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21.02.2018, 17:31 Uhr VFL OSNABRÜCK: VERTRAG AUFGELÖST

Trainer Joe Enochs geht als großer VfLer

Kommentar von Harald Pistorius

Abschied mit Würde: Joe Enochs un der VfL haben sich über eine Vertragsauflösung geeinigt. Foto: Helmut KemmeAbschied mit Würde: Joe Enochs un der VfL haben sich über eine Vertragsauflösung geeinigt. Foto: Helmut Kemme

Osnabrück. Nun ist die Trennung auch formell besiegelt: Der VfL Osnabrück und Joe Enochs haben den bis 2020 datierten Vertrag drei Monate nach der Entlassung des Fußballlehrers einvernehmlich aufgelöst. Unser Kommentator meint: Das war keine Fußball-Scheidung wie jede andere.

Es war kein Trainerwechsel wie jeder andere, es ist keine Trennung wie viele. Mit den üblichen professionellen Maßstäben ist die Scheidung dieser Fußball-Ehe nicht zu messen.

Mit der Unterschrift unter den Cheftrainer-Vertrag war klar, dass Joe Enochs nicht mehr als Clublegende beim VfL alt werden konnte. Das hat er damals selbst gesagt, doch ob er sich der Bedeutung bewusst war, ist zweifelhaft.

So richtig weiß er das wohl erst, seit er am 4. Oktober 2017 in ein Hotelzimmer gebeten und dort über die Trennung informiert wurde. Nicht die Entlassung allein, sondern auch die Umstände haben ihn tief getroffen. Von einem Tag auf den anderen hatte er nicht nur den Traumjob verloren, sondern auch den geliebten Verein, nach 21 Jahren. Freundschaften blieben auch auf der Strecke.

Über seine Arbeit und seine Erfolge als Trainer kann man diskutieren, seine Korrektheit, Hingabe und Loyalität sind unstrittig. Enochs machte Abstriche am eigenen Gehalt, er streckte sich nach der Decke des VfL und sagte Ja zu Verkäufen, die die Substanz schwächten.

Jetzt hat er einer Vertragsauflösung zugestimmt, obwohl er juristisch wohl in der besseren Position war. Eine berechtigte Abfindung dürfte er bekommen, aber Enochs hat sich ganz anders verhalten als Maik Walpurgis, der 15 Monate das volle Gehalt und alle Prämien kassierte.

Ausgerechnet von Enochs, der für den VfL alles gab, zu erwarten, er müsse seinen Vertrag zurück- und damit alle Ansprüche aufgeben, ist absurd. Genährt haben diese Haltung allerdings Enochs selbst und Ex-Vizepräsident Uwe Brunn durch missverständliche Äußerungen.

Doch das ist nachrangig. Was weit über diese Kleinigkeit hinaus zählt, sind die sportliche Leistung und das persönliche Engagement eines großen VfLers. Das war er, und das bleibt er, auch wenn er jetzt geht: ein Stück VfL Osnabrück.


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