Manager des VfL Osnabrück im Interview Lothar Gans: „3. Liga gehört unters Dach der DFL“

Von Harald Pistorius

Profi, Marketingleiter, Interimstrainer und Manager: Lothar Gans bleibt dem VfL Osnabrück auch nach dem Rückzug aus dem Amt treu. Foto: imago/pmkProfi, Marketingleiter, Interimstrainer und Manager: Lothar Gans bleibt dem VfL Osnabrück auch nach dem Rückzug aus dem Amt treu. Foto: imago/pmk

Osnabrück. Lothar Gans hat die Entwicklung des Profifußballs unterhalb der Bundesliga in den letzten zwanzig Jahren erlebt und beim VfL Osnabrück mitgestaltet. Der ehemalige Zweitligaprofi kennt die 3. Liga noch als viergleisige Klasse mit Feierabendkickern und Dorfvereinen.

Jetzt zieht sich der neben Michael Zorc dienstälteste Manager im deutschen Profifußballs zurück. In diesem Interview spricht er über die Veränderungen und Perspektiven der 3. Liga – und hat dabei eine klare Forderung.

Herr Gans, als Sie 1996 in Osnabrück anfingen, war der VfL einer von 72 drittklassigen Vereinen…

…und wir spielten gegen Lurup, Ricklingen und Herzlake. Es gab keine Fernsehgelder, wir hatten manchmal weniger als 1000 Zuschauer und es gab kein Lizenzierungsverfahren. Wir lebten von der Hand in den Mund.

Schock, der als Manager und Trainer tätig war, und Sie haben schon damals eine eingleisige 3. Liga gefordert.

Ja, und zwar ohne Amateurvereine der Bundesligisten. Wir sahen die dritte Liga als notwendigen Unterbau der Profiklassen. Die Kluft zur 2. Bundesliga war damals riesig. Aber mehrheitsfähig war die Idee damals nicht. Wenn man so will, waren wir unserer Zeit zwanzig Jahre voraus…

Seit 2008/09 gibt es die 3. Liga. Kann sich diese Spielklasse sehen lassen? Immerhin haben sie Entwicklung als Clubmanager nicht nur verfolgt, sondern auch mitgestaltet.

Es ist eine hochinteressante, ausgeglichene Liga, in der guter Fußball unter Vollprofibedingungen geboten wird. Es gibt etliche Traditionsvereine, gespielt wird in Stadien mit Flair, der Zuschauerschnitt ist höher als zu meinen aktiven Zeiten in der 2. Bundesliga. Aber der wirtschaftliche Druck ist enorm. Wer echte Aufstiegsambitionen umsetzen will, ohne dass er einen zusätzlichen Geldgeber in der Hinterhand hat, der muss ins Risiko gehen. Nur wenige Vereine schaffen es, mit einer schwarzen Null aus der Saison zu kommen.

Muss das bei durchschnittlichen Einnahmen zwischen sechs und acht Millionen Euro aus Eintrittsgeldern, Sponsoring und Fernsehhonorar nicht anders gehen?

Eigentlich ja. Aber die Kluft zur 2. Bundesliga ist mitgewachsen, und das dortige Gehaltsniveau treibt die Personalkosten auch in der 3. Liga nach oben. Auch in der 3. Liga ist bereits ein erheblicher Aufwand nötig, um die Infrastruktur zu stemmen. Entscheidend ist, dass fast alle nach oben wollen, nur wenige Vereine die 3. Liga als Chance oder als Geschenk sehen. Und eins ist klar: Wenn man raus will aus der 3. Liga, dann darf man sich keine hohen Nebenkosten leisten – dann muss überall extrem gespart werden, damit so viel wie möglich in die Mannschaft investiert werden kann. Erst kommt der Erfolg auf dem Rasen – danach alles andere.

Aber die 2. Bundesliga ist für einen Aufsteiger kein Selbstläufer. Die Wettbewerbsspreizung ist doch viel größer als in der 3. Liga.

Genau! Der Aufsteiger bekommt im ersten Jahr knapp sieben Millionen Euro allein vom Fernsehen. Hört sich erstmal gewaltig an, wenn man die 800000 Euro in der 3. Liga denkt. Aber schon Vereine aus der unteren Hälfte, die ein paar Jahre 2. Bundesliga angesammelt haben, bekommen zwei bis vier Millionen Euro mehr! Von den Absteigern aus der Bundesliga ganz zu schweigen. Ein echter Zweitligist ist man erst, wenn man dort vier, fünf Jahre am Stück gespielt und Substanz aufgebaut hat.

Wo sehen Sie eine strukturelle Lösung?

Die 3. Liga hat Potential – in der Talentförderung, in der Entwicklung junger Trainer und als Plattform für Spieler, die in den Nachwuchsleistungszentren ausgebildet wurden, den großen Sprung aber nicht oder noch nicht geschafft haben. Wenn die entscheidenden Leute das erkennen und nicht länger glauben, wir geben das Geld für teurer Exprofis aus, dann müsste es für die 3. Liga einen Weg unter das Dach der DFL geben – und das muss auch im Interesse des DFB sein. Zumindest sollte man die Idee eines Fördersystems, wie sie der Unterhachinger Präsident Manni Schwabl und ich entwickelt haben, umgesetzt werden.

Sie sind mit dem VfL Osnabrück vier Mal aufgestiegen. Dreimal ging es direkt wieder runter, einmal nach zwei Jahren. Was war der Kardinalfehler?

Vielleicht vorweg: Die größte Chance hatten wir 2008/09. Da haben wir den Klassenerhalt im zweiten Jahr verpasst, weil mehrere Spieler in den Wettskandal verwickelt waren. Ohne diese Einflüsse hätten wir es geschafft. Grundsätzlich hätten wir transparenter über die wirtschaftlichen Probleme reden müssen. Ja, ich glaube, wir hätten die Region wachrütteln müssen. Vielleicht sogar, indem wir das Szenario eines Aufstiegsverzichts entworfen hätten.

Jetzt ist der VfL sieben Jahre in der 3. Liga – ein typischer Drittligist?

Ja und nein. Ja, weil wir eben so lange wie noch nie am Stück in dieser Liga sind und in mancherlei Hinsicht mit vielen Zweitligisten nicht mithalten können. Und nein, weil es natürlich diese Vergangenheit in der 2. Bundesliga gibt und damit auch die große Sehnsucht aller, da wieder hinzukommen. Ich möchte irgendwann zur Bremer Brücke radeln, um dort Zweitligafußball sehen.