstag (6. März, 19 Uhr) der SV Meppen zur Bremer Brücke.


VfL Osnabrück - SG Sonnenhof Großaspach 2:1 (0:0)

VfL Osnabrück (4-2-3-1): Gersbeck – Renneke, Susac, Sama, Wachs – Groß, Danneberg – Heider, Iyoha, Reimerink – Alvarez. Trainer: Thioune

Wechsel: 80. S. Tigges, für Iyoha, 80. Krasniqi für Heider, 89. Arslan für Reimerink.

Gelbe Karten: 23. Groß (10. Verwarnung, damit in Erfurt gesperrt).

Auf der Bank: Paterok (Tor), Appiah, Engel, Sen.

Es fehlten: Klaas (Oberschenkelprobleme), Dercho (Reha/OP Sprunggelenk), Savran (Innenbandriss, Knorpelschaden), Bickel (im Aufbau), Leon Tigges, Ruschmeier, Zorba, Möller, Kristo (nicht im Kader).

Großaspach: Broll – Bösel, Gehring, Özdemir – Solm, Hägele, Hoffmann, Schiek – Rodriguez, Sané, Gyau. Trainer: Hildmann

Wechsel: 69. Gutjahr für Hoffmann, 75. Fountas für Bösel.

Auf der Bank: Reule (Tor), Binakaj, Baku, Themann, Pelivan.

Gelbe Karten: 65. Solm, 90.+1 Sane.

Tore: 1:0 Heider (64., Rechtsschuss aus acht Metern nach einem abgewehrten Reimerink-Schuss und einer Ecke von Wachs); 2:0 Iyoha (78., flacher Linksschuss ins lange Eck nach einem Steilpass von Groß), 2:1 Sané (88., Rechtsschuss, volley in den Winkel nach Flanke von Fountas) .

Schiedsrichter: Winter (Scheibenhardt)

Zuschauer: 6466, davon ein Dutzend Großaspacher.